Eine bessere Anbindung an die Bahn, entzerrter Schülerverkehr und Linien im Stundentakt sind das Ziel: Sechs Bürgermeister haben ein Konzept erarbeitet, um den öffentlichen Nahverkehr in der südlichen Ortenau entscheidend zu verbessern.
Alle sechs Gemeinden profitieren von dem neuen Verkehrskonzept für die südliche Ortenau – darüber waren sich Ettenheims, Mahlbergs, Kippenheims, Kappel-Grafenhausens, Rusts und Ringsheims Bürgermeister einig. Um das Nahverkehrsangebot zu verbessern, hatten die Südgemeinden, der Europa-Park und das Landratsamt gemeinsam das Heidelberger Fachplanungsbüro Berschin beauftragt, die aktuelle Bussituation zu analysieren und nach Verbesserungsvorschlägen zu suchen (wir berichteten). „Das Konzept ist nicht nur auf eine Zielgruppe geschmiedet, sondern auf die gesamte Bürgerschaft in der südlichen Ortenau“, betonte Jochen Paleit, Kappel-Grafenhausens Bürgermeister, der das Projekt seit gut anderthalb Jahren als Verantwortlicher vorantreibt, bei der Vorstellung.
Was ist genau geplant?
Fünf Linien im festen Stundentakt für alle Gemeinden seien vorgesehen. „Wir haben eine komplett neue Systematik, die wir anstreben, ab 2025 zu etablieren“, so Paleit. Besonders hob der Bürgermeister die verbesserte Anbindung an die vier Bahnhöfe in Lahr, Orschweier, Ringsheim und Herbolzheim hervor. „Wir können das Potenzial der Rheintalbahn so besser nutzen.“ Außerdem sei eine verbesserte Taktung der Schulbusse vorgesehen, so dass in der Gemeinde Ettenheim sechs Busse eingespart werden könnten.
Wie soll sich der Schülerverkehr genau verändern?
Die Busse für den Schülerverkehr – besonders in Ettenheim – zu organisieren, sei der Schlüssel für das Konzept gewesen, erläuterte Ettenheims Bürgermeister Bruno Metz. Um die Anfahrten am Morgen mit insgesamt rund 2000 Schülern zu entzerren, wurden die Schulen mit ins Boot geholt. So ist in dem Konzept nun vorgesehen, dass die städtischen Schulen in Ettenheim um 8.10 Uhr beginnen und die Heimschule unverändert um 7.55 Uhr mit dem Unterricht startet. „Um die Unterrichtszeiten zu verändern, waren Diskussionen und Gespräche nötig“, so Metz. Doch mit dem nun geplanten System sei „das Thema Schulbeginn behoben“. Da durch die Entzerrung der Unterrichtszeiten Parallelfahrten vermieden werden könnten, würden die Kapazitäten besser genutzt und es könnten Busse, beziehungsweise Fahrer eingespart werden, erläuterte Stefanie Dörfler, Leiterin des Amts für Straßenverkehr und ÖPNV im Landratsamt.
Welche Vorteile hat das neue ÖPNV-Konzept noch?
Auch als Tourismusstandort mit dem Freizeitpark in Rust profitiert die südliche Ortenau. Aus dem Konzept geht hervor, dass der Europa-Park künftig an alle Züge angebunden ist. „Ein Vorteil ist auch die verbesserte Anbindung an Ringsheim“, erklärte Lukas Scheub, Beauftragter der Geschäftsleitung des Europa-Parks. Durch die neu geschaffene Anbindung an die Fähre Rhinau soll es außerdem den Mitarbeitern des Europa-Parks aus Frankreich ermöglicht werden, mit dem ÖPNV anzureisen.
Wie bewerten die Bürgermeister das Konzept?
Alle Rathauschefs sind sich einig, dass das neue Konzept den Nahverkehr verbessert. Da für Mahlberg der Orschweierer Bahnhof als Drehkreuz besonders wichtig sei, zeigte sich Bürgermeister Dietmar Benz froh über die bessere Abstimmung zwischen Bus und Bahn. „Mit dem Konzept haben wir eine gute Grundlage geschaffen“, betonte er. Auch für Ringsheim sei das Konzept eine „enorme Verbesserung“. „Im Moment haben wir null Verbindungen nach Ettenheim, nach Umsetzung des Konzepts 14. Das ist klasse“, so Ringsheims Bürgermeister Pascal Weber. Neben der Verbesserung des Schülerverkehrs sei für Metz in Ettenheim auch die gute Anbindung der Ortschaften ein Gewinn. „Für uns ist die touristische Dimension sehr wichtig“, so Rusts Bürgermeister Kai-Achim Klare. Je besser der ÖPNV sei, desto attraktiver sei es auch, ohne Auto anzureisen. Kippenheims Bürgermeister Matthias Gutbrod lobte besonders die verbesserte Situation für Pendler und Schüler. „Eine Lösung, die im Prinzip alle besser stellt, ist eine große Leistung“, so Gutbrod.
Was sagt das Landratsamt zu dem Vorhaben ?
„Wir nehmen das Konzept sehr dankbar entgegen“, betonte Stefanie Dörfler vom Landratsamt. Der öffentliche Nahverkehr habe sehr lange eine untergeordnete Rolle gespielt, mittlerweile habe sich der Bedarf aber geändert. Unter Beachtung des aktuellen akuten Fahrermangels gehe es darum, mit so wenig Fahrzeugen wie möglich das Maximum herauszuholen. Auch die Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs sei keine leichte Aufgabe. „Wir haben tatsächlich schon große Schwierigkeiten, den Bestandsverkehr bis 2025 zu finanzieren.“ Deshalb sei neues Geld nötig. „Das wird eine kommunale Aufgabe sein“, so Dörfler. Das Konzept müsse zwar erst durch politische Beschlussfassungen gehen, habe jedoch „Hand und Fuß. Es ist das, was wir als Verwaltung auch vorschlagen würden.“
Wie geht es weiter?
„Als nächstes müssen die Kreisgremien entscheiden, in welche Richtung es geht“, erklärte Dörfler. Mit dem vorgelegten Konzept sei jedoch die Richtung, in die die Abstimmung gehen könnte, „quasi schon da“. Nach einer Detailplanung werde es dann eine Interimszeit von zwei Jahren geben, bevor es in die EU-weite Ausschreibung gehen könnte. Die komplette Umsetzung ist für das Jahr 2025 vorgesehen. „Wir hoffen, das Konzept durchzusetzen“, betonte Jochen Paleit.
Das sind die fünf Linien
Diese fünf Linien sind im festen Stundentakt geplant: Linie 1: Lahr – Kippenheim – Mahlberg – Ettenheim Linie 2: Lahr Bahnhof – Kippenheim – Altdorf – Ettenheim Linie 3: Ettenheim – Orschweier – Grafenhausen – Kappel – Rust – Niederhausen – Herbolzheim (mit Anbindung an den Bahnverkehr in Herbolzheim) Linie 4: Ettenheim – Ringsheim – Rust und Ringsheim – Rust – Kappel – Rhinau Linie 5: Bedarfsabhängig Ettenheimer Ortsteile und Kippeheim mit Schmieheim