Oberbürgermeister Jürgen Großmann überreichte Wolfgang Schäfer (rechts) die Verleihungsurkunde Foto: Uwe Priestersbach

Der elfte Ehrenbürger der Stadt Nagold seit 1870 heißt Wolfgang Schäfer. Gewürdigt wurde damit vor allem sein 40-jähriges kommunalpolitisches Engagement in Gemeinderat. So verlief die Verleihungszeremonie.

„Das ist wahrlich eine sehr seltene Auszeichnung“, erklärte Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann in seiner Laudatio, dass die Ehrenbürgerwürde in den vergangenen 154 Jahren nur zehn Persönlichkeiten verliehen wurde. Zwei von ihnen waren jetzt mit Rainer Prewo und Jean-Marc Fournel beim Festakt anwesend.

 

Im Hof der Seminarturnhalle feierte der Förderverein der Seminarturnhalle am Sonntag zudem sein Sommerfest zum 30-jährigen Vereinsjubiläum – und so hätte der Rahmen für die Auszeichnung kaum passender sein können, nachdem Wolfgang Schäfer bereits seit 2006 Vereins-Vorsitzender ist.

Vor den rund 300 Zuhörern sprach der Rathauschef deshalb auch von einem „herausragenden und langen Wirken auf verschiedenen Aufgabenfeldern“.

Das sagt der OB

Denn Wolfgang Schäfer habe sich in den entscheidenden Jahren ganz maßgeblich dafür eingesetzt, die Seminarturnhalle in Eigenregie – und unabhängig von der Stadt – zu einem „soziokulturellen Zentrum“ zu machen. Das Ergebnis könne sich sehen lassen, denn die „Semihalle ist heute zu der führenden Kleinkunstbühne in der Region geworden“. Dank dieser jahrzehntelangen Arbeit sei das kulturelle Profil der Stadt Nagold maßgeblich bereichert worden – und gleichzeitig wurde „das Ansehen Nagolds als Kulturstadt entscheidend nach vorne gebracht“.

Als „Klammer seines Wirkens“ beschrieb der OB allerdings das Mandat als Stadtrat von 1984 bis 2024, das Wolfgang Schäfer die Möglichkeit gab, maßgeblich Einfluss auf die Entwicklung in Nagold zu nehmen. Vieles, was in den vergangenen Jahrzehnten in der Stadt an Neuem geschaffen wurde, trage auch seine Handschrift. Bei dieser Gelegenheit lobte der OB Schäfers intellektuellen Fähigkeiten und seine Weitsicht, die ihn zusammen mit seiner rhetorischen Brillanz dazu befähigt hätten, „vorauszudenken und Entscheidungsprozesse mitzusteuern“. Und so sei es sein Credo gewesen: „Nagold muss immer einen Schritt voraus sein, Neues wagen und den Mut zur Veränderungen haben“.

Viele Gäste waren zur Verleihung gekommen. Foto: Uwe Priestersbach

Nicht unerwähnt ließ Großmann, dass Wolfgang Schäfer mit 40-jähriger ununterbrochener Mitgliedschaft im Gemeinderat derjenige sei, „der bisher die längste Amtszeit in der Geschichte des Gremiums auf sich vereinigen kann“. Vor diesem Hintergrund war es kein Wunder, dass die Verleihungsurkunde der Ehrenbürgerschaft mit dem Satz schließt: „Sein vorbildlicher ehrenamtlicher Einsatz hat Maßstäbe gesetzt“.

Das sagt Hans-Joachim Fuchtel

Zu Wort kamen jahrzehntelange Weggefährten des elften Nagolder Ehrenbürgers. So erinnerte Staatssekretär a.D. Joachim Fuchtel an die 52-jährige Freundschaft mit Wolfgang Schäfer und die gemeinsamen Zeiten in der Jungen Union, die in den 70er-Jahren auch mal nach Stuttgart zum damaligen Ministerpräsident Hans Filbinger geführt hatten. 1974 managten Hans-Joachim Fuchtel und Wolfgang Schäfer den Wahlkampf für den Nagolder OB-Kandidaten Joachim Schultis, der dann im zweiten Wahlgang mit rund 50 Stimmen Vorsprung Wahlsieger wurde – was anschließend ausgiebig gefeiert wurde. Nicht unerwähnt ließ der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete zudem Schäfers tatkräftigen Einsatz für den Kleb-Spielplatz. Und weil es dem CDU-Stadtrat immer gelungen sei, „populistischen Ansätzen zu widerstehen und bei der Sache zu bleiben“, betonte Fuchtel, „ein bisschen mehr Wolfgang-Schäfer-Politik würde dem Land guttun“.

Das sagt Klaus Birk

Unter die Überschrift „Wie ein Winnetou Ehrenbürger wurde“, stellte Kabarettist Klaus Birk sein Grußwort – und er musste es wissen. Denn bereits im zarten Alter von sechs Jahren kreuzten sich ihre Wege – und beim gemeinsamen Fußballspiel war Wolfgang Schäfer passenderweise rechter Verteidiger. Wenn dann im Schäfer-Garten „Cowboy und Indigener“ gespielt wurde, wollte Wolfgang Schäfer immer Winnetou sein, während Klaus Birk die Rolle des Old Shatterhand zufiel.

Zurück in der Gegenwart lobte Birk die Nagolder Entwicklung und den Gemeinderat, der über alle Fraktionen hinweg und gemeinsamen mit den jeweiligen Oberbürgermeistern das Ziel verfolge, „Nagold nach vorne zu bringen“. Und dann eben Wolfgang Schäfer, der für seine eigene Ehrung die Bühne mit aufbaue, und wie er die rund 400 Mitglieder des Fördervereins motiviere, bezeichnete Klaus Birk als einmalig.

Das sagt Sabine Kummer

Im Namen des Vorstandes des Fördervereins erinnerte Sabine Kummer an die „beharrliche Zielstrebigkeit“, mit der Wolfgang Schäfer zwar für den einen oder anderen Seufzer im Vorstand sorgte, wenn es um 60 Veranstaltungsabende im Jahr ging. Doch zeichne es den Förderverein aus, dass „wir immer eine Lösung finden und an einem Strang ziehen“.

Die Feier wurde musikalisch umrahmt. Foto: Uwe Priestersbach

Wolfgang Schäfer selbst räumte anschließend ein: „Ich bin nahezu sprachlos – und das kommt nicht oft vor“. Gleichzeitig bedankte er sich für „40 gute Jahre im Stadtrat“ – und für diese besondere Auszeichnung.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von Musikschul-Lehrer Ralf Gundel mit Max Enderle, Nils Wagner und Luca Tober aus seiner Saxophonklasse sowie von Agnes Märker an der Harfe – während das anschließende Sommerfest von Martin Kalmbach sowie vom Ambience Lounge Duo mit Joachim Schäfer und Christian Ott umrahmt wurde.