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Nagold Urschelherbst von der Sonne verwöhnt

Von
Foto: Thomas Fritsch

Nagold - Von wegen Urschel-­"Herbst": Hochsommer war es in diesem Jahr, was die Besuchermassen ein Wochenende lang in Nagold erleben konnten. Mehr als "20000 Menschen in den Straßen" seien es dieses Jahr wohl, schätzte Bürgermeister Hagen Breitling.

Tatsächlich war an beiden Festtagen teilweise kein Durchkommen mehr durch den Innenstadtring. Spontane Umfrage bei den Passanten – wo sie denn herkommen: "Stuttgart", sagt eine vielköpfige Familie. "Rottweil", ein älteres Ehepaar. "Tübingen", die jungen Leute. "Karlsruhe", eine reife Mädels-Gruppe.

Ist aber auch eine richtig tolle Mischung, die Gäste und Einheimische da wieder erwartete. Die sprichwörtliche Nagolder Gastfreundschaft in den Geschäften – mit Urschelwein und Bretzel. "So ein tolles Weinfest in einer Stadt ohne Weinberge!?", wundert sich ein älterer Herr. Was soll man sagen? Hier steht eben nicht das Weinmachen im Vordergrund, sondern der edle Genuss – auch all der anderen Spezereien, die im weiten Rund der Nagolder Einkaufsstadt an diesen beiden Tagen angeboten werden.

Zum Beispiel – immer der Nase nach: Der würzige Rauch-Duft eines Holzfeuers zieht die gesamte Turmstraße entlang. Man muss ihm folgen – und wird zum Henne-Nest geführt. Wir nennen es mal das ideelle Zentrum des Urschelherbsts: frisch gebackener Zwiebelkuchen duftet zum Niederknien, "Feuermeister" Peter Ensslen feuert den Holzofen gerade noch mal mächtig ein. Pures Lebensglück.

Vielleicht das auch das Thema von Judith Bruckner ein paar Schritte weiter im Rathaus-Foyer. Hier ist es kühler als draußen; für den Moment eine Wohltat. Bruckner trägt ein historisches Kostüm, entführt damit auch optisch in die Zeit der "wüsten Urschel", der Namenspatronin dieses großes Festes. Auch hier Gäste überwiegend von auswärts. "Wir kommen aus Rottweil, waren letztes Jahr schon dabei." Dieses Jahr sollte auch die Freundin die Sage der wüsten Urschel aus berufenem Munde vernehmen.

Eine schöne Geschichte, eine traurige Geschichte. Das gar nicht so schön anzusehende Burgfräulein der auf der Nagolder Burg einst residierenden Grafen zu Hohenberg. Die sich lieber unten im Ort bei den Menschen aufhielt, als oben in der hochherrschaftlichen Burg. Symbolträchtig auch für den Urschelherbst: zu Gast sein in den Häusern der Kaufleute und Handwerker, auf den Straßen der Stadt. Wo das Leben wohnt, sich die Menschlichkeit freut. Die wüste Urschel war eine Wohltäterin den Nagolder Bürgern, erzählt Stadtführerin Bruckner. Ein Wohltäterin, die aber selbst dereinst am Ufer der Nagold an ihrem Lieblingsplatz am gebrochenen Herzen gestorben sein soll.

Das Fest war dieses Jahr auch insgesamt noch ein bisschen größer, noch ein bisschen attraktiver, noch ein bisschen bunter. Die Burgstraße hinauf zum Beispiel, der Gerichtsplatz – auch hier erstmals das (im wahrsten Sinne des Wortes) "bunteste" Treiben des Publikumsmassen. Kunst entsteht dort live vor den Augen der Passanten.

Die Nagolder Stadtkapelle tritt dort auf, später die Emminger Trachtenkapelle. Am Sonntag wieder ganz andere Gruppen. Jede Minute ein anderes Highlight, hat man das Gefühl. Man kann gar nicht alles miterleben sein.

Die einzigen, die bei dieser ungemein abwechslungsreichen Veranstaltungs-Programm wohl nicht auf ihre Kosten gekommen sind: die beiden Steppkes – vielleicht vier, fünf Jahre alt – die mit großen Augen und offenen Mündern das Informationsfahrzeug des Landeskriminalamtes (LKA) Baden-Württemberg am Übergang von Burgstraße zum Gerichtsplatz bestaunten. Und den LKA-Beamten Löcher in den Bauch fragten. Wichtigste Frage: Wo denn das richtige Polizei-Auto mit dem Blaulicht bitteschön sei. Sie hätte keines dabei, nur ihren großen Info-Truck zur Einbruchsprävention, gestehen die Beamten ein. Vielleicht beim Nagolder Polizei-Revier am Oberamteiplatz mal schauen, da müssten eigentlich "richtige" Polizeiautos stehen. Was sich die beiden Steppkes – an der Hand ihrer Eltern – nicht zweimal sagen ließen.

Ihre Redaktion vor Ort Nagold

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