Bärbel Reichert-Fehrenbach, Urban Brenner und Barbara Fischer (von links) haben das Ziel eines stationären Hospizes in Nagold fest im Blick. Foto: Martin Bernklau

"Es gibt schon geheime Ideen, wo es sein könnte", sagt Barbara Fischer, Vorsitzende der Initiative "Stationäres Hospiz".

Nagold - "Es gibt schon geheime Ideen, wo es sein könnte", sagt Barbara Fischer, die Vorsitzende. Aber noch ist es nicht soweit. Vor gut drei Jahren hat sich die Initiative für ein stationäres Hospiz als Verein gegründet. Das neue Unterstützer-Buch für ein solches Haus zählt mittlerweile über 400 Unterschriften.

Beim Benefizkonzert des Remigius Kammerchors am zweiten Advent in der Remigiuskirche bekam der Verein von Schreinermeister Urban Brenner einen Wunsch erfüllt und überreicht: ein Stehpult, auf dem – wenn es nicht für Vorträge und Ansprachen gebraucht wird – dieses Unterstützerbuch ausliegt. Zur Zeit steht es in der Apotheke von Bärbel Reichert-Fehrenbach, der zweiten Vorsitzenden. Der Stifter ließ sich vom Vorstand noch einmal seine Fragen beantworten und das Konzept des Vereins erklären, der unter dem Namen "Stationäres Hospiz Region Nagold e.V." aktuell 260 Mitglieder zählt. Schirmherrin ist Simone Großmann, die Frau des Nagolder Oberbürgermeisters.

Urban Brenner hat als 14-jähriger den Tod seines Bruders miterlebt. "Wo ist der Bedarf für ein solches Hospiz?", will er wissen – zwischen der häuslichen, familiären Begleitung der Sterbenden, der Unterstützung durch ambulante Dienste, Hospizgruppen und speziell ausgebildete Ärzte, der Pflege in Heimen und der palliativ-medizinischen Betreuung in Krankenhäusern?

Die Antwort überzeugt ihn. Die familiären und beruflichen Verhältnisse lassen es heutzutage immer weniger zu, dass Angehörige den letzten Abschnitt des Lebens begleiten. Manchmal wohnen sie zu weit weg, manchmal überfordert sie die Fürsorge zeit- und kräftemäßig, manch Angehöriger fühlt sich nicht imstande. Das, so ist sich die Gruppe einig, hängt auch oft mit der Verdrängung des Todes aus unserer modernen Gesellschaft zusammen.

Dabei wissen die Initiatorinnen von anderen Hospizen, dass solche Sterbehäuser oft eine ganz lebensbejahende, "oft sogar fast fröhliche Atmosphäre" haben, wie Barbara Fischer weiß. In Altenheime ist angesichts sowieso schon völlig überlasteter Pflegekräfte die besondere Zuwendung und Geborgenheit kaum aufzubringen, derer Menschen kurz vor dem Tod in so besonderer Weise bedürfen. Und Krankenhäuser, findet Bärbel Reichert-Fehrenbach, haben eigentlich die Aufgabe zu heilen und nicht Menschen zu verwahren, die eine gefühllose Sprache "austherapiert" nennt.

Das freilich macht Palliativ-Stationen (wie zur Zeit eine am Herrenberger Krankenhaus aufgebaut wird) nicht weniger sinnvoll, in denen oft mit viel Aufwand die Qualen und Schmerzen der letzten Lebensphase gelindert werden können. Hospizgruppen und ihre Ehrenamtlichen könnten die wachsende Nachfrage und den Wunsch nach Sterbebegleitung ergänzen.

Barbara Schäfer arbeitet seit 20 Jahren in der diakonischen Pflege. Die Idee eines stationären Hospizes für die Region Nagold kam ihr, nachdem sie 2009 einen Kurs für Palliativ-Betreuung in Esslingen besucht hatte. Schnell fand sie Gleichgesinnte. Bärbel Reichert-Fehrenbach etwa schenkte sie das Buch des Sternekochs Ruprecht Schmidt über das Hamburger Sterbehospiz "Leuchtfeuer". Die Apothekerin besuchte die Einrichtung selber und war "sofort Feuer und Flamme". Barbara Fischer arbeitete dann für mehrere Wochen in zwei Hospizen, unter anderem dem katholischen Hospiz St. Martin in Stuttgart-Degerloch.

In diesem ungewöhnlich offenen Haus – es gibt da neben dem geschützten Bereich von Zimmern und dem Gemeinschaftsraum für die Gäste auch Konzerte, Ausstellungen, Angehörigen-Treffs, Trauergruppen für Eltern wie für Kinder, Schulungen und vieles mehr – lernte Barbara Fischer die Vorteile und den Sinn eines solchen stationären Hospizes kennen. "Psychosoziale Vernetzung" heißt der Fachbegriff dafür, und die Vorsitzende kann ihn auch so beschreiben: "Das Haus soll mitten im Leben stehen, ein Kristallisationspunkt sein für alle, die sich für ein Sterben in Würde und Geborgenheit einsetzen."

"Man wird schon auf der Straße gefragt: Wie weit seid ihr?", erzählt die Nagolder Apothekerin. An Engagement, Unterstützung und Ehrenamt mangelt es nicht. Aber noch ist viel zu klären. Und es geht auch, aber nicht nur, um Geld. Acht Plätze sind vorgesehen in dem künftigen Gebäude, das natürlich bestimmte Voraussetzungen und auch Vorschriften erfüllen muss. Angedacht ist unter anderem eines der Schwesterwohnheim-Gebäude beim Nagolder Krankenhaus. "Für die Erstinvestition gibt es allerdings keine Zuschüsse", stellt Barbara Fischer klar.

Um so dringlicher ist die Frage nach der Trägerschaft. Mit Stadt und Landkreis (und Nachbarkreisen), Oberbürgermeister und Landrat, mit Klinikverbund, Krankenkassen und Ärztevertretern ist der Verein im Gespräch. Auch auf die großen Kirchen will die Initiative zugehen. Ein für das ablaufende Jahr geplanter Runder Tisch allerdings kam doch noch nicht zustande.

Sie haben Geduld und spüren viel Rückenwind für ihren Plan. Das Unterstützerbuch, für das Urban Brenner das schmucke Pult schreinerte, soll auch dazu beitragen, die Verantwortlichen in die Pflicht zu nehmen. "Wir wollen damit schon auch politischen Druck aufbauen", sagt Barbara Fischer.

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