Trotz Verbesserungen sind die Vorbehalte gegenüber den Verkehrsbetrieben groß. Betriebsleiter Thomas Lang stand nun im Ausschuss Rede und Antwort. Dort wurde deutlich Kritik geübt.
Vieles lief nicht gut in jüngster Zeit mit der Südwestdeutschen Landesverkehrs-GmbH SWEG, die für den Stadtverkehr in Lörrach verantwortlich zeichnet. Doch nun haben eben diese Verkehrsbetriebe erneut den Zuschlag zum Betreiben des Linienbusverkehrs ab dem Fahrplanwechsel im Dezember erhalten. Thomas Lang, Leiter des SWEG-Verkehrsbetriebs Weil am Rhein – Lörrach, stand am Donnerstag im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) Rede und Antwort. Er versprach, dass nun vieles besser werden wird.
Neue Fahrzeuge für die SWEG-Flotte
Lang begründete dies unter anderem mit 19 Solobussen und fünf Gelenkbussen, die bis September geliefert werden sollen. Noch in diesem Frühjahr, so versprach Lang, lösen vorab zehn neue Solobusse und ein Gelenkbus die ältesten Fahrzeuge der SWEG-Flotte ab. Darüber hinaus sollen die neuen Fahrpläne derart gestaltet werden, dass Verspätungen nach Möglichkeit vermieden werden. Das mittlerweile weiter aufgestockte Fahrpersonal werde rechtzeitig vor dem Fahrplanwechsel geschult und auch die Haltestellenbeschriftungen seien bald wieder auf den neuesten Stand – ergänzt durch die noch fehlenden Ortsbus- und AST-Verkehre (Anrufsammeltaxi), die das Unternehmen Maxi Taxi betreibt. Der Antrag sei zu spät eingegangen.
Kritik an Unzuverlässigkeit
Nicht alle wollten so recht an die Kehrtwende glauben. Und so musste sich der Betriebsleiter bei der Aussprache einiges anhören. Das Gesamtbild, das sich daraus ergab, war ein in vielen Punkten unzuverlässiger Linienverkehr, der Menschen, die darauf angewiesen sind, nicht selten „im Regen“ stehen lässt. Lang führte weitgehend gelöste technische und personelle Probleme als zugrundeliegende Ursachen an.
Was regelmäßige Fahrgäste sagen
Ein regelmäßiger Fahrgast, der an Multipler Sklerose leidet, bestätigte, dass sich seit dem vergangenen Jahr vieles gebessert habe. Er bemängelte jedoch, dass bereits die dritte Mutter mit Kinderwagen, die in einen Bus einsteigen will, abgewiesen werde. Lang verwies auf rechtliche Vorgaben, um die Fluchtwege frei zu halten, und stellte aufgrund des verstärkten Einsatzes von Gelenkbussen Besserung in Aussicht.
Der Fahrgast wünschte sich zudem, dass die Stadt den Linienverkehr selbst in die Hand nimmt. Auf dem Weg von Lahr, wo sich der Hauptsitz der SWEG befindet, gehe zu viel verloren, argumentierte er. Lang verwies auf den nahe gelegenen Betriebshof in Weil am Rhein, der ein schnelles Reagieren durchaus ermögliche.
Nachfragen aus dem AUT nach Elektrobussen musste der Betriebsleiter negativ bescheiden, was viele – auch angesichts der aktuell hohen Diesel-Preise – bedauerten. Fortschritte gibt es offenbar bei der Fahrgastinformation, den elektronischen Anzeigentafeln, die die Busse in Echtzeit ankündigen sollen.
Stadträte monieren Missstände
Einen ganzen Katalog an Missständen führten die beiden Busfahrerinnen Christa Rufer (SPD) und Sabine Schumacher (Piraten) an. Die Rede war von erheblichen Verspätungen, Bussen, die ausfallen oder plötzlich von der Anzeigentafel verschwinden, Fahrern, die ihre Runden eigenmächtig abkürzen, stehengelassenen Fahrgästen, ruppigen Anfahrten und nur halb geöffneten Türen.
„Die Topographie in Lörrach ist schwierig für viele Menschen“, erklärte Schumacher, die selbst auf dem Salzert wohnt. Die steilen An- und Abstiege sind nicht für jeden zu Fuß gut zu bewältigen. Das AST sei zwar super, fahre aber mancherorts nur bis 19 Uhr, bemängelte sie außerdem. Schumacher schlug vor, dass Busfahrer zum Dienstende Fahrgäste mit in die Stadt nehmen sollten. Auch wünschte sie sich – ebenso wie eine Zuhörerin – den Anschluss des Salzerts an die Walbrunnstraße.
Eine Zuhörerin berichtete davon, mit ihrer Bitte um Hilfe mit dem schweren Rolli wegen einer Verspätung barsch abgewiesen worden zu sein. Georg Käss (AfD) hatte zuvor nach den Einstellungskriterien für Busfahrer gefragt, was Lang im Wesentlichen mit Details zu den Schulungsmodalitäten beantworte.
Fahrgastbeirat soll Neustart begleiten
Auf die Aufforderung hin, Rufer möge sich mit ihren Beschwerden doch direkt an die SWEG wenden, berichtete diese von gescheiterten Versuchen in der Warteschleife. Stattdessen schlug sie dem Unternehmen vor, die Fahrgäste initiativ zu befragen und direkte Rückmeldungen beispielsweise über einen QR-Code anzufordern.
Christiane Cyperrek kritisierte, dass zunächst eine Neuausschreibung erforderlich war, um die nun angekündigten Verbesserungen zu erzielen. Nun müsse durch das Unternehmen Vertrauen zurückgewonnen werden, meinte Thomas Hengelage (Grüne). Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic wies zudem auf die Gründung eines Fahrgastbeirats hin, um den Neustart zu begleiten und das gemeinsame Ziel einer Kundenzufriedenheit zu erreichen.
Rückmeldungen zum Stadtbusverkehr können per E-Mail an stadtbus@loerrach.de gesendet werden. Dort können beispielsweise Schäden an Haltestellen gemeldet werden. Bei Fragen oder Beschwerden zu Verspätungen kann die SWEG unter Tel. 07821/9960770 kontaktiert werden.