Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Nagold/Tübingen Horror-Unfall: "Prozess für Familie sehr wichtig"

Von
Am Unfallort brennen jede Nacht Kerzen zur Erinnerung. Foto: Buckenmaier

Nagold/Tübingen - Es war der Bruchteil einer Sekunde, der über ihr Leben entschied: Ein junges Paar, 25 und 22 Jahre alt, war mit der zweijährigen Tochter, dem gerade sechs Wochen alten Sohn und der 17-jährigen Schwester der Fahrerin am 11. August 2017 auf der Straße zwischen Nagold und Mötzingen unterwegs, als ein Müllwagen, vom Nagolder Industriegebiet Wolfsberg kommend, auf die Gegenfahrbahn des viel befahrenen Autobahnzubringers L  1361 einbog. Dann nahm das Schicksal seinen Lauf: Weil der Müllwagenfahrer nach Meinung der Staatsanwaltschaft zu schnell in die Vorfahrtsstraße einbog, fiel sein 26 Tonnen schweres Fahrzeug um und begrub das Auto mit den fünf jungen Menschen unter sich.

Als die Nagolder Feuerwehr über die Leitstelle informiert wurde, war von zwei eingeklemmten Personen die Rede. Aber erst, als das umgekippte Müllauto wieder von einem Kran aufgerichtet worden war, wurde die ganze Tragödie dieses Unfalls mit einem auf Kniehöhe zusammengepressten Auto sichtbar. Den Rettern bot sich ein Bild des Grauens, der hinzugezogene Notarzt konnte nur den Tod sämtlicher Fahrzeuginsassen feststellen.

Anfangs war von einem technischen Defekt am Müllfahrzeug die Rede, aber nach drei Monaten Ungewissheit brachte ein Unfallgutachten die Verteidigungsstrategie des Fahrers ins Wanken. Für die ermittelnde Staatsanwaltschaft stand damit ein Fehlverhalten des 54-Jährigen außer Frage. Sie erhob Anklage wegen fahrlässiger Tötung, die mit bis zu fünf Jahren Haft geahndet werden kann.

Hohe Sicherheitsvorkehrungen im Gericht

Drei Tage lang wird sich die Zweite Große Strafkammer mit dem Fall beschäftigen, wobei hohe Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. Besucher müssen sich vor Betreten des Schwurgerichtsaals einer Leibesvisitation unterziehen und dürfen weder Handys, Laptops, Kameras noch Bücher oder Zeitschriften mitbringen. Das Recht der Verfahrensbeteiligten, insbesondere auch des Angeklagten, auf Schutz der Persönlichkeit und Achtung des Privatlebens will der Vorsitzende Richter mit einer eigens für diesen Prozess erlassenen sitzungspolizeilichen Verfügung gewahrt wissen.

Nach Angaben seines Verteidigers Thomas Weiskirchner ist der 54-jährige Angeklagte bereit, Angaben zur Person und zur Sache machen. Der Fahrer hatte durch den Unfall einen schweren Schock erlitten.

Als Zeugen gehört werden neben Polizeibeamten auch der Arbeitgeber des Angeklagten sowie der Beifahrer im Müllwagen. Außerdem werden voraussichtlich zwei Gutachter zur Unfallursache befragt. Vier Familienangehörige der Getöteten werden im Prozess nach Angaben des Landgerichts als Nebenkläger auftreten.

"Der Prozess ist für die Familien sehr wichtig", sagte der Seelsorger Johannes Bräuchle, der die beiden Zirkus- und Schaustellerfamilien nach dem Unfall begleitet und die Trauerfeier gestaltet hat. Nach dem Unfall habe große Wut auf den Fahrer des Müllfahrzeugs geherrscht. Solche Emotionen könnten mit der juristischen Aufarbeitung zur Ruhe kommen.

"Es ändert aber an der Schrecklichkeit der Ereignisse nichts", fügte der Seelsorger hinzu. Die Familien trauerten immer noch, die Gräber der Toten würden täglich besucht. Jede Nacht brennen am Unfallort Kerzen zur Erinnerung.

Bräuchle beobachte aber auch, wie die Familien mit der Last umzugehen lernen. Die Zirkusleute könnten derzeit nicht auftreten, weil sie psychisch nicht dazu in der Lage seien. Noch zehrten sie von einer Spendenaktion, die unmittelbar nach dem Unfall laut Bräuchle "einen sehr guten Betrag" erbracht habe. Das Urteil wird für Mitte März erwartet.

Ihre Redaktion vor Ort Nagold

Flirts & Singles

 
 

Angebot der Woche

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.