Fast ihr ganzes Leben ist Heidi Blum mit dem OHG, seinen Schülern, Lehrern und Schulleitern verbunden. Foto: Thomas Fritsch

Sie ist in Nagold zur Schule gegangen als Rotes und Weißes Schulhaus noch in Betrieb waren und ist seit 33 Jahren Sekretärin am Otto-Hahn-Gymnasium. Kaum jemand kennt Schule, Schüler und Lehrer am OHG so gut wie Heidi Blum.

Sie hat schon einen ganz speziellen Arbeitsplatz. In Heidi Blums Büro treffen drei Welten am OHG aufeinander: die Welt der Schüler, die Welt der Lehrer und die Welt der Schulleitung. Und jede dieser drei Welten hat ihre eigene Tür zu ihrem Büro. Eine davon öffnet sich allerdings nur, wenn die Schüler eine altmodische Klingel drücken und Heidi Blum mit einem ebenso antiken Gerät aus den Anfangszeiten des OHG einen Schriftzug zum Leuchten bringt, auf dem „Bitte eintreten“ steht.

 

Es hat schon etwas von einer Zentrale oder vielleicht auch einem Herz dieser riesigen Schule. Und in diesem Herz hat sie nicht nur höchst unterschiedliche Schulleiter erlebt, sondern auch Generationen von Lehrern und Schülern. Und das hat bis heute Folgen: „Ich denke, ich habe schon einen hohen Wiedererkennungswert in der Stadt“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion.

„Haiterbacherin durch Geburt“

Diese heute riesige Schule bestimmt schon früh das Leben der Heidi Blum. Gut erinnert sich die „Haiterbacherin durch Geburt“, wie sie sich gerne nennt, an die ihre Einschulung, die damals zwischen Weißem Schulhaus und der heutigen Burgschule stattfand. Die ersten zwei Schuljahre verbrachte sie pilgernd zwischen drei Schulen. Im Roten Schulhaus (heute YOUZ) wurde genauso unterrichtet wie im Weißen Schulhaus (heute Bauamt) und im Aufbaugymnasium, wo der Kunstunterricht stattfand. Dazu kam natürlich noch der Sport in der Stadthalle.

Schüler müssen klingeln und warten, bis das Licht angeht, ehe sie ins Sekretariat dürfen. Foto: Bernklau

Diesen Zustand wollte man in Nagold dann irgendwann ändern, beschloss den Bau des heutigen OHG-Gebäudes, das damals größte Neubauprojekt der Stadt Nagold in der Nachkriegszeit. Blum erinnert sich noch gut, wie sie im Sommer immer wieder diese „Betonbaustelle“ besuchte. Und natürlich an den ersten Schultag im neuen OHG, als Schulleiter Werner Fiebig von der Treppe aus seine Ansprache an die im Foyer zusammengekommene Schülerschar richtete.

„Die orangenen Tonnenwaschbecken waren schon besonders“

Schon damals hatte die Schule so ihre Eigenheiten. „Die orangenen Tonnenwaschbecken waren schon besonders – und der Filzfußboden in den Klassenzimmern auch“, erinnert sich Heidi Blum und muss grinsen. Viel hat sich über die Jahre im und an dem Komplex aber nicht verändert. „Alle Fächer sind noch dort untergebracht, wo sie im ersten Jahr waren“, weiß Blum.

Obwohl: Gab es da früher nicht das Raucher-Lehrerzimmer mit einer eigenen Abluftanlage? Und den Schachbretthof? Und der Durchgang zwischen OHG und YOUZ war auch nicht immer da. Und dann war da natürlich noch die von Lehrer Benno Latz initiierte Bemalung der Fassade, die Lehrer gemeinsam mit Schülern in die Tat umsetzten. Eine Aktion, die die Schule bis heute prägt. Trotzdem, heimelig sei die Schule wirklich nicht: „Wellness haben wir hier wahrlich nicht“, sagt Blum. „Das hier ist ein reiner Zweckbau.“ Der einzige Teil der Schule, der so etwas wie „Flair“ habe, sei das historische Gebäude des „OHG II“

Die Politik der offenen Tür

1977 begann die Ära des Schulleiters Hanns Lichtenberger, der 25 Jahre lang die Schule prägte. In diese Zeit fiel auch Heidi Blums Rückkehr an die Schule. Sie habe es sich genau überlegt, ob sie unter diesem Schulleiter arbeiten wollte und habe diese Entscheidung dann bewusst getroffen, sagt sie, die danach einen ganz anderen Schulleiter erlebte: „Walter Kinkelin hat dann schnell die Politik der offenen Tür eingeführt“, erinnert sie sich. „Das gab es vorher nicht.“ Und jetzt unter Ulrich Hamann habe man inzwischen die Führung auf mehreren Schultern verteilt.

Konstant blieb dagegen in mehr als 30 Jahren die Besetzung des Sekretariats. Es war immer jemand da. Das konnte erst Corona ändern: „Das war das erste Mal in 33 Jahren, dass beide Sekretärinnen krank waren.“ Das erste Mal, dass das Herz unbesetzt war.