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Hans-Joachim Heist alias Heinz Erhardt in der Alten Seminarturnhalle

Einen feinen Heinz Erhardt durfte das Publikum erleben. Wieso fein? Erhardtsche Manier empfand Heist nach, ohne zu karikieren. Spielfreude, Albernheit, Lust am Lachen, ein bisschen Geschamigkeit – Merkmale von Erhardts Kunst und auch seiner Zeit – erfreuten die Zuhörer. Gelobt sei der Bücherschrank von Heists Eltern, in dem er einst das "Große Heinz Erhardt Buch" fand und fortan fasziniert war.

Nagold. Heist kam zunächst als Heist auf die Bühne, erzählte ein bisschen aus Erhardts Leben, spielte ein bisschen mit dem Publikum und zeigte dabei schon, dass er ein guter Schauspieler ist. Von "Hassknecht", seiner Figur aus dem Fernsehen, war nichts zu sehen. Ein freundlicher, gut gelaunter Mann freute sich mit dem Publikum auf den Abend. Wenn er sich aber vom Publikum abwendete und die Erhardt-Brille aufzog, war er beim Umdrehen sofort in Heinz Erhardt verwandelt, seine Mimik und die Kopfhaltung konnte man ohne ein Wort erkennen.

So ganz und gar Schauspieler

Heinz Erhardt war ein Meister der Worte und des Wortspiels und davon gab es eine ordentliche Portion zu hören. Dass Heist ein unglaubliches Pensum Erhardtscher Lyrik und Sprüchen "drauf hat", muss man schlicht bewundern. Die Standardsprüche "Noch’n Gedicht" und "Was bin ich heute wieder für ein Schelm" untermalte er mit dem typischen Erhardtschen Lachen.

"Ach, das fetzt immer so, das nimmt mich richtig mit", da musste er tanzen. Mit Arme-Schlenkern und Hin-und-her-Hüpfen auf der Bühne untermalte er das Lied vom alten Lord, der mit dem alten Ford fort fährt – eine köstliche Mischung aus etwas Tollpatschigkeit und Lust am Spiel.

Es ist unmöglich, alles aufzuzählen, was dargeboten wurde. Viele bekannte Texte, die das Publikum fast mitsprechen konnte, aber auch weniger bekannte. Wussten Sie übrigens schon, dass eine feine Dame damals zwei Ärzte konsultierte? Den Älteren, wenn sie krank war, den Jüngeren, wenn ihr was fehlte.

Heist streute auch aktuelle Bezüge ein. Dabei blieb er ganz im Erhardtschen Stil. Zum Beispiel kam er beim Gedicht über das Ei des Columbus auf Amerika zu sprechen und dass es vielleicht lieber unentdeckt geblieben wäre. Dann wäre uns nämlich das "Hallo Wien" – äh – der Halloween erspart geblieben, wo die schrecklichen Gruselclowns umherziehen. Und heute muss man sich wundern, dass sie sogar einen Gruselclown zum Präsidenten gewählt haben.

So ganz und gar Schauspieler, wie Heist ist, verwundert es vielleicht, dass er einmal Installateur gelernt hatte und ein Ingenieurstudium begann. Er brach es ab, um zur Schauspielschule zu wechseln: "Bühne war immer mein Ding" – schon in der Schulzeit. Und so konnte er seine Ausbildung auch mit zunächst kleinen Erhardt-Auftritten finanziell unterstützen. Im Laufe der Jahre entwickelte er ein abendfüllendes Programm.

Alleinstellungsmerkmal dieser Stadt

Außer dem Schauspiel ist ihm Familie und Heimat wichtig. Er war lange politisch im Heimatort aktiv – gerade muss er sich über die politische Situation, besonders über ungebremste rechte Sprüche in den sozialen Medien, aufregen. Ein bisschen "Hassknecht" kann er eben auch. Und viel Zeit verbraucht er auch für sein Engagement in der "Deutschen Nierenstiftung". Es sieht nicht so aus, als ob ihm langweilig würde. Und vielleicht kommt er auch wieder mal nach Nagold.

Bei der Bekanntheit von Heist war zu erwarten, dass die "Semihalle" voll besetzt war. Gäste betonten, dass sie beides angezogen hätte, sowohl Hans-Joachim Heist als auch Heinz Erhardt – "der ist halt Kult". Dass in der Alten Seminarturnhalle alles gut klappt und die Leute so nett sind, lobte Heist als Alleinstellungsmerkmal dieser Stadt.

"Himmel, Gesäß und Nähgarn" – war das ein toller Abend! Das drückte das Publikum mit nicht enden wollendem Beifall aus. Zum Schluss noch einen Tipp aus Ritter Fips: "Falls fallend du vom Dach verschwandest, so brems, bevor du unten landest."