Anlieger der Panoramastraße zittern um den Anschluss an die Fernwärme. Rexingen zittert vor dem Anschlusszwang. Die Eigentümer sind hin- und hergerissen. Ein Mieter sagt: „Ich bin froh, wenn die teure Nahwärme nicht kommt.“
Die einen haben es, wollen aber keinen Anschluss. Zu teuer. Die anderen wollen es, müssen jetzt aber zittern. Und Horbs OB Peter Rosenberger sagt: „Wir können Nahwärme.“ Wirklich?
Das Thema Nahwärme ist besonders in Horb voller Emotionen. Am Dienstag fällt im Gemeinderat unter Tagesordnungspunkt 3 die Entscheidung, ob es einen Anschlusszwang für die bereits verlegten Nahwärmenetze in Rexingen gibt. Ein Eigentümer: „Wenn das kommt, werde ich bis zur letzten Instanz dagegen klagen! Das ist mir viel zu teuer.“
In der Panoramastraße wollen Eigentümer Nahwärme
In der Panoramastraße passiert dagegen genau das Gegenteil. Hier ist ohnehin seit Jahren Dampf im Kessel, weil die Eigentümer 90 Prozent der Kosten der Straßensanierung zahlen sollen. Die meisten wollen dagegen klagen. Hier fällt der versprochene Nahwärmeanschluss teilweise weg.
Ein Eigentümer: „Wir haben eine Ölheizung im Keller, die unsere Gebäude versorgt. Jetzt hat unsere Hausverwaltung einen Brief bekommen, dass wir keinen Nahwärmeanschluss bekommen. Die Begründung: Es lohnt sich nicht für die Stadtwerke, die Verlegung der Rohre wäre nicht wirtschaftlich.“
In Rexingen wäre so mancher Anlieger froh, wenn er nicht an die Nahwärme angeschlossen wird. Wie geht es den Eigentümern an der Panoramastraße?
Eigentümer: „Wir haben auf Nahwärme gesetzt“
Ein Eigentümer von der Panoramastraße: „Wir waren mit den Konditionen einverstanden. Unsere hauseigene Heizungsanlage mit Öl kann zwar so lange laufen, wie sie gewartet werden kann. Eine Erneuerung ist aber nicht möglich. Nicht umsonst haben wir den Antrag gestellt und uns schon das Angebot von mehreren Heizungsfirmen geholt für den Hausanschluss.“
Das Rathaus bestätigt die Absage an die Eigentümer.
Rathaus: Nahwärmeleitung nur bis Hausnummer 46
Rathaussprecherin Inge Weber: „Im Rahmen der geologischen Untersuchung wurde festgestellt, dass die geologischen Verhältnisse im Bereich der oberen Panoramastraße sehr schwierig sind. Das heißt: Das Einlegen von Nahwärmeinfrastruktur ist mit vertretbarem Aufwand nicht möglich.“
Das Rathaus weiter: „ Darüber sind die Eigentümer auch informiert. Die Hauptleitung endet daher auf Höhe Gebäude 46. Im weiteren Verlauf gibt es einen Wärmeliefervertrag. Hier sind wir jedoch mit den Eigentümern im Gespräch.“
Das heißt aber auch: Wenn die Nahwärmeleitungen an der Hausnummer 46 enden, dann bekommen mindestens sechs Gebäude talabwärts keinen Nahwärmeanschluss mehr.
Mieter: „Bin ehrlich gesagt froh“
Ein Mieter aus der Panoramastraße sagt: „Wenn ich mitbekomme, wie die Nahwärmekosten in Rexingen explodiert sind, bin ich ehrlich gesagt froh, dass die Stadtwerke von sich aus die Versorgung in unserem Gebäude abgelehnt hat.“
Hubert Brenner, einer der Interessenten für Nahwärme in Rexingen, hatte in der Johanniterhalle bei der Info-Veranstaltung der Stadtwerke vorgerechnet: „In den ganzen vorgelegten Preiskalkulationen der Stadt ist noch nicht berücksichtigt, dass der Mehrwertsteuersatz derzeit auf 7 Prozent reduziert ist. Ab nächstem Jahr steigt dieser wieder auf 19 Prozent! Dann ergeben sich Kosten für die Wärmeenergie eines standardisierten Vergleichsgebäudes in Rexingen mit einem Energiebedarf von 25 000 kW/h pro Jahr auf eine Höhe von 4400 Euro!“
Info
Der Konflikt
Die Stadtwerke hatten in Rexingen schon alle Leitungen verlegt. Im Mai wurde verkündet, dass die bisherigen Preise zu niedrig sind. Das schreckte die Interessenten ab – Anschlusskosten: Bis 9100 Euro (netto). Grundpreis jährlich: 2523 Euro brutto. Verbrauchspreis: 5,5 Cent pro kw/h. Folge: Zu den bis dahin 15 Wärmelieferverträgen sind nur 12 dazugekommen. Für die Kostendeckung brauchen die Stadtwerke 45 Verträge.
Kommt jetzt der Anschlusszwang?
In der Drucksache 141/2023 schlägt das Rathaus jetzt vor, wie mit dem Nahwärme-Desaster weiter umzugehen ist. Als Optionen wurden im Sommer Anschlusszwang, bessere Marketing-Aktionen, ein Investor oder andere Preise vorgeschlagen.
Investor.
Wird in der Drucksache abgelehnt: „Das setzt voraus, dass sich für den Käufer und/oder Betreiber ein positives wirtschaftliches Ergebnis erzielen lässt. Das lässt sich aber wie oben ausgeführt bei der vorhandenen Struktur mit geringer Anschlussdichte nicht erreichen. Zudem würde durch einen Gewinnzuschlag der Jahrespreis der Abnehmenden weiter erhöht werden.“
Marketing-Maßnahmen
Das Rathaus: „Eine Erhöhung der Anschlussdichte über Marketing maßnahmen ist unrealistisch.“
Neue Preise.
Das Rathaus schlägt vor, den Rexingern andere Preise anzubieten. Als Beschlussvorschlag Nummer 1. Zitat: „Die Abrechnung der Wärmeabnehmenden erfolgt vorläufig nach dem Preisblatt der Horber Weststadt.“
Wie ist der Nahwärmepreis in Horb Weststadt?
Laut dem Preisblatt beträgt der Jahresgrundpreis 411,95 Euro (brutto). Der Verbrauchspreis liegt bei 11,77 Cent brutto pro kw/h.
Anschlusszwang.
Das Rathaus: „Durch die Ausweisung eines Satzungsgebietes mit Anschluss- und Benutzungszwang wird die Anschlussdichte ans Netz erhöht. Inwieweit dies zu verbesserten wirtschaftlichen Konditionen führen wird, lässt sich jedoch erst nach der Umstellung des Kalkulationsmodells abschließend mitteilen und wird wiederum mit ergänzenden Anlage zur Drucksache zum VTA am 10. Oktober 2023.“ Ein Fachbüro hatte dazu Kalkulationen vorgelegt.
Ist der Anschlusszwang damit vom Tisch?
Nein. Die VTA-Sitzung war nicht-öffentlich. Je nach Ergebnis könnte der Gemeinderat am Dienstag, 24. Oktober den Anschlusszwang für Rexingen beschließen.