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Nagold "Zuhause bleiben ist der beste Schutz"

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Ungewöhnliche Zeiten bedürfen ungewöhnlicher Maßnahmen: wie ein Webseminar zur Herstellung von Desinfektionsmitteln. Foto: Kunert Foto: Schwarzwälder Bote

Die Kontakteinschränkungen gelten – auch für den Betrieb der Volkshochschule (VHS) Oberes Nagoldtal. Weshalb dort sämtliche Präsenz-Kursangebote storniert wurden. Und Neues ausprobiert wird: ein Webseminar – Titel "Desinfektionsmittel zum Selberherstellen". Denn die werden ja gerade überall sehr knapp.

Nagold. Okay, der Start dieses ganz neuen, digitalen Kursformats ist nicht ganz reibungsfrei. Die Emails mit den Links, um sich in das Webmeeting vom heimischen PC oder Tablet aus einzuwählen, sind irgendwo verschütt gegangen. Weshalb der erste Kurs so ziemlich ohne Teilnehmer stattfindet. Aber genau deshalb macht man so etwas das erste Mal – um alles genau auszuprobieren.

Und zum Glück gibt es dieses besondere Kursangebot im Anschluss gleich noch mal. Und diesmal klappt alles. Und sogar das Fernsehen, der SWR, ist live dabei, will über diese doppelte Innovation später einen eigenen Beitrag mache.

Dozent heute ist Martin Kreeb, Professor an der Hochschule Fresenius im Bereich Nachhaltigkeitsforschung mit Schwerpunkt Klimawandel. Und seit 1990 Ausbilder im Rettungswesen, bei den Maltesern. "Dass, was wir da gerade erleben, ist genau das, was ich beruflich mache", sagt er. Meint: Risiken einschätzen, Reaktionsszenarien entwickeln.

Was man noch von Kreeb wissen muss: Er wohnt und lebt hier in Egenhausen – wo er daheim gerade auch die Nachbarschaftshilfe für all jene mit organisiert, die nicht mehr alleine Einkaufen gehen können – oder sollten.

Sein Desinfektionsmittel-Kurs heute ist auf zwei Stunden angesetzt. Um es vorweg zu nehmen: Der eigentliche chemisch-handwerkliche Teil braucht dabei weniger als eine Viertelstunde. Ethanol (Alkohol aus privaten Beständen; es gehen auch Brennspiritus, Strohrum oder Whisky in Fassstärke) mit Wasserstoffperoxid und destilliertem oder abgekochtem Wasser vermischen – dann hat’s ein Mittel, mit dem man alle Gegenstände und Flächen desinfizieren kann. Wichtig: In der Mischung muss der Alkoholanteil am Ende mindestens über 70 Prozent liegen. Fügt man noch (den Lebensmittelzusatzstoff) Glycerin dazu, wird’s ein Handdesinfektionsmittel. Man kann auch nach der Anwendung eine gute Handcreme verwenden – dann spart man sich das Glycerin. Soviel zur Hobbythek.

Nicht alles ist zur Beruhigung geeignet

Der eigentliche Wert dieses Kurses aber steckt in dem, was Professor Kreeb die Eindreiviertelstunde davor über Virusinfektionen, Ausbreitungsszenarien, die Geschichte der Pandemien, funktionaler Hygiene und den weiteren Szenarien der aktuellen Corona-Pandemie zu erzählen hat. Kreeb sagt zwar, dass er mit diesem Kurs den Teilnehmen die Angst vor dieser Pandemie nehmen will – in dem er konkrete und verlässliche Handlungsanweisungen für den Ernstfall vermittelt und lehrt, die den Teilnehmern im Umgang mit den Auswirkungen der Pandemie Sicherheit und Souveränität geben sollen.

Aber er sagt auch Sätze wie diese: "Wir werden in dieser Pandemie noch Dinge sehen, die wir so noch nie gesehen haben." Oder: "Die Zeit, die vor uns liegt, wird noch sehr hart für uns alle werden." Die eher nicht dazu geeignet sind, einen zu beruhigen.

Aber das will der Experte offensichtlich auch gar nicht. Er verteilt via seiner Präsentation, die mit allen Kursteilnehmern daheim am Bildschirm in Realzeit geteilt wird (was auch noch nicht ad hoc auf Anhieb klappt; aber im Verlauf des Kurses immer besser), Links zu diversen Quellen, in denen Experten beispielsweise der WHO ein solches Krisen-Szenario, wie wir es gerade am eigenen Leib erleben, in der Theorie durchgespielt haben. Was einen Blick in die Zukunft – bei aller Unsicherheit – erlaubt.

Und bei diesem Blick in die Zukunft läuft es einem in diesen zwei Stunden mit Professor Kreeb mehr als einmal eiskalt den Rücken hinunter. Beispielsweise wenn er Bilder von der Spanischen Grippe Anfang des 20. Jahrhunderts zeigt – Hunderte, Tausende Kranke und Sterbende in riesigen Hallen.

Und Kreeb sagt, auch das würden wir die nächsten Tage und Wochen noch erleben. Und man an die vielen Notkrankenhäuser denken muss, die gerade überall auf der Welt errichtet werden.

Es ist dieser unheimliche Nachdruck, mit dem Martin Kreeb seine Fakten vorträgt, der einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlässt; und der so gar nicht zu seiner sonst sehr freundlichen Stimme passen will, die man allein im Webmeeting von ihm hört. "Zuhause bleiben ist der beste Schutz", sein erster Rat. Hygiene, Händewaschen – wenn das nicht geht: desinfizieren; wenn’s dafür keine Mittel mehr (in der Apotheke) gibt – selber mischen. Die nötigen Rohstoffe sind noch zu haben – im Baumarkt, in der Destille der Wahl. Und zu vernünftigen Preisen. Nicht auf Geschäftemacher reinfallen. Bei dem bleiben, was man kennt. Die Gefahr, gegen die wir dabei alle kämpfen: Dass wir keine Therapie, keine Impfung gegen diese neue Krankheit haben. Und das dieser "fiese Virus" permanent mutiert, sich verändert.

Schon jener Corona-Virus, der hier in Europa angekommen sei, habe eine andere DNA als jener, der ursprünglich vom chinesischen Wuhan aus sich verbreitet hat. Die fatale Sorge – und ganz real greifbare Gefahr – sei, dass der Virus in naher Zukunft derart mutiert, dass er zur noch viel tödlicheren Waffe wird. Ebenfalls wie einst bei der Spanischen Grippe – die auch erst in der zweiten Welle (ab 1918) selbst junge Menschen dahinraffte und zum ultimativen Killer wurde.

Zeit gewinnen bedeutet, Leben zu retten

Kreeb macht klar: Im Grunde sind wir bei der Bewältigung der aktuellen Pandemie nicht viel weiter als vor hundert Jahren. Solange wir keine Therapie und/oder Impfstoff haben. Bis dahin heißt es: sich selbst (und die Seinen) zu schützen – so gut es geht. Durch Kontakteinschränkungen. Und konsequentes Händewaschen/-desinfizieren. Um vor allem Zeit zu gewinnen. Klingt banal. Aber Prof Kreeb macht eindringlich klar: Das rettet Leben!

Das Webseminar "Desinfektionsmittel zum Selberherstellen" der VHS Oberes Nagoldtal ist auf der Website der VHS als Video-Mitschnitt abrufbar (für angemeldete User). Das (kostenfreie) Webseminar wird zudem am kommenden Samstag, 4. April, noch zweimal (14 und 16 Uhr) live wiederholt, eine Anmeldung ist erforderlich, da die Teilnehmerzahl begrenzt ist.

Weitere Informationen: www.vhsnagold24.de

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