Perspektivisch kann Grosselfingen immer energieautarker werden: Die „Bürger Energie Tübingen“ hat den festen Willen, mehr Haushalte anzuschließen. Und auch das Unternehmen Bogenschütz würde eine neue Anlage einrichten, die Wärme erzeugt. Das ist der aktuelle Stand.
Es sind rund einhundert Haushalte, die in Grosselfingen derzeit ans bestehende Nahwärmenetz angeschlossen sind. Nachdem die Bürgerenergie Tübingen dieses Netz übernommen hat, könnte es schon recht bald erweitert werden. Auch das Entsorgungsunternehmen Bogenschütz bringt sich in diesem Zusammenhang ins Gespräch.
Wir fassen den aktuellen Stand mit Fragen und Antworten zusammen:
Wie konkret sind die Pläne bisher?
Die Genossenschaft „Bürgerenergie Tübingen“ hat das Nahwärmenetz – wie schon länger bekannt – Anfang vergangenen Jahres übernommen. Günther Gamerdinger, Mitglied im Vorstand der Genossenschaft, teilt auf Anfrage unserer Redaktion mit Blick auf die Erweiterung des Nahwärmenetzes mit: „Wir wollen das Netz erweitern, aber es gibt keinen konkreten Zeitplan.“
Warum ist die Erweiterung gerade jetzt im Gespräch?
Weil die EEG-Förderung der bestehenden Biogasanlage im Jahr 2027 ausläuft. Diese Förderung hat den Strom, den die Anlage verbraucht, subventioniert. Wie Gamerdinger erklärt, müsste nach Auslaufen der Förderung ein neues Preismodell mit dem Betreiber gefunden werden. Die Übernahme des Wärmenetzes durch die Genossenschaft und das Ende der Förderung sind nun auch die Anlässe für Überlegungen mit Blick auf die Erweiterung des Nahwärmenetzes.
Welche Voraussetzungen müssten für eine Erweiterung gegeben sein?
Die bestehende Anlage kann von den Kapazitäten her die rund 100 Haushalte in Grosselfingen versorgen. Sollen weitere Haushalte/Abnehmer angeschlossen werden, wäre eine „zweite Heizquelle“ (Gamerdinger) notwendig.
Wo könnte diese zweite Heizquelle gebaut werden?
An dieser Stelle bringt sich Uwe Bogenschütz, Betreiber des gleichnamigen Entsorgungsbetriebs mit Sitz in Grosselfingen, ins Gespräch: Er kann sich vorstellen, eine Anlage, die Wärme erzeugt, auf dem Firmengelände zu installieren. Das Projekt ist aktuell ebenfalls nicht in trockenen Tüchern, aber Bogenschütz zeigt sich entschlossen: „Es ist schon unser Vorhaben, dass wir dieses Projekt umsetzen.“ Eine Voranfrage beim Regierungspräsidium Tübingen liegt demnach schon vor.
Wie könnte die Wärme erzeugt werden?
Mit einer Thermolyse-Anlage. Ganz vereinfacht: Die Anlage würde mit verschiedenen Holzsorten ‚gefüttert‘ und ein chemischer Prozess erzeugt Wärme. Der Vorteil: Bogenschütz hat die dafür notwendigen Stoffe ohnehin auf dem Gelände und könnte diese weiterverwerten. Darüber hinaus hätte er, wie er weiter berichtet, auch eine Halle, in der man eine entsprechende Anlage aufbauen könnte.
Rein technisch betrachtet, könnten davon auch Betriebe im Gewerbegebiet Nord bei Bisingen profitieren. Das Thema kam zuletzt beim Gesprächsformat „IHK vor Ort“ der Industrie- und Handelskammer Reutlingen in Bisingen auf – entschieden ist auch darüber noch nicht. Bogenschütz stellt klar, dass er die Anlage zwar einrichten will, aber: „Wir werden kein Nahwärmenetz aufbauen.“
Wie kommt die Wärme in die Haushalte?
Das Wärmeleitungsnetz in Grosselfingen befindet sich im Besitz der Genossenschaft Bürgerenergie Tübingen (die eine 100-prozentige Gesellschafterin der „Bioenergie Grosselfingen GmbH“ ist). Diese müsste das Netz entsprechend erweitern und die Wärme vom Gelände des Unternehmens Bogenschütz Entsorgung abnehmen.