Marco Sonnleitner las im Nagolder Kubus. Foto: Bernklau

Ein Phänomen: 16,5 Millionen Bücher und 50 Millionen Tonträger wurden seit 1968 verkauft. Ein Hauch der drei Fragezeichen wehte jetzt durch Nagolds Kubus.

Es ist wahrscheinlich die erfolgreichste Buch- und später Hörspielserie Deutschlands: Die Geschichten der drei Jungs Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews, die in der fiktiven kalifornischen Stadt Rocky Beach auf Verbrecherjagd gehen. Mehr als 230 Bücher der Reihe und ebenso viele Hörspiele sind schon erschienen. Mit 50 Millionen verkauften Tonträgern und über 150 Gold- und Platin-Schallplatten gelten die „drei Fragezeichen“ als erfolgreichste Hörspielproduktion der Welt.

 

Die Macher der Nagolder Literaturtage kamen nun auf den Gedanken, einen Teil dieses „Drei-Fragezeichen-Kosmos“ einmal in die Stadt zu holen. Marco Sonnleitner hat seit 2003 gut 50 Bände oder Teile von Sonderbänden der drei Detektive geschrieben und ist so einer der fleißigsten deutschen Autoren der Serie überhaupt.

Wegen großem Interesse in den Kubus verlegt

Ein weiterer Grund, den Autor einzuladen, ist auch ein literarischer. Denn Thema von Band 238 ( „Die drei Fragezeichen: Das Geheimnis der sieben Palmen“) aus der Feder von Sonnleitner ist der große Dichter Thomas Mann, der in diesem Jahr 150 Jahre alt geworden wäre.

Der Fall entpuppt sich als Jagd nach einem literarischen Schatz. Das überaus wertvolle Buddenbrooks-Manuskript, das im Zweiten Weltkrieg verschwunden ist, steht auf dem Spiel. Die drei Detektive nehmen die Spur auf.

Sonnleitner signierte für seine Fans auch Bücher. Foto: Bernklau

Und genau dieses Buch hatte Sonnleitner auch nach Nagold in den Kubus mitgebracht, wohin die ursprünglich für die Stadtbibliothek vorgesehene Lesung wegen des großen Interesses verlegt werden musste.

Gut 100 Besucher, die große Mehrheit Kinder, hingen an den Lippen des Erzählers, der eine wichtige Information seinem Vortrag voran stellte: Vieles in dem Buch ist tatsächlich so passiert. Und auch die Bücher, die in dem Buch vorkommen, sind die des großen Dichters: Tod in Venedig, Doktor Faustus, die Buddenbrooks oder Mario und der Zauberer.

Selbst die Nazis sind Thema der Lesung

Sonnleitner wagte es auch ernste Themen wie die Nazis in seine Erzählung aufzunehmen. Immerhin ist Thomas Mann vor den Nazis nach Kalifornien geflüchtet und hat dort in dem titelgebenden Haus „Seven Palms“ (Sieben Palmen) gewohnt. Immer wieder bezog der pensionierte Lehrer Sonnleitner die Kinder in seinen Vortrag mit ein, die sich eifrig an der Lesestunde beteiligten.

Viele junge Fans der drei ??? waren in den Kubus gekommen. Foto: Bernklau

Und am Ende musste Sonnleitner natürlich den Kindern Rede und Antwort stehen. Er verriet, dass sein absolutes ???-Lieblingsbuch der „seltsame Wecker“ ist, er seine Ideen für Geschichten beinahe überall im Leben findet und dass sein Lieblingsbuch aus seiner eigenen Feder das „Das Haus des Schreckens“ ist – übrigens auch ein Roman, der auf der Realität basiert. Denn das „Winchester Mystery House“, das die Hauptrolle im Roman spielt, gibt es tatsächlich: Das Winchester-Haus ist das ehemalige Wohnhaus von Sarah L. Winchester, der Witwe des Gewehrfabrikanten William Wirt Winchester. Es steht in San José in Kalifornien.