Erst Hochleistungssportler, dann Nagolds Pfarrer für die Jugend – nach gut 8000 Tagen als Pfarrer der Remigiuskirche geht das Großstadtkind Detlev Börries in Ruhestand.
Eigentlich ist Detlev Börries ein rheinisches Großstadtkind. 1959 im evangelischen Düsseldorf geboren, wuchs er in einer Welt auf, in der man auch mal persönlichen Kontakt zu Künstlerpapst Gerhard Richter hatte.
Dass Detlev Börries seinen Weg vom rheinischen Großstadtmilieu in die baden-württembergische Provinz fand, hängt ganz eng mit seinem Beruf und wahrscheinlich noch enger mit seiner Frau Esther zusammen.
Schon die Ausbildung zu seinem Beruf führte Börries weg aus dem Rheinland. Das Studium absolvierte er in Wuppertal, Berlin und dann in Tübingen, wo aus dem angehenden Pfarrer ein „begeisterter Stocherkahnfahrer“ wurde, wie er sich im Gespräch mit der Redaktion erinnert.
„Ich habe am Anfang fast nichts verstanden“
Seine Frau Esther war Detlev Börries zu dieser Zeit etwas voraus. Sie begann ihr Vikariat ein halbes Jahr vor ihrem Mann – und zwar in Oberndorf am Neckar, wo das Paar von 1992 bis 1995 wohnte. Detlev Börries tat Dienst in Weiden und Marschalkenzimmern, Teilorten von Dornhan im Kreis Rottweil. Und der Rheinländer stieß bei den Schwaben schon bald auf ein fundamentales Problem: „Ich habe am Anfang fast nichts verstanden“, muss er einräumen.
Das änderte sich auch an der nächsten Station nicht. Man zog gemeinsam nach Ammerbuch-Breitenholz, wo Esther Betz-Börries geschäftsführende Pfarrerin war. Währenddessen war Detlev Börries gleich an drei Stationen aktiv: als Pfarrer zur Aushilfe in Bondorf, in der Ausbildung zum klinischen Seelsorger am Kreiskrankenhaus Ludwigsburg und schließlich ab 1998 in Herrenberg-Haslach.
„Hier hatten unsere Kinder eine Perspektive“
Im Herbst 1998 und im Sommer 2002 wurde das Pfarrers-Paar Eltern. Und in Detlev Börries wuchs der Wunsch nach einer 100-prozentigen, geschäftsführenden Pfarrstelle. Drei Orte schaute man sich an und Nagold und seine Remigiuskirche wussten sofort zu begeistern: Pfarrhaus, Kirche, Kindergarten, Grund- und Realschule waren und sind fußläufig zu erreichen. Und in der Gemeinde wurde schon damals viel für Kinder und Jugendliche getan.
„Das hat uns begeistert“, erinnert sich Börries noch heute. „Hier hatten unsere Kinder eine Perspektive.“ Übrigens auch deshalb, weil Nagold in angenehmer Nähe zum Wohnort von Börries Schwiegereltern lag, die in Herrenberg wohnen. Und die Schwiegereltern gerne in der Nähe ihrer Enkel waren.„Wir waren damals froh um jede Unterstützung“, so Börries.
Seine Frau trat erst einmal in den Hintergrund
2003 bewarb sich Detlev Börries auf die Stelle und konnte am 1. November 2003 seinen Dienst an der Remigiuskirche antreten. Da das Pfarrhaus erst noch renoviert werden musste, erfolgte der Umzug von Ammerbuch nach Nagold erst im Februar 2004.
Während Detlev Börries seinen Dienst antrat, trat seine Frau erst einmal in den Hintergrund, um sich um die Kinder zu kümmern. Als Pfarrerin wurde sie da erst einmal überhaupt nicht wahrgenommen. Etwa bei ihren ersten Kinderbibeltagen. Esther Betz-Börries wollte mitarbeiten, bekam aber zur Antwort, sie könne ja einen Kuchen backen.
In Nagold findet er Gefallen an der Jugendarbeit
Das wollte sie dann doch nicht auf sich sitzen lassen – und organisierte ihre Mitarbeit selbst. Sie gründete eine Krabbelgruppe und eine Jungschar, übernahm irgendwann die Kinderbibeltage. „Als wir 150 000 Euro für die Renovierung der Remigiuskirche brauchten, gründete meine Frau einen Förderkreis“, erzählt Detlev Börries. Und wenn ihm eine Idee für die Schule oder einen Gottesdienst fehlte, war sie zur Stelle.
In Nagold und in der Remigiusgemeinde begann Börries sich intensiver mit der Kinder- und Jugendarbeit zu beschäftigen – ob nun in der Schule oder mit den Konfigruppen. Eine Arbeit, für die er bis heute bekannt ist. „In dieser Arbeit gehe ich einfach auf, das hat mir einfach den meisten Spaß gemacht“, berichtet Detlev Börries im Gespräch. „Und ich habe immer einen Draht zu den Kindern gehabt.“
Börries nahm auch an Deutschen Schwimm-Meisterschaften teil
Und die Kinder? Die durften bei Pfarrer Börries immer sagen, was sie denken. Ja noch viel mehr: „Ich lege Wert darauf, dass die Kinder und Jugendlichen ehrlich sind. Und ich habe die Antworten der Kinder immer geliebt.“ Und das habe ihn auch selbst immer jung gehalten.
Jung gehalten hat den ehemaligen Hochleistungsschwimmer – Börries startete auch bei Deutschen Meisterschaften im Schwimmen – immer wieder der Sport. Das reicht vom Tennis über das Schwimmen bis hin zum Schach, das er nach eigenen Angaben „furchtbar gerne“ spielt.
„Ich bin hier gerne Pfarrer gewesen“
Und dann ist da auch noch Hündin Paula, die ihm „richtig gut tut“. Seit die 2019 geborene und völlig gechillte Mischlingshündin („ein toller Familienhund“) bei ihnen ist, hat er zehn Kilo abgenommen.
Am Sonntag, 30. November, nun geht die Zeit von Detlev Börries als Pfarrer der Remigiusgemeinde zu Ende – allerdings in der Nagolder Stadtkirche, wo er in den Ruhestand verabschiedet wird. Er schaut mit positiven Erinnerungen auf seine 8000 Tage an der Spitze der Remigiusgemeinde: „Ich bin hier gerne Pfarrer gewesen.“