Außer der Versorgung mit Dingen des täglichen Bedarfs ist in einem kleinen Ort auch eine Möglichkeit der Begegnung wichtig. Deshalb sammelt ein Arbeitskreis nicht nur auf dem Papier Ideen für die Wiederbelebung der Waldensergemeinde, sondern will schnell tätig werden.
Kein Lebensmittelgeschäft im klassischen Sinne, kein Metzger, kein Bäcker und auch kein Treffpunkt für die Bevölkerung – das ist seit Sommer die Ausgangslage der ehrenamtlichen Planer rund um die Initiatorinnen Marita Hagedorn und Margrit Pfenning-Flik. Nährboden für das Engagement der Gruppe ist der Zukunftsdialog in Althengstett. Der Grundgedanke: Gemeinsam kann man mehr erreichen als alleine. Immer wieder werden auf diesem Weg Projekte von den Bewohnern der drei Ortsteile ins Leben gerufen. Sich selbst einbringen und anpacken lautet die Devise – in Neuhengstett jetzt seit einigen Monaten auch für das Thema Nahversorgung und Begegnung.
Einige Neuzugänge
Beim jüngsten Treffen vor einigen Wochen seien wieder einige neue Mitstreiter hinzugekommen, weitere seien beim Treffen kommende Woche willkommen. „Wir werden nächste Woche den Flyer vorstellen, mit dem der Bedarf in Sachen Nahversorgung abgefragt wird“, kündigt Hagedorn im Gespräch mit unserer Redaktion an. Die Neuhengstetter werden konkret gefragt, ob sie die Notwendigkeit für ein Lebensmittelgeschäft im Ort sehen oder nicht. Hagedorn ist gespannt auf die Resonanz und hofft auf einen Rücklauf von 50 Prozent: „Ich denke, das wäre ein gutes Ergebnis“, sagt sie.
Erst Glücksfall – dann Schließung
Einen anfangs vielversprechenden Anlauf für ein Lebensmittelgeschäft im klassischen Sinne mitten in Neuhengstett gab es übrigens im Mai 2007. Damals eröffnete Petra Nehring ihr „ik“-Einzelhandelsgeschäft in der Waldenserstraße. Der Nachbarschaftsladen der Okle Großhandelszentrale GmbH hatte eine Verkaufsfläche von 150 Quadratmetern – damals ein Glücksfall für Neuhengstett. Bekannte Discounterketten fangen unter einer Fläche von 800 Quadratmetern und der entsprechender Anzahl von Parkplätzen nämlich erst gar nicht an. Okle hatte sich im „Ihr Kaufmann“-Segment ausschließlich mit selbstständigen Einzelhändlern zusammengetan. Für Neuhengstett damals also ein maßgeschneidertes Angebot. Angenommen wurde es nach dem ersten Ansturm aber nicht und der Laden musste schließen.
Ideen nehmen Gestalt an
Konkreter wird beim nächsten Treffen der Initiative Versorgung und Begegnung jedenfalls das Thema Marktschwärmerei. Verbraucher bestellen übers Internet Lebensmittel von Erzeugerbetrieben aus der Region und holen diese einmal pro Woche auf einem Markt in ihrer Nähe ab. Eine kleine Gruppe der Neuhengstetter Initiative möchte herausarbeiten, wie realistisch ein solches Angebot ist.
„Uns geht es aber nicht nur um die Versorgung mit Lebensmitteln, sondern vor allem auch um einen Treffpunkt und das Thema Geselligkeit. Das wird zunehmend wichtig und fehlt hier zurzeit“, betont Hagedorn. Deshalb hat sie beim jüngsten Treffen den Feierabendmarkt ins Spiel gebracht und stieß damit auf Zustimmung. Das Konzept für ein mögliches künftiges Einkaufsangebot im Ort ist simpel: Regionale Anbieter verkaufen ihre Waren, Vereine können während des Markts für eine Bewirtung sorgen. „Dann hätte man einen Markt und Geselligkeit“, so die Initiatorin.
Wie viel Arbeit steckt dahinter?
Bei beiden möglichen Projekten sei wichtig, herauszufinden, wie viel Arbeit dahinter steckt. Schließlich sei es ohnehin schwierig, Menschen fürs Ehrenamt zu gewinnen. „Bei unserem letzten Treffen wurde mehrfach betont, dass Geselliges bei uns im Ort gewollt ist, aber fehlt.“
Die Initiative hat sich laut Hagedorn vorgenommen, „machbare kleine Sachen schnell in die Tat umzusetzen“. Vorstellbar sei ein Unterstützungsangebot beim Einkauf für ältere Menschen im Ort, beispielsweise in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Seniorenrat. Das Aufstellen von Schwätzbänkle – eine einfache kleine Maßnahme, um Einsamkeit vorzubeugen, sei eine weitere solche Maßnahme. Sie soll Menschen zum miteinander Reden ermutigen. Anstatt mit dem Rollator los zu laufen in dem Wissen, während des Rundgangs allein zu bleiben, könne man so am Bänkle jemanden zum Schätzen treffen, so Hagedorn.
Nicht unbedingt ein Nachteil
„Wir haben viele Baustellen zu beleuchten und noch einen ganzen Berg Arbeit vor uns“, umschreibt die Neuhengstetterin die Tätigkeit der Initiative Versorgung und Begegnung. In kleinen Schritten wolle man sich vorwärts arbeiten. Und genau das passe zur Ortskernsanierung in Neuhengstett, die freilich noch eine ganze Zeit dauern wird: „Das ist für uns nicht unbedingt ein Nachteil, denn so können wir zeitig unsere Vorstellungen und Wünsche für eine lebendigere Ortsmitte einbringen“.
Treffen am 26. November
Die Initiative Versorgung und Begegnung
trifft sich am Dienstag, 26. November, ab 19.30 Uhr im Neuhengstetter Rathaus. Außer der Umfrage zum Bedarf eines Lebensmittelgeschäfts in der Bevölkerung stehen unter anderem eine künftige Begegnungsstätte und das Thema Shuttlebus auf der Agenda.