Auf der Suche nach Sparpotenzialen rückt für den Kreis „Ortenau Mobil“ in den Fokus. Trotz steigender Nutzerzahlen verursacht sie erhebliche Betriebskosten.
Eine erste Version der Ortenauer Nahverkehrsapp ging Juni 2023 mit einem ambitionierten Ziel an den Start: „Ortenau Mobil“ sollte sämtliche Mobilitätsangebote im Kreis bündeln – zumindest nach und nach.
Tatsächlich war die App in den vergangenen Jahren immer wieder erweitert worden: Etwa durch die Integration des Leihradanbieters Nextbike, erweiterte Ticketangebote (TGO, KVV, Europasse), Mehrsprachigkeit, die Integration von Carsharing- und Bikesharing-Angeboten, intermodale Routenplanung sowie neue Zahlarten.
Das alles hatte jedoch seinen Preis: Entwicklung und Weiterentwicklung der App kostete bis Ende 2025 rund 1,4 Millionen Euro. Abzüglich einer nun auslaufenden Landesförderung in Höhe von 375.000 belastete die Anwendung die Kreiskassen mit rund einer Million Euro.
Laufende Kosten in Höhe von 212.000 Euro für 2026
Für das laufende Jahr geht die Kreisverwaltung von Betriebskosten von rund 212.000 Euro aus – angesichts klammer Kassen offenbar zu viel.
Das geht aus der Vorlage für die Sitzung des Umwelt- und Technikausschusses des Kreistags am kommenden Dienstag hervor. Die App verursache „dauerhaft erhebliche Betriebskosten“, heißt es in der Sitzungsvorlage.
Es handele sich um eine freiwillige Aufgabe „und seitens der Politik bestehen Forderungen nach Einsparungen auch in diesem Bereich“. Die Verwaltung schlägt den Gremienmitgliedern vor, die App zum „nächstmöglichen Zeitpunkt“ einzustellen. War das in die App investierte Geld damit nicht in den Sand gesetzt?
Funktionen könnten in andere App integriert werden
Nicht, wenn es nach den Plänen der Verwaltung geht, zumindest nicht gänzlich. „Da die Ortenau Mobil App in einer Kooperation mit dem Karlsruher Verkehrsverbund KVV entwickelt wurde, soll geprüft werden, ob die regionalen Funktionen von ‚Ortenau Mobil‘ in die dortige App Regiomove integriert werden können“, ist in der Vorlage zu lesen. Dafür ersucht die Verwaltung um die Zustimmung des Gremiums – und um „Grünes Licht“ für jährlich 50.000 Euro als anteilige Betriebskosten, falls man sich mit dem KVV einig wird.
Gleichzeitig bescheinigt die Kreisverwaltung der App, dass sie „technisch ausgereift“ sei und durchaus genutzt werde. So stieg die Zahl der registrierten Nutzer von Anfang 2025 von 3819 auf nun 7055 im ersten Quartal des laufenden Jahres – ein Plus von 85 Prozent.
Im gleichen Zeitraum wuchs der auf der App erzielte Umsatz von rund 760 auf schlussendlich auf zuletzt 1,9 Millionen Euro. Die Zahl der Aktionen – etwa Auskünfte oder Ticketkäufe – auf der App belief sich vergangenes Jahr auf 1,5 Millionen, im ersten Quartal 2026 allein auf fast 500.000. Damit sanken die Kosten pro Aktion von 15 auf nun nur noch elf Cent.
Zusätzliche Erweiterungen wären durchaus möglich
Bei Fortsetzung des Appbetriebs seien laut Verwaltung zudem weitere Ausbaustufen möglich: etwa Verbesserungen der grenzüberschreitenden Mobilität Richtung Straßburg durch die Integration der CTS-Tickets, einer Reisemerkfunktion oder der Einstellmöglichkeit der Reisezeit und entsprechende Buchungsmöglichkeiten.
Zudem wäre die Einbindung touristisch besonders interessanter Orte in die Kartenansicht denkbar, einschließlich einer Verlinkung zu den jeweiligen Destinationsseiten, heißt es in der Vorlage.
Ob die App eingestellt wird entscheidet der Ausschuss für Umwelt- und Technik bei seiner Sitzung am Dienstag, 12. Mai, ab 14 Uhr beim Zweckverband Abfallbehandlung Kahlenberg in Ringsheim.
Startschuss fiel 2020
Der Ausschuss für Umwelt und Technik des Kreistags hatte im November 2020 – zu finanziell rosigeren Zeiten – grünes Licht für die Ortenauer Mobilitäts-App gegeben. Die Zustimmung des Gremiums erhielt die Anwendung fürs Smartphone für die Laufzeit von 36 Monaten im Rahmen einer Förderzusage des Landes. Die App ging schließlich im Juni 2023 online, somit endet der Förderzeitraum Ende Mai – der Betrieb wird dadurch zunehmend unattraktiv.