Vom "Wegebau" überzeugt (von rechts): Andreas Duffner, der über das Programm in die Geschäftsführung von "Benath und Enderle" aufgestiegen ist, die Mit-Geschäftsführer Patricia Stügelmaier und Axel Benath sowie Rupert Kammer, der ebenfalls "Wegebau" in Anspruch genommen hat. Foto: Bernklau

Über das Programm "Wegebau" macht Andreas Duffner mit 36 seinen Abschluss - und steigt weiter auf.

Nagold - Die Geschichte "Vom Tellerwäscher zum Millionär" kennt eigentlich jeder. Die Geschichte "Vom Hilfsarbeiter zum Geschäftsführer" kennen dagegen nur wenige. Axel Benath und Andreas Duffner aus Nagold können sie erzählen.

Am Anfang seines Berufslebens steht für Andreas Duffner erst mal das Geldverdienen im Mittelpunkt. Eine abgeschlossene Ausbildung ist da nicht die oberste Priorität. Und so fängt er eines Tages als Helfer bei Axel Benath und dem Dachdeckerbetrieb Benath und Enderle in Nagold an. Über die Jahre – insgesamt sind es zwölf – erwirbt er sich jede Menge handwerklicher Fähigkeiten. Doch einen Abschluss hat er immer noch nicht.

"Günstiger kommt man nicht an eine Fachkraft"

Da kommt seinem Chef Axel Benath eine Idee. Es gibt doch da dieses Weiterbildungsprogramm der Agentur für Arbeit mit Namen "Wegebau". Hilfsarbeiter wie Andreas Duffner können da in kurzer Zeit einen Berufsabschluss machen. Der Betrieb muss den Mitarbeiter dazu für drei Monate komplett freistellen. In diesen drei Monaten erwirbt der Mitarbeiter die nötigen Kenntnisse und macht am Ende eine ganz normale Gesellenprüfung.

Abgesehen davon, dass der Mitarbeiter in dieser Zeit im Betrieb fehlt, geht der Firmenchef kaum Risiko, auch finanziell nicht, denn 90 Prozent der Kosten übernimmt die Agentur für Arbeit, die den Betrieb auch noch durch Fachkräfte detailiert berät. "Günstiger bekommt man eine Fachkraft nicht", sagt Axel Benath mit Blick auf viele kleine und mittlere Betriebe in der Region, die diesem Mittel zur Gewinnung von Fachkräften etwas zurückhaltend gegenüber stehen – "und das obwohl sie Fachkräfte dringend brauchen". Als Grund vermutet er bei kleineren Betrieben die Ängste vor der Bürokratie. Doch da kann der erfahrene Handwerker beruhigen: "Die Betreuung der Agentur ist da sehr gut", konstatiert er im Gespräch mit unserer Zeitung. "Da ist jede Menge Fachkompetenz vorhanden."

Auch Martina Lehmann, Chefin der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim, kann in dieser Hinsicht beruhigen: "Das ist für die Betriebe wahrlich kein Riesenaufwand. Das versuchen wir so unkompliziert wie möglich hinzubekommen", so Lehmann, für die alle Beteiligten bei dieser Maßnahme gewinnen. "Der Betrieb weiß, woran er mit der neuen Fachkraft ist, da er sie schon jahrelang kennt. Und der Angestellte minimiert mit diesem Abschluss das Risiko, einmal arbeitslos zu werden."

Gleichzeitig auch die Nachfolge gesichert

Axel Benath jedenfalls ist vom Sinn der Maßnahme überzeugt, hat er doch gleich mehrere seiner Mitarbeiter auf diesem Weg zu Facharbeitern weiterbilden lassen. "Und es macht auch in der Außendarstellung mehr her, wenn ein Betrieb mehr Facharbeiter als Helfer hat."

Im Fall von Andreas Duffner ist die Angelegenheit nach dieser Fortbildung noch lange nicht beendet. Als er im Alter von 36 von der Maßnahme als Geselle zurückkehrt – das ist jetzt acht Jahre her –, ist er voll motiviert. "Als ich in den Betrieb zurückkam, bin ich sofort ins Büro vom Chef und habe gesagt: ›Ich will jetzt den Meister machen‹", erinnert sich Duffner. Axel Benath muss durchschnaufen: "Das ist mutig", sagt er sich, lässt seinen Mitarbeiter aber gewähren. Der macht seinen Weg. Inzwischen ist der 43-jährige Duffner in die Geschäftsführung aufgerückt, die neben Axel Benath auch noch aus Patricia Stügelmaier besteht. So hat Benath über das Programm "Wegebau" der Agentur für Arbeit nicht nur das Problem des Fachkräftemangels gelöst, sondern auch gleich noch die Unternehmensnachfolge gesichert.

Dass Andreas Duffner darüber hinaus jetzt auch noch Dozent an der Meisterschule der Handwerkskammer Konstanz ist – der Schule, an der er einst seine Weiterbildung machte –, ist da nur ein weiteres kleines Kapitel in der Geschichte "Vom Hilfsarbeiter zum Geschäftsführer".

 Das Programm "Wegebau" der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim gibt es seit 2007.

 Es ist mit Finanzmitteln in Höhe von zwei Millionen Euro jährlich ausgestattet.

 Rund 1000 Menschen haben es in der Region schon in Anspruch genommen, allein in diesem Jahr sind es 154.

 Besonders erfolgreich ist das Programm im Pflegesektor.

 Obwohl sie es dringender brauchen, wird das Programm von kleinen Betrieben weniger in Anspruch genommen.

 Potenzielle Teilnehmer gibt es im Kreis Calw jede Menge. Nach Angaben der Arbeitsagentur gibt es 2000 Hilfsarbeiter im Alter von unter 35 Jahren im Kreis.