Einst war Stefan Benz Chefarzt am Nagolder Krankenhaus, wechselte dann in gleicher Position nach Böblingen. Jetzt wagt der renommierte Mediziner einen Neustart mit KI.
Er hat nicht nur in Nagold einen Namen. Inzwischen hat der Name Stefan Benz in der Welt der Medizin mindestens deutschlandweit einen sehr guten Klang. Nach seiner Ausbildung war Benz an den Universitätskliniken Tübingen, Rostock und Freiburg im Breisgau sowie am Klinikum Nagold tätig. Heute ist Benz Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Kinderchirurgie des Klinikums Böblingen.
Eine beeindruckende Karriere, doch die ist für den gebürtigen Nagolder noch nicht zu Ende. Mit 61 Jahren gibt er seine Chefarztstelle in Böblingen beim Klinikverbund Südwest auf und wagt einen Neuanfang.
„Der Klinikverbund hat mich nicht verjagt“
Dieser Neuanfang heißt „Simultare“ und ist ein Start-up, das die Entwicklung einer künstlichen Intelligenz anstrebt, die anatomisches Wissen aus medizinischen Lehrbüchern mit neuronalen Netzwerken kombiniert, um ein digitales Modell der menschlichen Anatomie zu erstellen. Mitbeteiligt an dem Start-up ist auch die Familie Benz.
Dass er jetzt auf eigenen Wunsch den Chefarztposten in Böblingen aufgibt, habe nichts mit einer Flucht weg vom Klinikverbund zu tun, stellt Benz im Gespräch mit unserer Redaktion klar. „Der Klinikverbund hat mich nicht verjagt“, sagt Stefan Benz. „ Ich habe ihn frühzeitig über meine Pläne informiert. Es gibt da keinen Streit und ich will auch mit dem Klinikverbund verbunden bleiben. Ich gehe in aller Freundschaft.“ Allerdings, so muss er zugeben, seien die Chefarztposten aktuell angesichts des Sanierungsdrucks und anderer Umbaumaßnahmen nicht mehr ganz so attraktiv.
„Ich muss es mit Vollgas machen“
Die beiden Jobs – neue Firma und Chefarztposten – mache er gern, sie seien aber zeitlich einfach nicht miteinander zu vereinbaren. Und für die neue Firma sei es einfach jetzt der richtige Zeitpunkt gewesen: „Jetzt ist die Zeit, in der man das machen muss. Und ich muss es mit Vollgas machen.“
Für das neue Unternehmen wechselt Benz von Böblingen an die Universitätsklinik Tübingen, die auf seine Anfrage positiv reagiert hätten. In Tübingen profitiere er nicht nur vom universitären Umfeld, sondern auch vom dortigen KI-Cluster.
„Ich bin dort nicht Chef und kann es auch nicht sein“
Benz wird in Tübingen nicht nur für seine Firma arbeiten, sondern im Klinikalltag aktiv sein und auch operieren. In der Klinik wird Benz zum Team von André L. Mihaljevic, dem Ärztlichen Direktor für Allgemeine, Viszeral- und Transplantationschirurgie, gehören. Benz wird also ins Glied zurücktreten. „Ich bin dort nicht Chef und kann es auch nicht sein. Ich gebe also schon etwas auf“, so Benz gegenüber der Redaktion. „Und mir fällt das auch nicht leicht.“
Aber das Projekt und die Firma ist für ihn die ganze Sache wert. „Das Projekt ist ein ernsthaftes und wichtiges.“ Schon jetzt sei die Resonanz auf die – noch klein dimensionierte – Firma „enorm“, berichtet er.
Angesichts seines Alters kommt auch die Frage auf, wie lange er an dem neuen Projekt festhalten will. Für Stefan Benz ist klar, dass „Simultare“ ein Unternehmen ist, das über den Ruhestand hinaus Bestand haben wird. „Ich will etwas in die Hand nehmen und etwas schaffen“, macht der Mediziner klar. „Und ich fühle mich frisch und will nicht Golf spielen“, blickt Benz in die Zukunft. „Und die Sache macht mir einfach Spaß.“