Gelenkbusse, die wie hier auf dem Weg nach Kappel zum größten Teil leer durch die Gegend kutschieren, sind in den Augen des Kappler Bürgers Andreas Maier ein "Wahnsinn". Foto: Preuß

Sichtlich verärgert zeigte sich in der jüngsten Ortschaftsratssitzung Andreas Maier über das neue Konzept des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV).

Niedereschach-Kappel - Der Kappeler Bürger wollte von Bürgermeister Martin Ragg wissen, ob die Vorbereitungen zu diesem Konzept nun abgeschlossen sind und wie es weitergehen soll. So wie es zur Zeit läuft, sei dies ein Unding. "Wird da auch mal kontrolliert, ob das System überhaupt funktioniert?", wollte er wissen. Maier sprach die vielen, vor allem übergroßen Busse an, die in regelmäßigem Abstand unnötigerweise und meistens komplett leer durch die Gegend kutschieren.

 

Dazu verwies Bürgermeister Martin Ragg auf den Kreistagsbeschluss von 2017, in dem das neue Nahverkehrskonzept vorgestellt wurde mit Bürgerbeteiligung und Infoveranstaltungen, welches dann 2019 so beschlossen worden sei. Und im Dezember vergangenen Jahres sei das neue Busverkehrskonzept eingeführt worden, das sich vor allen Dingen an Taktungen auch in Richtung Bahnverkehr orientiert, wie man es aus den Großstädten kenne.

Verlässlicher Busverkehr im ländlichen Raum

Also könne niemand mehr sagen, im ländlichen Raum gebe es keinen gescheiten ÖPNV, mit dem neuen Konzept sei nun ein ausgeweiteter und vor allem verlässlicher Busverkehr auch im ländlichen Raum geschaffen worden. Dazu gehöre aber auch, dass das Land Baden-Württemberg den ÖPNV über Zuschüsse fördert, und ohne diese Zuschüsse hätte man etliches nicht realisieren können. Und da in diesem Konzept der Klimaschutz ganz weit oben stehe, sei eben ein Ziel, dass man erreichen möchte, dass die Leute weniger Auto fahren und mehr den ÖPNV nutzen. Ferner gebe es im Koalitionsvertrag eine sogenannte Mobilitätsgarantie, mit der diese Taktung bis um 22 Uhr noch weiter erhöht werden soll, was auch eine nochmalige Verdoppelung des ÖPNV zum jetzigen Stand beinhalte. Allerdings sei bislang noch unklar, wie man das bezahlen soll.

"Da steigt keiner ein und aus"

Andreas Maier zeigte sich mit der Antwort nicht zufrieden: "Sieht da denn keiner, dass die Busse bereits jetzt leer in der Gegend rumfahren, und dann nicht nur normale Busse, sondern übergroße Gelenkbusse?" Das müsse doch Unsummen an Geld kosten, zumal alle Bürger momentan zum Sparen angehalten seien, und da würde das Geld zum Fenster rausgeworfen. Er selbst wohne unmittelbar an der Haltestelle in Kappel, und er beobachte tagtäglich, wie die Busse anfahren, und da steige keiner aus und auch keiner ein, in seinen Augen ein echter "Wahnsinn".

Recht gab ihm Ragg dann insofern, dass es wirklich zu weit gehe, wenn auch noch das Konzept der Mobilitätsgarantie eingeführt werde, aber da müsse Maier eben das Gespräch mit der Landesregierung, sprich den gewählten Landtagsabgeordneten, suchen. Denn das ganze Konzept sei begründet mit dem Hintergrund: "Die Leute sollen ihre Autos abmelden und mit dem Bus fahren." Und die Situation werde sich politisch gewollt noch weiter dahingehend verschärfen mit der Prämisse, Klimaschutz stehe über allem, dass das Autofahren zukünftig noch viel teurer werde.

Info: Koalitionsvertrag

Im Koalitionsvertrag von Grünen und CDU heißt es zum Thema Verkehrspolitik: "Grüne und CDU möchten die klimafreundliche Mobilität voranbringen: durch einen massiven Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) von Bus und Bahn und des Radwegenetzes. Bis 2030 sollen sich die Fahrgastzahlen im ÖPNV verdoppelt haben, der Radverkehrsanteil soll sich auf 20 Prozent steigern. Zur Finanzierung dieses Ausbaus und von günstigen Tickets soll ein Mobilitätspass Kommunen erlauben, zusätzliche Einnahmen zu erzielen (Nahverkehrsabgabe)."