Eine der erfolgreichsten Veranstaltungen überhaupt war die Lesung mit Krimiautor Klaus Peter Wolf 2024 im Kubus. Foto: Sebastian Bernklau

Nagolds Stadtbibliothek ist wieder auf der Erfolgsspur. Eine Stärke der Einrichtung ist ganz offensichtlich die Vielseitigkeit und Kreativität der Macherinnen und Macher.

Es muss nicht immer alles digital sein. Christina Grimm, Leiterin der Nagolder Stadtbibliothek, und ihr Team setzen in ihrer Arbeit auf Vielfältigkeit und Kreativität. Dass das zum Erfolg führt, zeigten die Zahlen, die Grimm dem Kulturausschuss des Nagolder Gemeinderates präsentieren konnte. Der sich ziemlich begeistert zeigte.

 

Christina Grimm berichtete über zwei höchst unterschiedliche Jahre 2024 und 2025. Jahre, die zunächst einmal eines deutlich machten: Fährt man die Öffnungszeiten zurück, sinken die Besucher- und Ausleihzahlen.

Besucherzahlen auf dem aufsteigenden Ast

So geschehen im Jahr 2024, als die Bibliothek aufgrund eines Personalengpasses 130 Stunden weniger im Jahr öffnen konnte. In diesem Jahr lagen die Besucherzahlen dann bei knapp über 39.000. Neuanmeldungen gab es nur 629. Im folgenden Jahr, als das Personal wieder an Bord war, stieg die Zahl der Besucher auf fast 42.000. Neuanmeldungen gab es fast 760.

Bei diesen Neuanmeldungen entfiel der Löwenanteil auf Kinder. 503 verzeichnete die Bibliothek – ein Jahr zuvor waren es nur 387 neuangemeldete Kinder. Überraschenderweise hat das Team um Christina Grimm auch festgestellt, dass es auch unter Jugendlichen einen Trend zurück zur Bibliothek gibt.

„BookToker“-Trend hat positive Auswirkungen

Hintergrund dürfte ein Trend sein, der seine Ursprünge in der Corona-Zeit hat: „BookTok“ ist eine riesige Unter-Community der Video-Plattform TikTok, in der sich alles um Bücher, Literatur und das Lesen dreht. Die „BookToker“ oder Bookfluencer teilen dort kurze Videos, in denen sie Bücher empfehlen, Lieblingsszenen teilen oder Bücher rezensieren.

Die Stadtbibliothek ist direkt an der Marktstraße beheimatet. Foto: Bernklau

Doch auch im realen Leben hat die Bibliothek erfreuliche Entwicklungen zu verzeichnen. Etwa bei den Entleihungen. Spitzenreiter ist da die Kinder- und Jugend-literatur mit 65.192 Entleihungen im Jahr 2025. Im Jahr zuvor waren es noch 59.841. Die Belletristik bleibt in etwa konstant bei 26.800 Entleihungen.

„Manche Rentner kommen jeden Tag“

Auf dem absteigenden Ast sind die Sachliteratur bei 20.815 (2024: 21.437) und Zeitschriften und Spiele. Die Gesamtausleihzahlen sind mittelfristig konstant. 2024 waren sie um 1,4 Prozent rückläufig, um dann 2025 wieder um 2,4 Prozent zu steigen.

Doch die Menschen kommen nicht nur in die Bibliothek, um auszuleihen. „Manche Rentner kommen jeden Tag“, berichtet Christina Grimm. „Auch Schüler der umliegenden Schulen kommen gerne in der Mittagspause. Und Studierende kommen, um bei uns in Ruhe und ungestört lesen und lernen zu können.“

Erfolge mit Literaturtagen und „Nacht der Bibliotheken“

Doch das Kerngeschäft ist längst nicht der einzige Einsatzschwerpunkt der Nagolder Stadtbibliothek. Die Einrichtung wirkt auch sonst in Nagolds Bevölkerung hinein. 2024 feierte man zehn Jahre e-Bib Nordschwarzwald. Höhepunkt war die Lesung des bekannten Krimiautors Klaus Peter Wolf mit seinen Ostfriesenkrimis, die teilweise schon verfilmt wurden. Das Interesse an der Lesung war so groß, dass man kurzerhand von der Bibliothek in den nahe gelegenen Kubus umziehen musste.

Die bekannteste Veranstaltung, bei der die Bibliothek ihre Finger mit im Spiel hat, sind zweifelsohne die Nagolder Literaturtage, bei denen man mit der Volkshochschule und der Buchhandlung Zaiser kooperiert. 2025 kamen zu den 17 Veranstaltungen insgesamt 1300 Besucher. Bei der ersten „Nacht der Bibliotheken“ im April 2025 zählte man in vier Stunden 400 Besucher. Die nächste „Nacht der Bibliotheken“ ist bereits in Planung: Stattfinden soll sie am 23. April 2027.

Seit März ist die Bibliothek auf Instagram

Für jüngere Gäste hat die Bibliothek die Aktion „Heiß auf Lesen“ auf der Agenda. Bei der Kunstausstellung „Ohne Jugend kein Stil“ mit dem Profilfach Bildende Kunst der Zellerschule war die Bibliothek Partner und Ausstellungsort.

Die digitale Welt spielt eine immer größere Rolle in der Stadtbibliothek. Nicht nur, dass die eigenen digitalen Angebote immer besser genutzt werden. Auch was die Initiativen des Bibliotheks-Teams angeht, spielt sich einiges im Digitalen ab. Seit März ist man etwa auf Instagram unterwegs. Seit kurzem gibt es – besonders für ältere Menschen – eine digitale Sprechstunde, die den Kunden den Weg durch das Dickicht der digitalen Welt weisen will.

Gestärkt aus der Pandemie herausgekommen

Selbst Tiere sind inzwischen für die Bibliothek im Einsatz. In Kooperation mit dem Roten Kreuz wird es bald die Aktion „Lesen mit Wuff“ geben. Dabei geht es um Leseförderung für Kinder, bei der Therapiehund Ragnar zum Einsatz kommen soll.

Von all dieser Vielseitigkeit zeigte man sich im Gemeinderatsausschuss beeindruckt. Allen voran konnte Oberbürgermeister Jürgen Großmann feststellen, dass die Bibliothek „gestärkt aus der Corona-Pandemie“ herausgekommen sei. Eine solche Kreativität tue der ganzen Stadt gut, lobte Großmann, der eine klare Botschaft an Christina Grimm hatte: „Gehen Sie diesen Weg weiter so.“

FDP-Rätin Bärbel Reichert-Fehrenbach fand die Arbeit und die Ergebnisse der Stadtbibliothek einfach nur „klasse“. Kurt Brei (CDU) sprach davon, dass die Stadtbibliothek zu neuem Leben erweckt worden sei. „Und darauf kann man wirklich stolz sein.“