Kurt Brei seit 40 Jahren in der Agentur für Arbeit tätig. Heimatstadt tatkräftig mitgestaltet.
Kurt Brei ist seit 40 Jahren bei der Agentur für Arbeit in Nagold tätig. Und damit lebt er auch seit 40 Jahren in dieser Stadt. Es dauerte nicht lange, bis er seine neue Heimat Nagold ins Herz geschlossen hatte. Gerade weil ihm die Stadt so viel bedeutet, möchte er sie weiter mitgestalten. Mehr über das engagierte Leben des blinden Kommunalpolitikers lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.
Nagold - Nachdem Kurt Brei seine Ausbildung zum Telefonisten im rheinländischen Düren abgeschlossen hatte, war ihm eins klar: "Ich will ins Ländle". Bald sollte dieser Wunsch in Erfüllung gehen. Er bekam ein Angebot im Nagolder Arbeitsamt und fing dort am 1. Januar 1981 an. Nagold wurde seine neue Heimat. "Ich habe mich von Anfang an wohlgefühlt", erinnert er sich. Schnell habe er gemerkt, dass die Nagolder offene und freundliche Menschen seien. "Hier will ich bleiben", dachte er.
Seitdem sind 40 Jahre vergangen. In dieser Zeit hat sich vieles verändert. "Nagold war früher ganz anders", sagt Brei. Eine stark befahrene Marktstraße und viele Tante-Emma-Läden, nennt er als Beispiele. Er selbst wollte auch seine neue Heimatstadt mitgestalten und etwas bewirken. Vor allem wollte er ein Miteinander schaffen, Menschen zusammenführen. 1989 gründete er daher die ASM – die Aktive Selbsthilfegruppe Miteinander. Ein Verein mit einem "bunten Mischmasch" an Mitgliedern. Eine Gruppe für Personen mit Behinderungen aller Art. "Ich wollte nicht nur unter Blinden sein, sondern unter verschiedensten Menschen von A bis Z", sagt der blinde Brei.
Konzept in anderen Städten übernommen
1994 rief Kurt Brei den Tag der Begegnung ins Leben, mit dem Ziel Menschen mit und ohne Behinderung einander näher zu bringen. Das Konzept wurde seitdem in anderen Städten in Deutschland und im Ausland übernommen. Der "Grundstein für viele weitere Inklusionstage" wurde in Nagold gelegt, sagt er. Der Tag der Begegnung, die Gründung der ASM, die inzwischen mehr als 600 Mitglieder hat. Für Brei sind das mit die bedeutendsten Höhepunkte der vergangenen 40 Jahre. "Ich hatte schon immer die Sehnsucht Menschen zusammenzuführen. Auch wenn ich nicht hierher gekommen wäre, hätte ich wohl die ASM gegründet. Ich weiß aber nicht, ob sich das Ganze woanders auch so gut entwickelt hätte", meint Brei. Denn in Nagold traf er Menschen, die zu Freunden und wichtigen Wegbegleitern wurden, die ihn bei seinen Projekten unterstützten.
Diese Wegbegleiter waren auch in schwersten Zeiten an seiner Seite. Im Juni 2014 ereilte ihn der härteste Schicksalsschlag seines Lebens. Im Alter von 20 Jahren starb sein Sohn bei einem Verkehrsunfall. "Am Grab des eigenen Kindes zu stehen ist wohl das schlimmste, was Eltern passieren kann", sagt er. Der Verlust habe ihn aus der Bahn geworfen, er wollte sich selbst aufgeben. Zwei Jahre später brachte sich sein Bruder um. Mit ihm hatte Kurt Brei 1977 den Unfall, bei dem er erblindete. Zu einem gemeinsamen Gespräch über den Unfall kam es nie. Doch trotz dieser Rückschläge fand er wieder den Boden unter seinen Füßen. "Meine Frau Heike, meine Familie und meine Freunde haben mir in dieser Zeit Kraft gegeben. Diese Erfahrungen haben uns stärker zusammengeschweißt. Ich bin sehr dankbar dafür, solche Menschen an meiner Seite zu haben", erzählt Brei.
Arbeit im Service-Center bietet ihm Halt
Halt bietet ihm auch seine Arbeit im Service-Center bei der Agentur für Arbeit. Als telefonischer Sachbearbeiter habe er seine Erfüllung gefunden. "Ich habe hier ein tolles Team und tolle Chefs. Ich könnte mir nicht vorstellen woanders zu arbeiten", sagt er. Vor allem gefällt ihm an der Arbeit, dass er mit Menschen zu tun habe, ihnen helfen kann und seine Tätigkeit einen Sinn hat.
"Nagold ist eine tolle Stadt, mit vielen schönen Plätzen zum Wohlfühlen", meint Brei, der gebürtig aus Altshausen im Kreis Ravensburg kommt.
Dennoch gibt es noch einige Baustellen, die seiner Meinung nach angegangen werden müssen. Seine Arbeit in Nagold sei noch nicht getan. Als Blinder müsse er seine sehenden Mitmenschen, die "selbst manchmal etwas blind sind", auf das ein oder andere Problem hinweisen. Die Treppe am Amtsgericht oder der Vorstadtbrunnen sind für blinde Menschen zum Beispiel Gefahrenstellen in der Stadt, da sie stürzen und sich verletzten könnten. "Ich will die Stadt für alle Menschen, egal ob mit oder ohne Behinderung, sicherer machen. Ich möchte Nagold weiter mitgestalten, weil ich Nagold liebe", sagt Brei.