Der See beim Langenwaldsee-Hotel wird nach Jahrzehnten erstmals wieder entschlammt. Gleichzeitig wurden die Voraussetzungen für einen zweiten See auf dem ehemaligen Freibadgelände geschaffen.
Freudenstadt - Die Ideen und Projekte am Langenwaldsee-Hotel nehmen kein Ende. Nach Fertigstellung des Wellnessbereiches und des Hotelanbaus wird jetzt – auch mit Blick auf die bevorstehende Gartenschau – in die Infrastruktur auf dem Gelände investiert.
Familie Kaltenbach hat sich entschlossen, den von Gästen und Einheimischen gleichermaßen geschätzten Langenwaldsee professionell entschlammen zu lassen und damit langfristig die Voraussetzungen für sein Überleben zu schaffen. "Zuletzt hat das mein Urgroßvater Karl Walz vor genau 71 Jahren von Hand mit einem Schubkarren und Rechen getan", erzählt Christoph Kaltenbach, der dies mit seinem Vater Michael recherchiert hatte.
Viel Biomasse auf dem Grund
Sowohl die Bäume rund um den See als auch die Tiere dort haben seither für jede Menge neue Biomasse im Gewässer gesorgt. Die zudem warmen und auch oft trockenen Sommer haben darüber hinaus der Bildung vieler Stabalgen Vorschub geleistet. "Der See war deshalb schon mehrfach kurz davor, endgültig zu kippen", sagt Christoph Kaltenbach. Für die Familie, aber auch für die Gäste, die den See lieben, wäre dies "eine Katastrophe" gewesen.
Gescheut und geschoben habe die Familie die Maßnahme aufgrund der befürchteten Beeinträchtigung des Hotelbetriebs aber trotzdem lange Zeit. Bisher war die Familie davon ausgegangen, dass man den See für diese Entschlammung vor der Nase der Gäste komplett ablassen müsste. Anstatt des Wassers hätte dann der dort arbeitende Bagger die Aussicht über Wochen und Monate geprägt. Darüber hinaus war eine Kontamination des Schlamms zumindest nicht gänzlich auszuschließen. Dies hätte bedeutet, den Aushub für viel Geld auf der Deponie entsorgen zu muss. Diese Befürchtung hätten sich nach Probenuntersuchungen allerdings nicht bestätigt. Vom Landratsamt gab es deshalb vor wenigen Tagen auch "grünes Licht" für die Arbeiten.
Fachfirma aus Bayern
Durch Zufall ist die Familie darüber hinaus auch auf die Schlammsaug GmbH in Bayern und damit auf eine deutlich einfachere, kostengünstigere und auch für die Umwelt schonendere Möglichkeit der Entschlammung gestoßen. Das Unternehmen pumpt mit einem leistungsstarken Schlammsauger die Biomasse vom Grund des Sees ab und leitet diese über einen Schlauch direkt in das kürzlich gegrabene Loch der künftigen Seeanlage nebenan. Das gesamte Wasser – und damit alle Tiere, die darin leben – bleiben im See. Gemeinsam mit Architekt Detlef Brückner aus Freudenstadt habe die Familie entschieden, den Bau der zweiten Seeanlage vorzuziehen. Der entnommene Schlamm werde gelagert. Wenn er getrocknet sei, könnte damit die neue Anlage modelliert werden.
Die Erleichterung über die endlich realisierte Maßnahme ist Kaltenbach anzumerken. Einige der großen Fische seien in den vergangenen Jahren im warmen seichten Sees bereits verendet. Eine vor einigen Jahren installierte Umwälzanlage habe das Schlimmste zwar verhindert, die jetzige Maßnahme aber nicht ersetzen können. Ideen für Gestaltung und Nutzung gibt es mehrere. "Insgesamt ist es uns einfach wichtig, nicht nur für die Hotelgäste, sondern auch für die Freudenstädter mit dieser Naherholungsanlage einen Mehrwert zu schaffen", so Kaltenbach.
Blick in Gechichte und Zukunft
Das Gelände des Langenwaldsees war bereits früher bereits im Besitz der Familie, wurde zwischenzeitlich jedoch an die Stadt verkauft und schließlich wieder zurückgekauft. Einst gab es dort Eisweiher. Christoph Kaltenbachs Urgroßvater Karl Walz ließ ein Schwimmbad bauen, dessen Becken über den Mühlenkanal gespeist wurde. Jetzt soll ein See mit kleiner Bauminsel in der Mitte entstehen, dazu eine Parkanlage mit Pavillon und Sitzbänken. Ein Teil wird als Biotop für Amphibien und Kleintiere geschützt. Der neue See ist mit 2500 Quadratmetern Fläche etwas kleiner als der bereits bestehende mit 4000 Quadratmetern. Die Familie hat beantragt, einen Teil als Naturbadesee genehmigen zu lassen, damit sich Saunabesucher abkühlen können. Die bestehenden Quellen werden neu gefasst, und das gesamte Seeufer wird neu angelegt. Der neue See wird über die Quellen am bestehenden See mittels Oberlauf gespeist