In absehbarer Zeit soll das erste Gebäude laut Bürgermeister Bernhard Waidele an das Nahwärmenetz in Bad Rippoldsau angeschlossen werden Foto: Eveline Kern

Der enorme Anstieg der Baukostenpreise treibt auch die Kosten für die Nahwärme in Bad Rippoldsau-Schapbach in die Höhe.

Grünes Licht gab der Gemeinderat in Bad Rippoldsau-Schapbach für die Neugestaltung der Verträge in Sachen Nahwärme. Der Beschluss erfolgte einstimmig.

 

In die Sitzung gekommen war auch Projektentwickler Jörg Dürr-Pucher von „Clean Energy“ aus Radolfzell, der die Notwendigkeit der neuen Vertragsstruktur und den damit einhergehenden Preisanstieg erläuterte. „Der Ausbau des Wärmenetzes nach ursprünglichen Bedingungen würde eine Million Euro mehr kosten“, so Dürr-Pucher. Grund hierfür sei unter anderem der massive Baukostenanstieg. Weiterhin erfolge die Förderung der Wärmekunden nicht mehr über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), sondern über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Bereit für Gespräche

Vorgesehen ist eine Grundförderung von 30 Prozent für alle, Zuschüsse sind möglich bis zu 70 Prozent der förderfähigen Investitionskosten. Einen Bonus gibt es, wenn die Heizung älter als 20 Jahre ist und demontiert wird. Kunden mit einem Jahreseinkommen von bis zu 40 000 Euro erhalten einen Bonus von 30 Prozent. Das Hinzuziehen eines Energieberaters ist Fördervoraussetzung bei der neuen Bundesförderung.

Die Entscheidung zur Vertragsunterzeichnung liege bei der Kundschaft, erklärte Dürr-Pucher. Er habe mit mehreren potenziellen Beziehern Gespräche geführt. Der Grad der Enttäuschung sei unterschiedlich ausgefallen: Einige machten zähneknirschend weiter mit, andere nicht. Weiterhin haben Neubürger von Bad Rippoldsau bereits Interesse angemeldet. „Die Verwaltung schickt die Verträge nach dem heutigen Beschluss an die Kunden und ich komme gerne, wenn wer mit mir reden will“, bot Dürr-Pucher an.

Möglich sei eine Vorverlegung ins Gebäude, was jedoch von der KfW nicht gefördert wird. Dies halte die Option für einen späteren Anschluss offen. Die Kosten hierfür beziffern sich auf etwa 8000 Euro netto ohne Übergabestation. Bei einem nachträglichen Anschluss trage der Kunde die Kosten für die Einbindung in den Primär- und Sekundärkreislauf.

Rücktrittsrecht abgelaufen

Gemeinderat Kurt Schmieder (CDU) erkundigte sich nach der Verlässlichkeit der jetzigen Kalkulation. Rund 90 Prozent sind laut Dürr-Pucher erledigt, denn Rohr und Leitungen sind gekauft. Ratskollegin Viola Künstle (Freie Wähler) wollte wissen, wie es rechtlich für die Gemeinde aussehe, da das Rücktrittsrecht 2023 abgelaufen sei. Die Kündigung erfolge seitens „Clean Energy“ aus wirtschaftlichen Gründen und sei juristisch wasserdicht, sagte Dürr-Pucher. Seiner Ansicht nach lohne sich der Anschluss trotz der gestiegenen Preise. Aus Sicht des Betreibers, also der Gemeinde, kann ein erstes positives Jahresergebnis in 13 Jahren erwartet werden.

Der Beschluss erfolgte einstimmig, Gemeinderätin Petra Schoch (FWV) nahm an der Abstimmung aus Gründen der Befangenheit nicht teil.

Die Vertragsdaten

Standardvertrag Nahwärme Bad Rippoldsau
 Jährlicher Grundpreis 550 Euro netto, jährlicher Servicepreis 100 Euro netto, Arbeitspreis pro Kilowattstunde 13,3 Cent netto, Mindestabnahme 10 000 Kilowattstunde pro Jahr (kostenpflichtige Möglichkeit eines Minivertrags ohne Mindestabnahme), Kauf von Übergabestation inklusive Montage und Einbindung ins Wärmenetz sowie Inbetriebnahme und Einweisung in Höhe von 9500 Euro netto (gefördert durch KfW).