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Nagold Wasserkraftwerk weckt die Neugierde der Nagolder

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Seit 2009 ist Hans Notter stolzer Besitzer des Nagolder Wasserkraftwerks. Aus der damals maroden historischen Anlage hat der gelernte Schlosser ein echtes technisches Kleinod gemacht, das heute weitgehend vollautomatisch wertvollen Ökostrom erzeugt. Foto: Kunert Foto: Schwarzwälder-Bote

Von Axel H. Kunert

Nagold. Das alte Wasserkraftwerk der Familie Klingler an der Nagold ist Zeitgeschichte pur. Aber kein Denkmal, wie der derzeitige Besitzer Hans Notter betont. Notter zeigte auf Initiative des Bürgerforums im Rahmen der "Nagolder Stadtgeschichte(n)" einer handverlesenen Schar Neugieriger seinen kleinen, aber herausragenden Technik-Schatz.

Eigentlich ist Hans Notter längst im Ruhestand. Bürgermeister sei er gewesen, gebürtig aus Weil im Schönbuch. Aber "in einem früheren Leben" habe er einmal Bauschlosser gelernt, sei absolut technikbegeistert. Schuld daran sei – wie üblich in dieser Region – ein prächtiger Märklin-Baukasten gewesen, den der heute 64-Jährige als Kind geschenkt bekommen habe. Jetzt, als "mittlerweile großem Kind", sei ihm für den Ruhestand die Märklin-Eisenbahn aber zuwenig gewesen. Ein echtes Wasserkraftwerk sollte es sein, erzählt der Mann im Blaumann. In Nagold wurde er im Jahr 2009 fündig, als er vom Vorbesitzer die "BaWü Wasserkraftwerke" übernahm – und mit ihr das damals "ziemlich marode und heruntergewirtschaftete" historische Wasserkraftwerk, das bereits im Jahr 1893 von Cletus Klingler gegründet worden war.

Wohl wegen des maroden Zustands hatte der seinerzeitige Eigentümer, die EnBW, bereits im Jahr 2004 das historische Kleinod verkauft. Der EnBW-Vorgänger Energieversorgung Schwaben (EVS) wiederum hatte des E-Werk am Nagoldufer im Jahr 1989 von den Klingler-Erben, der Familie Wohlbold, erworben. Bis dahin war das Nagolder Elektrizitätswerk ein richtig bedeutendes, eigenständiges Familienunternehmen, das zusammen mit den Wasserkraftwerken in Bettenberg (dem ersten Stollenkraftwerk der Welt) und der Weitinger Mühle eine Region mit bis zu 37 000 Einwohnern mit Strom versorgte.

Was Hans Notter an diesem technischen Kleinod so begeistert: "Das ist Technik für die Ewigkeit", erklärt der stolze Besitzer mit leuchtenden Augen. Und erzählt von den Voith Francis Zwillingsturbinen, die seit 1927 hier ohne große Probleme ihren Dienst versehen. Knapp 100 Kilowatt Leistung erzeugen die große und die kleine Turbine in der Spitze, wenn von den beiden großen Schwungrädern die Bewegung der Turbinen mittels der ebenfalls seit vielen Jahrzehnten laufenden Flachriemen auf die eigentlichen Generatoren übertragen werden, die wie der Dynamo am Fahrrad dann den eigentlichen Strom erzeugen.

All das ist historisch. Und original. Und im Maschinenhaus des alten Wasserkraftwerks bereits wie in einem kleinen Technikmuseum für Besucher zugänglich und beschildert. Aber Notter erzählt auch, wie er mit sehr großem Aufwand die Gebäude erst wieder in Stand setzen musste. Wie er die historischen technischen Anlagen überholt und mit großen Investitionen auf den neuesten technischen Stand gebracht hat – auch die Außenanlagen an der Staustufe, wo etwa eine neu eingerichtete Fischtreppe an der östlichen Uferseite die ökologische Durchgängigkeit der Nagold gewährleisten soll.

Heute sei der Betrieb des Nagolder Wasserkraftwerks weitgehend automatisiert, berichtet Notter. Fluss-Sensoren würden die Fließgeschwindigkeit der Nagold pausenlos überwachen und computergesteuert den Durch- und Abfluss des Nagold-Wassers zum eigentlichen Kraftwerk regeln. Und im Maschinenhaus selbst demonstriert der stolze Kraftwerks-Eigner, wie er vom Smartphone aus sämtliche Betriebsabläufe auch von daheim aus überwachen und gegebenenfalls eingreifend regeln könne. Vor Ort stünden aber auch immer zwei Teilzeitkräfte für Überwachungs- und Wartungsarbeiten zur Verfügung.

Der eigentlichen, von der Teilnehmerzahl her streng begrenzten Betriebsbesichtigung im Nagolder Wasserkraftwerk schloss sich im Wappensaal des benachbarten EnBW-Gebäudes in dann deutlich größerer Runde ein Gesprächsteil an. In diesem berichteten ehemalige Mitarbeiter des Kraftwerks und Dörte Wohlbold als Nachfahrin der ehemaligen Eigentümer-Familie aus der bewegten Geschichte der Anlage und des Betriebs. Weil diesmal bei weitem nicht alle Interessierten den historischen Kraftwerksbau besichtigen konnten, hofft man seitens des Bürgerforums, wie Nanni Fingerhut für das Gremium erklärte, Hans Notter für weitere Führungen etwa zum Tag des Denkmals überreden zu können. Und wenn man genau rechnet – in gerade einmal drei Jahren, im Jahr 2018, jährt sich die Elektrifizierung von Nagold aufgrund der Fertigstellung des Nagolder Wasserkraftwerks zum immerhin 125. Mal. Wenn das nicht ein richtig großer Grund zum Feiern wäre.

 
 

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