Selten sorgt eine Baustelle schon im Vorfeld für soviel Aufmerksamkeit. Von einer Mega-Baustelle war schon 2021 die Rede, und vor wenigen Wochen von einem "großen Aufreger". Was also wird da genau im "Kleb" in Nagold gebaut?
Nagold - Der Abwasserzweckverband Oberes Nagoldtal plant im Stadtpark Kleb und im Krautbühlpark den Neubau eines Dükers und eines Sammlers. "Das Thema wird noch öfters kommen", war Peter Haselmaier vom Nagolder Tiefbauamt in der letzten Gemeinderatssitzung überzeugt. Und er sah auch einen echten "Aufreger" auf Nagold zukommen. "Was muss, das muss" – auch daran ließ Haselmaier keinen Zweifel. Hier unser Überblick zu Nagolds kommender Mega-Baustelle.
Was und warum wird überhaupt gebaut?
Es geht um eine unterirdische Baustelle für den Abwasserzweckverband. Im Bereich der Wachsenden Kirche befindet sich aktuell ein Pumpwerk, das in den 1980er Jahren gebaut wurde und schon länger nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entspricht. Über dieses Pumpwerk wird das Abwasser aus den Gebieten des Abwasserzweckverbands entlang der Steinach und der Waldach in Richtung Kläranlage geleitet. Das gesammelte Regen- und Schmutzwasser wird dabei unter der Nagold in Richtung Kleb gepumpt. Die mehr als 40 Jahre alten Pumpen müssten nun eigentlich ausgetauscht werden. Vom ursprünglichen Plan, an selbiger Stelle ein neues modernes Pumpwerk zu bauen, ist man mittlerweile aber wieder abgerückt. Stattdessen soll der Abwassertransport über einen so genannten Düker gelöst werden. Die Baustellenbelastung fällt damit wohl geringer aus, ist aber noch immer groß.
Was ist ein Düker?
Ein Düker ist laut Wikipedia eine Druckleitung zur Unterquerung einer Straße, eines Tunnels, eines Flusses oder von Bahngleisen. Im Düker kann die Flüssigkeit das Hindernis überwinden, ohne dass Pumpen eingesetzt werden müssen. Dabei nutzt man das Prinzip der "kommunizierenden Röhren", wonach sich stehende Flüssigkeiten in miteinander verbundenen Röhren stets auf das gleiche Niveau einpegeln. Fließt nun auf einer Seite immer neue Flüssigkeit hinzu, so erreicht sie auf der anderen Seite fast dasselbe Höhenniveau und kann fast ohne Höhenverlust dort weitergeleitet werden. Im Fall der Baustelle in Nagold geht es darum, die Nagold zu unterqueren.
Was ist alles von der Mega-Baustelle betroffen?
Viel! Denn nicht nur der Düker muss neu gebaut werden, sondern auch etliche Leitungen. Grob gesagt erstreckt sich die Baustelle vom Martha-Maria-Seniorenzentrum bis zur Wachsenden Kirche, unterquert dort die Nagold, und geht dann im Kleb bis zum Spielplatz, genauer gesagt bis zum Rutsch-Turm. Der muss der Baustelle auch geopfert werden. Auf beiden Seiten der Nagold wird es etwa 20 auf sechs Meter große und zehn Meter tiefe Baugruben geben. Geplant ist für das etwa zwei Meter hohe begehbare Rohr, das zwischen den Baugruben verlegt werden soll, in zehn Meter Tiefe unter der Nagold durchzubohren. Da sich dieser Baustellenbereich im Grundwasserbereich befindet, ist eine aufwendige Baustelleneinrichtung notwendig.
Wann wird gebaut?
In diesem Jahr noch nicht. Derzeit stehen die exakten Planungen an. Zudem soll im September 2022 ein Förderantrag für den Dükerbau eingereicht werden. Erst nach Förderzusage mit der bis Mai 2023 gerechnet wird, können die Arbeiten ausgeschrieben werden. Ganz bewusst wird die Baustelle nicht schnellstmöglich erledigt. Da der Kleb bekanntlich im Frühjahr und im Sommer ein äußerst beliebter Freizeit- und Aufenthaltsort der Nagolder ist, möchte der Abwasserzweckverband erst nach dem Sommer 2023 mit den Arbeiten beginnen. Im Frühjahr 2024 sollen die Arbeiten dann wieder unterbrochen werden. Erst nach dem Sommer 2024 stünde demnach der zweite und abschließende Bauabschnitt an. Im Frühjahr 2025 sollen die Arbeiten schließlich beendet sein.
Wie sieht’s mit den Kosten aus?
Unterirdische Arbeiten sind kostenintensiv. Eine Kostenschätzung auf Grundlage des Preisniveaus aus dem Frühjahr/Sommer 2022 kommt auf insgesamt rund 4,4 Millionen Euro. Darin ist bereits ein "Konjunkturzuschlag" für die Ausführungsjahre 2024 und 2025 von 30 Prozent enthalten. Die angestrebte Bezuschussung liegt derzeit bei 43 bis 45 Prozent. Etwa die Hälfte der verbleibenden Summe muss von der Stadt Nagold bezahlt werden, der Rest kommt von den anderen Zweckverbandsgemeinden.
Was verbessert sich durch den Neubau?
Die Berechnungen gehen davon aus, dass mit der Inbetriebnahme des Dükers zur Querung der Nagold jährlich etwa 180 000 Kilowattstunden an Strom eingespart werden können, was etwa 42 000 Euro pro Jahr entspricht. Dadurch können zudem 72 Tonnen CO2 eingespart werden. Das sind laut Abwasserzweckverband 18 000 Liter Diesel pro Jahr. Die Dükerleitung soll mit etwa 30 Prozent Reserve ausgelegt werden.
Welche Auswirkungen hat die Baustelle auf den Kleb-Spielplatz?
Teile des Spielplatzes müssen wegen der Bauarbeiten zurückgebaut werden. So steht der Spielturm zum Beispiel direkt über einem Anschlussschacht. Peter Haselmaier erläuterte allerdings, dass der Turm und die Rutsche, die zur Landesgartenschau vor zehn Jahren gebaut wurden, eh nach dieser Zeit hätten erneuert werden müssen.