"Den brauchen wir!" So OB Großmann in der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres über einen neuen Unimog für den Baubetriebshof der Stadt. Aber angeschafft wird das Fahrzeug erstmal trotzdem nicht – weil der Rat das Fahrzeug lieber kaufen statt leasen möchte.
Nagold - Nicht alles, was auf dem Papier – in diesem Fall in der Sitzungsvorlage für den Gemeinderat – nach einem Schnäppchen aussieht, muss auch eines sein. Fand zumindest CDU-Fraktionssprecher Wolfgang Schäfer, der sich daran störte, dass man auch beim Leasing nach 72 Monaten Laufzeit einen Betrag fast in Höhe des Kaufpreises bezahlt haben würde – auch wenn die monatliche Rate (knapp 2300 Euro) erst einmal hübsch niedrig klinge.
Wer es einmal nachrechnen will: 2300 mal 72 Monate macht knapp 166 000 Euro; der Neupreis des gewünschten Unimogs steht bei knapp 201 000 Euro. Zum Vergleich: das bisher vom Baubetriebshof genutzte Fahrzeug der Marke Mercedes Unimog U300 ist aktuell seit dem Jahr 2001 im Einsatz – und wird laut Sitzungsunterlage noch mit einem Rest-Zeitwert von etwa 25 000 Euro taxiert. Tatsächlich ist eine Weiterveräußerung des betagten Gebrauchtfahrzeugs zu diesem Preis auch fix geplant.
„Unimog 423“ ist der Favorit
Für die Ersatzbeschaffung wird ein "Unimog 423" von der Verwaltung favorisiert, weil dieser über einen Euro-VII-Motor "mit einem hocheffizienten Rußpartikelfilter" mit den entsprechenden Lärmwerten verfüge und "damit alle erforderlichen arbeitsschutztechnischen Vorgaben" einhalte.
Bisherigen Anbaugerätewürden passen
Außerdem würden auf dieses Fahrzeug alle bereits beim Baubetriebshof vorhandenen Anbaugeräte für den Unimog wie zum Beispiel "Aufsetzabsetzer, Winterdienstgeräte (Streuer und Räumschild) und Sommereinsatzgeräte (Mulcher, Balkenmäher et cetera) perfekt passen", was einen "Wechsel zu einer anderen Marke nicht wirtschaftlich" erscheinen lasse.
In der Sitzungsunterlage heißt es weiter, dass man seitens der Verwaltung für die Angebotserstellung "alle derzeit erhältlichen Fahrzeuge, die den Anforderungen entsprechen, ausgiebig getestet und hinsichtlich Technik, Ökologie, Vertriebs- und Wartungsnetz wegen künftiger Wartungsarbeiten umfassend begutachtet" habe. Auch eine "vollelektrische Lösung wurde ebenfalls bedacht", sei jedoch "zum jetzigen Zeitpunkt" als "noch nicht praktikabel" wieder verworfen wurden – wobei nicht weiter ausgeführt wird, warum nicht.
„Kompaktservice“ wäre beim Leasing dabei
Was aus Sicht der Verwaltung noch für die Leasing-Variante spricht: Das der Stadt vorliegende Angebot für den zu leasenden Unimog umfasse neben den reinen Fahrzeugkosten auch noch "einen Kompaktservice", in dem auch die Kosten für etwaige "Reparaturen und Wartung" enthalten wären, sodass lediglich noch von der Stadt "Steuer, Versicherung oder Kraftstoff" extra zu tragen wären.
Der Einsatzbereich des Fahrzeugs wäre "im Sommer als Zugmaschine und Absetzkipper in der Sportplatzpflege" sowie als Mähgerät und im Winter "als Streufahrzeug in Teilen der Kernstadt und den Ortsteilen Mindersbach und Pfrondorf". Dadurch sei das Fahrzeug "nahezu täglich in Betrieb", bei einer jährlichen Fahrleistung von 7000 bis 8000 Kilometer, beziehungsweise 800 bis 900 Betriebsstunden.
Trotzdem wird jetzt noch einmal im Detail nachgerechnet, welche Variante – also Kauf oder Leasing – wirklich günstiger ist. Wofür der Leiter des Hoch- und Tiefbauamtes, Rafael Beier, nun bis zur nächsten Sitzung des Gemeinderats eine Wirtschaftlichkeitsrechnung vorlegen soll.
"Wir kommen in einem starken Monat noch mal mit diesem Thema", so Oberbürgermeister Jürgen Großmann abschließend. Womit er das Thema einstweilen zurückzog. Allerdings blieb damit Rafael Beiers Mahnung ungehört, dass das aktuell angebotene Fahrzeug auf diese Weise mutmaßlich "weg" sein werde und nicht mehr verfügbar sein könnte. Auch stellte Beier klar, dass derzeit eben nur ein Leasings-Fahrzeug sofort genutzt werden könnte – für ein Kauffahrzeug müsse man wohl mit einer Lieferzeit von mindestens zwei Jahren rechnen.