Oskar Wössner (links) übergab Karl-Heinz Kunde eine Dankesurkunde für die Organisation dieses Festes. Foto: Groos

Vor kurzem trafen sich in der Alten Seminarturnhalle 65 ehemalige Schüler des Aufbaugymnasiums, die zwischen 1957 und 1969 im Nagolder Internat waren, von denen sich viele als mittlerweile ergraute Herren nach Jahrzehnten erstmals wiedersahen.

Nagold - Sie kamen aus allen Teilen des Landes, einige scheuten die weite Anreise von Bamberg, Dortmund oder Wiesbaden nicht. Initiator und Organisator dieses jahrgangsübergreifenden Treffens war Karl-Heinz Kunde, der von 1960 bis 1966 hier die Schulbank drückte und nach dem Studium als Lehrer und Schulleiter im Rhein-Neckar-Kreis tätig war.

Gefundene Heimat in Nagold

Nach der Spätaussiedlung 1958 habe er in seiner Nagolder Zeit erstmals wieder Freunde gefunden und Heimatgefühle empfunden. Er spielte damals beim VfL Handball, obwohl das von der Schulleitung nicht gern gesehen wurde. Durch seine häufigen, zuletzt wöchentlichen Besuche ist er für viele Nagolder längst zu einer vertrauten Person geworden.

Zur Begrüßung musste Oskar Wössner, von 1957 bis 1963 an der damaligen "Lehreroberschule" (LOS), in die von ihm wenig begehrte Rolle des "Alterspräsidenten" schlüpfen. In einer launigen Ansprache erzählte der Altensteiger von seiner Freude über die neue Freiheit nach dem Abitur, lernte aber auch gleichzeitig an der Hochschule die Vorzüge seiner LOS-Ausbildung zu schätzen. Weiter berichtete er von den späteren Begegnungen mit seinen alten Lehrern, die nun, nachdem er Rektor geworden war, auf Augenhöhe stattfanden.

"Freunde des Aufbaugymnasiums" kämpfen vergeblich

Zur großen Enttäuschung wurde der vergebliche Kampf um den Erhalt der Schule für den Verein der "Freunde des Aufbaugymnasiums", dessen zweiter Vorsitzender er war. So blieb am Ende lediglich die Aufgabe, mit der Herausgabe des Buches "Vom Lehrerseminar zum Aufbaugymnasium, 1881 – 1991", die Erinnerung an diesen Abschnitt der Stadt- und Schulgeschichte zu erhalten. Im Namen der Anwesenden übergab er Karl-Heinz Kunde, auch im Gedenken an dessen verstorbene Frau, eine Dankesurkunde für die Organisation dieses Festes.

Horst Groos (Schüler von 1963 bis 1968) ließ mit einer kontrastreichen Bildershow den Alltag und die Höhepunkte in der Internatsschule Revue passieren: die Lehrer in Aktion, Ausflüge, Exkursionen, Sportwettkämpfe, Skifreizeit in Oberjoch und der Tanzkurs als absolutes Highlight in der reinen Jungenschule.

Nichts erinnert bei der Besichtigung mehr an frühere Schule

Bei der Besichtigung des Gebäudes wurde deutlich, dass nach den Umbaumaßnahmen nichts mehr an die Schule erinnern würde. Da war es tröstlich, von Projektleiter Eder zu hören, dass eine Neuauflage des ABG-Buches geplant sei.

Zu Beginn des Treffens sorgte die Band "Beat Brothers" aus der Pfalz mit Hits aus den 60er-Jahren für Stimmung. Mancher Anwesende mag sich da insgeheim gewünscht haben, noch einmal 20 zu sein. Zum Mittag gab es von einer Nagolder Metzgerei in Anlehnung an die Wochenendmahlzeiten in der LOS "Linsen und Spätzle mit Saiten" (in der Schule einst nur mit einem Würstchen) und Gaisburger Marsch. Mit Getränken versorgt wurden die Gäste von Ehrenamtlichen des Fördervereins Alte Seminarturnhalle. Am späten Nachmittag machten sich die Ehemaligen reich an Erinnerungen wohlgestimmt auf den Heimweg, sicher aber auch mit etwas Wehmut, denn schließlich könnte es der endgültige Abschied von Nagold gewesen sein.