Politprominenz weiht Radweg zwischen Vollmaringen und Baisingen bei minus sechs Grad ein

Von Uwe Priestersbach

Nagold-Vollmaringen. Bei strahlendem Sonnenschein und minus sechs Grad wird auch nicht alle Tage ein Radweg seiner Bestimmung übergeben. Da war es kein Wunder, dass mit Extremsportler Markus Strienz nur ein einziger Radler bei der Einweihung des Radweges zwischen Vollmaringen und Baisingen gesichtet wurde.

Hoch war dafür die Dichte an Politprominenz, was den Rottenburger Oberbürgermeister Stephan Neher zum Hinweis veranlasste: "So prominent werden sonst nur Autobahnen eröffnet." Auch der Baisinger Ortsvorsteher Horst Schuh konnte sich kaum daran erinnern, wann es zuletzt "so einen Auflauf an der Gemarkungsgrenze gegeben hat".

Doch wurde in den Grußworten eben auch deutlich, dass es sich bei den jetzt eingeweihten 1150 Metern Radweg um einen wichtigen Lückenschluss im bestehenden Radwegenetz handelt, mit dem nicht nur Vollmaringen und Baisingen, sondern genauso Nagoldtal und Neckartal verbunden werden.

So sprach der Vollmaringer Ortsvorsteher Daniel Steinrode einleitend von einer "wichtigen Schweißnaht" in Baden-Württemberg und erinnerte daran, dass die betroffenen Ortschaftsräte sich etliche Jahre lang vergeblich um den Ausbau des "Überbergwegs" bemüht hatten. Erst mit dem von der Landesregierung beschlossenen Förderprogramm zum Radwegausbau war wieder neue Hoffnung gekeimt, aus dem bis dahin geschotterten Feldweg einen Radweg zu machen, erläuterte Steinrode. Sein Dank galt vor allem Claus Schmidel, denn der SPD-Fraktionsvorsitzende im Stuttgarter Landtag hatte das Vorhaben ebenfalls unterstützt.

Dass jetzt zwei Räume miteinander verbunden wurden, "die noch touristisches Potenzial haben", machte der Nagolder Oberbürgermeister Jürgen Großmann deutlich. Zudem zeige dieses Projekt, dass auch der ländliche Raum gefördert werde – und dies sei wohl einer der wenigen Radwege, der sogar auf ministerieller Ebene verhandelt wurde.

Allerdings war für den Nagolder Oberbürgermeister bei dieser Gelegenheit ebenfalls klar, dass dem Lückenschluss in Sachen Radweg nun auch der Lückenschluss beim Schienennetz folgen müsse. So müssten Nagoltalbahn und Gäubahn intelligent verknüpft werden, um Nagold an die schnellen Züge anzuhängen, so Großmann.

Von einem tollen Werk mit vielen Beteiligten sprach anschließend der SPD-Fraktionsvorsitzende Claus Schmidel, und er betonte: "Das hätten wir ohne das nachhaltige Bohren der beiden Ortsvorsteher nicht hingekriegt." Gleichzeitig erinnerte er daran, dass die grün-rote Landesregierung im Doppelhaushalt 17 Millionen Euro für Radwege eingestellt hat. In Sachen Schienenanbindung erklärte Claus Schmidel: "Jetzt tun wir alles, um die Hesse-Bahn zu realisieren, und dann kümmern wir uns um diesen Lückenschluss."

Für Landrat Helmut Riegger wurde hier mit Zuschüssen des Landkreises "eine optimale Verbindung geschaffen" – und nach Abschluss dieser Maßnahme verfüge der Landkreis Calw über 1111 Kilometer Radwege.

Anschließend wurde der neue Radweg von Dekan Holger Winterholer und Pfarrer Daniel Geese gesegnet.