Nur 800 Meter von der deutschen Grenze entfernt plant Microsoft ein riesiges Rechenzentrum – doch nun sieht die Umweltbehörde MRAe gravierende Mängel und fordert Nachbesserungen.
Das im Département Haut-Rhin zwischen Petit-Landau und Hombourg geplante Rechenzentrum gilt als wichtigster Teil eines Investitionspaketes in Höhe von vier Milliarden Euro und soll laut Microsoft helfen, eine moderne Cloud- und KI-Infrastruktur in Frankreich aufzubauen. Ziel sei es, die Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs zu stärken und die Nutzung von Künstlicher Intelligenz zu fördern, teilte das US-amerikanische Technologieunternehmen bei der Vorstellung des Projekts im Mai 2024 mit. Zum Neubau gehören auch die Verlegung und der Betrieb von zwei 225-kV-Stromleitungen durch den französischen Netzbetreiber RTE.
Umweltbehörde kritisiert unzureichende Angaben
Der Ressourcenverbrauch von Tech-Firmen wie Microsoft ist gewaltig. Ihre Rechenzentren schlucken vor allem viel Wasser und Strom – und der Bedarf steigt dabei kontinuierlich weiter. Im Fall des Microsoft-Datencenters hat sich nun die regionale Umweltbehörde MRAe mit einer „beratenden Stellungnahme“ zu Wort gemeldet.
Die Behörde verweist auf Nachfrage unserer Redaktion darauf, ausschließlich neutrale Feststellungen zu machen, kommt aber zu dem Ergebnis, dass das Microsoft-Dossier Mängel in mehreren Bereichen aufweise und die Öffentlichkeit unzureichend informiert worden sei. Die Behörde beanstandete auch, dass die gesamte Gefahrenstudie von Microsoft als vertraulich eingestuft wurde, obwohl laut Gesetz nur einzelne Abschnitte hätten zurückgehalten werden dürfen.
Besonders betont wird der enorme Stromverbrauch des geplanten Rechenzentrums. Die MRAe schätzt diesen auf mehr als 1500 Gigawattstunden pro Jahr – das entspricht dem Verbrauch von rund 280 000 Haushalten. Darüber hinaus stellt die Behörde fest, dass ein Großteil des vorgesehenen Geländes derzeit landwirtschaftlich genutzt wird, darunter sind auch Flächen, die biologisch bewirtschaftet werden. 36 Hektar braucht das Rechenzentrum insgesamt an Fläche. Die MRAe geht von einer weitreichenden Flächenversiegelung aus: Mehr als die Hälfte des Areals könnte dauerhaft bebaut werden, heißt es im Bericht.
Bewertung nach ERC-Grundsätzen nicht möglich
Ein weiteres Problem sieht die MRAe in der aus ihrer Sicht unzureichenden Transparenz des Projekts. Dazu gehören ungenaue Informationen zu Luftemissionen, zur Bewertung der Gesundheitsrisiken, zum Verlust der ökologischen Funktionen der Böden und wie stark das Projekt den Klimawandel beeinflusst.
Dabei stellte Microsoft bei der Präsentation 2024 die hohen und transparenten Umweltstandards beim Betrieb seiner Infrastruktur besonders heraus. Dagegen sieht sich die französische Umweltbehörde laut Bericht außerstande zu beurteilen, ob die Planungen von Microsoft den französischen Umweltprinzipien „Vermeiden, Reduzieren und Kompensieren (ERC)“ entsprechen, also ob Umweltbelastungen vorrangig vermieden, soweit möglich reduziert und verbleibende Auswirkungen ausgeglichen werden – und fordert Nachbesserungen seitens des Unternehmens.
Doch nicht nur Frankreich ist betroffen. Das geplante Rechenzentrum wird nach Angaben der Umweltbehörde lediglich „800 Meter von der deutschen Grenze“ entfernt auf der französischen Rheinseite gegenüber von Bad Bellingen gebaut.
Da mögliche Auswirkungen grenzüberschreitend spürbar sein könnten, steht das Projekt auch hierzulande unter Beobachtung. Das Regierungspräsidium Freiburg (RP) ist die zentrale Anlaufstelle für den Austausch zwischen Deutschland und Frankreich bei grenzüberschreitenden Umweltfragen. Es erklärte auf Nachfrage unserer Redaktion, die entsprechenden Unterlagen von der französischen Behörde bereits erhalten, aber noch nicht selbst geprüft zu haben.
Grenznahe Lage weckt Interesse in Deutschland
An einer Mitwirkung bestehe von deutscher Seite allerdings hohes Interesse: „Wir haben sofort zugesagt, dass wir uns am Verfahren beteiligen wollen.“, sagte der stellvertretende Pressesprecher Matthias Henrich. Auch betroffene Städte und Gemeinden können beteiligt werden. Dazu gehören laut RP die Landratsämter Lörrach und Breisgau-Hochschwarzwald sowie die Gemeinden Neuenburg am Rhein, Schliengen und Bad Bellingen.
Welche Rolle die regionale Umweltbehörde MRAe im weiteren Verfahren spielt, ist klar festgelegt. Sie soll Stellungnahmen zu Infrastrukturprojekten in ihrem Zuständigkeitsbereich abgeben – aber sie trifft selbst keine Entscheidungen. Ihre Bewertungen können den weiteren Projektverlauf allerdings maßgeblich beeinflussen. Infolge der festgestellten Mängel im Fall Microsoft empfiehlt die Behörde, das Genehmigungsverfahren zu stoppen, bis der US-Konzern genauere Unterlagen vorlegt.