Bärbel Gegg, Inhaberin des Reisebüros Southern Cross in Donaueschingen, hat wegen der Auswirkungen des Iran-Krieges derzeit viel zu tun: Selbst externe Kunden rufen bei ihr an, um sich über Reisen in die Golfregion zu informieren. Foto: Nadja Varsani

Die Krise im nahen Osten trifft auch Reisende von der Baar. Drei Reiseagenturen berichten von verunsicherten Kunden und kurzfristigen Stornierungen.

Seit der Eskalation des Nahost-Konflikts ist der Flugverkehr weltweit massiv beeinträchtigt. Mehrere Länder wie Syrien, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Katar haben ihre Lufträume ganz oder teilweise geschlossen. Etwa 30 000 Touristen von deutschen Reiseveranstaltern sind nach Angaben des Deutschen Reiseverbands in der Golfregion gestrandet, viele geplante Flüge dorthin und von dort nach Hause werden gestrichen. Das bekommen auch lokale Reisebüros zu spüren. In den drei Donaueschinger Agenturen klingelt derzeit fast dauerhaft das Telefon.

 

Heike Luhmann vom Büro „Reisewelt“ berichtet von vielen kurzfristigen Absagen für Reisen, die diese Woche geplant waren. Zwar seien weniger als zehn Kunden aktuell von Stornierungen betroffen, aber auch Ziele wie Griechenland oder die Türkei stehen auf dem Prüfstand, da sie möglicherweise auch noch in den Konflikt hineingezogen werden, erklärt die Reise-Spezialistin. „Viele Menschen sind verunsichert“, fasst Heike Luhmann zusammen. Reisen in solche Länder ließen sich aber nicht einfach kostenfrei stornieren.

Ausschlaggebend sei dafür, ob eine offizielle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vorliege. „Der Veranstalter geht niemals ein Risiko für den Kunden ein“, betont Luhmann. In einem Extremfall wie aktuell sage der Veranstalter für gewöhnlich die Reise ab, das Geld gebe es dann zurück.

Luhmann erklärt, die Flughäfen Doha, Abu Dhabi und Dubai hätten zu jeder Jahreszeit ein hohes Verkehrsaufkommen. „Airlines wie Emirates oder Qatar Airways haben einen guten Ruf. Sie sind zuverlässig und bieten preisgünstige Verbindungen.“ Die drei Städte seien wichtige Drehkreuze für Weiterreisen nach Afrika, Asien oder Australien.

Keiner der Kunden sitzt vor Ort fest

In einer Hinsicht können die Donaueschinger Büros aber aufatmen – keiner ihrer Kunden sitzt vor Ort fest. Das betont auch Esther Todt vom Reisebüro „Reiseland“. „Wir haben nur Kunden, die dort Umstiege geplant hatten“, sagt sie. Einer davon habe nach Doha fliegen wollen, aber umdrehen müssen. „Sicherheit steht an oberster Stelle“, erklärt Todt. Ihr Büro prüfe derzeit Alternativen und ob ein Verbleib vor Ort sicherer sei. Man stehe regelmäßig in Kontakt mit allen betroffenen Kunden. Für alle, die wegen Reisen in Länder wie Zypern oder die Türkei ein mulmiges Gefühl hätten, gäbe es beim Buchen verschiedene Flex-Optionen.

Bärbel Gegg, Inhaberin des Reisebüros „Southern Cross“, berichtet ebenfalls von einer großen Unsicherheit ihrer Kunden. „Es sind einige Reisen über die Golfstaaten betroffen in nächster Zeit“, sagt sie. Rechtlich müsse man schauen, wie sich die Lage weiter entwickle. Gegg betont, dass man bei kostenfreien Stornierungen und Umbuchungen vorsichtig sein müsse. „Bei einer offiziellen Reisewarnung muss der Veranstalter eigentlich nachziehen und absagen, aber es kommt immer darauf an, wo man bucht.“

Ihr Büro verstehe sich dennoch aktuell als helfende Hand. „Wir bleiben ruhig, man kann uns kontaktieren. Wir haben sogar Anfragen von externen Kunden, denen wir weiterhelfen.“ Gegg betont, dass das der Vorteil von örtlichen Reisebüros sei, die tagtäglich gegen die Konkurrenz aus dem Internet kämpfen. „Diesen Mehraufwand, den wir aktuell betreiben, kann kein Internetangebot leisten.“

Was Reisende tun können

Das Auswärtige Amt
hat mittlerweile eine Reisewarnung für mehr als ein Dutzend Länder im Nahen Osten herausgegeben. Alle Menschen aus Deutschland, die sich aktuell noch in dieser Region befinden, sind aufgefordert, sich in die Krisenvorsorgeliste Elefand einzutragen und sich bei einem Reiseveranstalter oder einer Fluggesellschaft über Ausreisemöglichkeiten zu informieren.