Stau vor der Straße von Hormus nahe des Iran Foto: Altaf Qadri/AP/dpa

Der Krieg zwischen Israel, den USA und dem Iran wirkt sich auch auf die hiesige Region aus. Wie Ölhändler auf der Zollernalb die aktuelle Krisensituation erleben.

Durch den Iran-Krieg ist mächtig Druck auf dem Heizkessel, wenn man so will. Nicht nur politisch und militärisch im Nahen Osten, sondern vor allem auf dem Weltmarkt. Die Spritpreise an den Zapfsäulen erreichten jüngst schwindelerregende Höhen. Doch auch andere Produkte aus Öl sind betroffen, weil die Straße von Hormus quasi dicht ist. Heizöl etwa. Wie sehen lokale Händler aus dem Zollernalbkreis die Lage?​

 

Der Vertriebsleiter der „EnergieAktiv“ Unternehmensgruppe in Geislingen, Luca Tim Irion, kann keine Heizölknappheit feststellen. „Da besteht aktuell keine Gefahr, dass das Heizöl ausgeht“, so der Vertriebsleiter. Grund ist laut dem Heizölanbieter die derzeit schwache Nachfrage wegen der happigen Preise. Seit vier Wochen, also seit dem Ausbruch des Nahostkrieges und der Schließung der Straße von Hormus, sind die Preise explodiert. „Wir merken zwar direkt nach optimistischen Nachrichten aus den Medien wieder sinkende Preise“, merkt Irion an. Aber aufgrund des grundsätzlich sehr hohen Preisniveaus, sei die Auswirkung recht minimal.

Die Rückkehr des Winters sorgt derzeit wieder für vereinzelte Tankanfragen bei „EnergieAktiv“. „Einige Kunden haben so lange spekuliert und auf niedrige Preise gehofft, dass der Heizöltank nun komplett leer war“, erzählt Irion. Diese würden aber nur kleine Mengen nachtanken. Die Hoffnung auf eine Entspannung auf dem Markt stirbt nicht.

Blick in die Glaskugel

Eine Prognose für die kommenden Wochen vergleicht Irion mit dem Blick in die Glaskugel. „Das hängt davon ab, wie sich die Kriegslage im Nahen Osten weiterentwickelt“, sagt der Vertriebsleiter. Sollte sich die Lage wieder entspannen, wird sich das auf den Preis auswirken. Allerdings, so prognostiziert Irion, würden die Preise wohl nicht in der Geschwindigkeit fallen, wie sie gestiegen sind. Einen merklichen Anstieg der Preise vermeldet auch Oliver Rentschler aus Meßstetten: „Seit dem Beginn der Angriffe auf den Iran, dem Beschuss der Energieanlagen und der de-facto-Sperre der Straße von Hormus sind die Preise um zirka 25 Cent netto pro Liter gestiegen.“ Die Preise seien volatil und änderten sich teils „deutlich zum Vortag“. Das macht natürlich etwas mit den Kunden: Rentschler, so berichtet er, erlebe beide Phänomene – also eine Art von Panikkäufen auf der einen, Abwarten etwa bis Herbst auf der anderen Seite. Letzteres in der Hoffnung, „dass sich die Welt um uns herum bis dahin normalisiert hat“.

Eine Knappheit sieht Oliver Rentschler derzeit noch nicht ins Haus stehen. Im Gegenteil: „Ich habe so viel Öl, dass ich es verkaufen muss – so sage ich manchmal scherzhaft“, erklärt er. Das liegt aber auch daran, dass sich Deutschland in den vergangenen Jahren diversifizierter aufgestellt habe bei der Belieferung seiner Energie. Die Abhängigkeit Deutschlands vom Öl des Nahen Ostens liege unter acht Prozent der gesamten Versorgung, sagt Rentschler. Seit 2023 wurden die ehemals 25 Prozent von Russland durch Nordsee-Öl und Öl aus Kasachstan kompensiert.

Öl aus Norwegen

Und in der Tat ist der Anteil von Nahost-Öl recht gering, wie das Statistische Bundesamt Anfang März in einer Pressemeldung kundtut: Nur 6,1 Prozent des 2025 eingeführten Rohöls stammen aus dem Nahen Osten – genauer aus dem Irak, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien und Israel. Wichtigster Öllieferant Deutschlands ist übrigens Norwegen: Aus dem skandinavischen Staat flossen im Vorjahr 12,5 Millionen Tonnen Rohöl, was 16,6 Prozent ausmacht. Dicht gefolgt von den USA mit 16,4 Prozent.

Generell, so teilt es das Statistische Bundesamt mit, ist „die deutsche Nachfrage nach Rohöl in den letzten Jahren deutlich gesunken.“ 2020 wurden noch 84,7 Millionen Tonnen eingeführt, 2025 waren es 75,7 Millionen Tonnen, also gut 10,6 Prozent weniger. Krasser wird der Rückgang auf 20 Jahre betrachtet: „2025 wurde gut ein Drittel weniger Rohöl nach Deutschland eingeführt als noch 2005“, schreibt das Statistische Bundesamt.

Lage im Iran unübersichtlich

Ob dieser Diversifizierung ist die entspannte Haltung des Meßstetter Händlers kein Wunder: „Ich persönlich halte im derzeitigen Umfeld Lieferengpässe für ausgeschlossen“, betont Rentschler. Problematischer sieht er eher die Sperre der Straße von Hormus durch die Unterbrechung der Lieferketten bei anderen Gütern. „Es ist auf dem nationalen Markt aktuell genug Öl vorhanden“, urteilt Stefan Betz-Maier, Brennstoffhändler und Energieberater in Burladingen. Die Nachfrage sei aber momentan schleppend. „Die Leute kaufen im Augenblick nicht, weil sie hoffen, dass der Krieg im Iran bald endet und das Öl wieder günstiger wird. Alles wartet.“ Wie sich die Lage entwickelt – das könne man momentan nicht abschätzen.

Sollte der Konflikt anhalten und sich die Preise verschärfen, wäre es möglich, dass doch verstärkt bestellt würde. Das aber treibe die Margen zusätzlich nach oben und leere die Vorräte. Wie es weitergeht? Die Lage im Iran ebenso wie am Markt sei unübersichtlich, eine Voraussage schwierig. Zuletzt könne man nur hoffen, dass im Nahen Osten bald Ruhe einkehrt.