Häfele investiert eine hohe zweistellige Millionen-Summe in das neue Dynamikzentrum auf dem Wolfsberg. Foto: Thomas Fritsch

Erst war es ein Tipp eines Einzelnen. Inzwischen ist klar: Nagolds größter Arbeitgeber Häfele baut Arbeitsplätze ab – „eine höhere zweistellige Zahl“, wie das Unternehmen inzwischen bestätigt hat.

Es war eine Mail unter vielen, die die Redaktion in Kalenderwoche elf – und das über Umwege – erreicht hat. Eine Einzelperson weist darauf hin, dass das Unternehmen Häfele in größerem Stil Mitarbeiter entlasse.

 

Also das Unternehmen, das derzeit eine hohe zweistellige Millionensumme in ein neues prestigeträchtiges Dynamik-Zentrum auf dem heimischen Wolfsberg investiert.

Ein Unternehmen, das erst Anfang des Jahres beeindruckende Zahlen präsentierte: „Zum 31.12.2024 verzeichnete die Häfele-Gruppe mit Niederlassungen in 38 Ländern einen Umsatz von 1,74 Milliarden Euro bei einem Auslandsanteil von 82 Prozent“, hieß es Anfang Februar in einer Pressemitteilung. Häfele habe sich „bewährt“, hieß es, in einem „weiterhin fordernden Umfeld“. Insgesamt plane Häfele, in den Neubau auf dem Wolfsberg und weitere Projekte im Jahr 2025 einen „hohen zweistelligen Millionenbetrag“ zu investieren, wie es im Februar weiter hieß.

Und ein solches Unternehmen soll Mitarbeiter in größerem Stil entlassen? Auf eine entsprechende Anfrage beim Unternehmen reagierte man bei Häfele prompt. Noch am gleichen Tag lag die offizielle Stellungnahme der Redaktion vor. Ja, Häfele Deutschland werde die Personalstärke „anpassen“. Die angestrebte Reduktion der Arbeitsplätze innerhalb der deutschen Landesgesellschaft liege im höheren zweistelligen Bereich.

Unklar bleibt wie viele Arbeitsplätze genau wegfallen

Wie hoch die Zahl genau liegt und wo diese Arbeitsplätze wegfallen sollen, darüber gibt das Schreiben aus dem Hause Häfele keine Auskunft. Der Personalabbau werde „in Abstimmung mit dem Betriebsrat erfolgen und sozialverträglich gestaltet werden“, heißt es.

Und was sind die Gründe für dieses Vorgehen? Man habe eine „gründliche Analyse“ vorgenommen, schreibt das Unternehmen in der Pressemitteilung. Und die habe ergeben, dass die „Kostenstruktur bei Häfele Deutschland nicht zur Umsatzentwicklung und Umsatzerwartung in einem sehr herausfordernden Marktumfeld“ passe. Schon in den vergangenen zwei Jahren habe man deshalb „zahlreiche Stellhebel“ in Kraft gesetzt.

Thierer: Die gesamte Gruppe zukunftsgerichtet aufstellen

„Zu unserer unternehmerischen Verantwortung gehört es, die gesamte Gruppe zukunftsgerichtet aufzustellen und Häfele Deutschland auf das künftige Marktumfeld vorzubereiten“, begründet Sibylle Thierer, Vorsitzende des Verwaltungsrats, das Vorgehen.

CEO Gregor Riekena ergänzt : „Wir wissen, dass dies keine einfachen Botschaften an die Belegschaft sind.“ Aber angesichts der Herausforderungen, vor denen aktuell viele Unternehmen stehen, sei man von der Notwendigkeit einer „klaren Entscheidung“ zu diesem Zeitpunkt überzeugt. „Wir haben sowohl den Betriebsrat als auch unsere Mitarbeitenden so früh wie möglich informiert“, ergänzt der CEO. „Unser Ziel ist es, betriebsbedingte Kündigungen möglichst zu vermeiden. Daher bieten wir den Mitarbeitenden, die von Abbaumaßnahmen betroffen sind, ein attraktives Abfindungsprogramm für ein einvernehmliches Ausscheiden an.“

Betriebsrat: Betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen

Der Betriebsrat von Häfele sieht dagegen die Hintergründe des Personalabbaus etwas anders. In einem schriftlichen Statement macht die Mitarbeitervertretung auch das Management für die gegenwärtige Lage verantwortlich: „Die Situation, in der sich Häfele Deutschland zurzeit befindet, ist nach Meinung des Betriebsrats auch durch Fehlentscheidungen, die das Management in der Vergangenheit getroffen hat, entstanden, die nun auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden“, heißt es in dem Schreiben. Trotz eines „in langen Verhandlungen erreichten Abfindungsprogramms“ würden bei Häfele betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen.

„Diese Entscheidung trifft nicht nur die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hart“, heißt es am Ende des Schreibens des Betriebsrats unmissverständlich, „sondern hat auch weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Belegschaft und die Zukunft des Unternehmens.“

Die für Häfele zuständige Gewerkschaft ver.di wurde ebenfalls um eine Stellungnahme zu den Vorgängen bei Häfele gebeten. Doch diese Stellungnahme ist bis dato noch nicht bei der Redaktion eingetroffen.

Info

Häfele
Häfele wurde 1923 gegründet und ist heute ein „global agierender Spezialist für intelligente Beschlagtechnik, elektronische Schließsysteme sowie Beleuchtung und Vernetzung“. Über 8000 Mitarbeitende sowie 38 Tochterunternehmen und zahlreiche weitere Vertretungen in aller Welt bilden das Team des Global Players mit Hauptsitz in Nagold. Die Unternehmensgruppe wird seit Januar 2023 von Gregor Riekena geführt. Sibylle Thierer vertritt als Vorsitzende des Verwaltungsrats die Interessen der Gesellschafterfamilien. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte die Häfele-Gruppe einen Umsatz von 1,74 Milliarden Euro bei einem Exportanteil von 82 Prozent.