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Nagold Traum: Ohne Umsteigen bis nach Stuttgart

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Direktanschluss ans S-Bahnnetz? Rainer Prewo und Ulrich Mansfeld halten es für möglich – und finanzierbar. Foto: Buckenmaier

Nagold - Es ist eine unendliche Geschichte. Seit Jahrzehnten wird in Nagold über eine direkte Schienenanbindung an Stuttgart diskutiert – bislang ohne Ergebnis. Jetzt ziehen zwei Senioren der Nagolder Politik einen "alten Hut" aus der Versenkung – kann das den Durchbruch bringen?

Man könnte es den Königsweg nennen, die direkte, die schnellste, sozusagen "die logische" Bahnverbindung von Nagold nach Stuttgart. Nicht zufällig nennen Rainer Prewo und Ulrich Mansfeld ihren Vorschlag denn auch "die Variante A". Zwar ist der Plan alt, uralt sozusagen, und schon vor neun Jahren wegen zu hoher Kosten beerdigt worden. Doch die Zeiten haben sich geändert. Was damals unmöglich war, scheint jetzt durchaus machbar, meinen die beiden Senioren.

Alter Traum der Nagolder

Ex-SPD-OB Prewo und das ehemalige FDP-Gemeinderatsmitglied Mansfeld setzen sich für die direkte Bahnverbindung von Nagold nach Herrenberg ein. Oder anders gesagt: für die Verlängerung der S-Bahn S1 nach Nagold. Im Klartext also: ohne Umsteigen von Stuttgart nach Nagold, ausschließlich auf der Schiene, ohne lästiges Warten auf den Bus in Herrenberg – der alte Traum der Nagolder also. In einem internen Papier, das unserer Zeitung vorliegt, heißt es dazu: "Die ökologisch und ökonomisch wirksamste Lösung ist die Direktverbindung Herrenberg-Nagold, vorzugsweise über Jettingen."

Und damit es auch vorangeht, will Prewo den Vorschlag demnächst in den Kreistag einbringen. "Der Kreistag hat über den öffentlichen Nachverkehr zu entscheiden", so Prewo. "Nach den Ferien kann darüber beraten werden." Die Tatsache, dass der amtierende OB Jürgen Großmann bisher eine andere Lösung favorisiert, empfindet Prewo dabei nicht als Hindernis.

"Das sind ganz neue Horizonte"

Der Grund, dass die beiden Herren den alten Vorschlag wieder aktivieren, ist ein Geldsegen, der erst vor wenigen Wochen in Berlin beschlossen wurde. Angesichts der Klimapolitik und zunehmender Verkehrsprobleme auf den Straßen der großen Ballungsgebiete hat die Bundesregierung eine massive, eine geradezu gewaltige Erhöhung der Förderung für den Schienen-Nahverkehr auf den Weg gebracht: Von bisher 332 Millionen Euro pro Jahr sollen die Zuwendungen für das laufende Jahr bereits auf 665 Millionen Euro steigen, im nächsten Jahr auf eine Milliarde Euro und bis 2025 gar auf zwei Milliarden Euro. "Das ist in fünf Jahren eine Versechsfachung der Zuwendungen für kommunale Schienenprojekte", schwärmen Mansfeld und Prewo.

Zudem würden die Mittel der Länder erhöht, was zwar noch nicht beziffert sei, "doch gleichfalls voluminös ausfallen" dürfte, heißt es in dem Papier. Auch die Förderquoten würden steigen. "Das sind ganz neue Horizonte", so Prewo.

Auf diesen gewaltigen Geldsegen, so das Fazit der beiden, dürfe es nur eine Reaktion der Kommunen geben: Zugreifen. "Gemacht wird nur, was die Kommunen wollen, der Bund antwortet auf ihre Initiativen," heißt es in dem Papier. "Sind die gut begründet, können sie großzügig gefördert werden." Und gleichsam als Warnung fügen Mansfeld und Prewo hinzu: "Kommunen, die passiv bleiben, schickt der Bund kein Geld und drängt sie nicht."

Allerdings: Noch können die beiden die Kosten für den Bau der gut zwölf Kilometer langen Verbindung Nagold-Herrenberg nicht beziffern. Vor rund zehn Jahren, als die Lösung seinerzeit diskutiert und zu den Akten gelegt wurde, beliefen sich die Schätzungen auf rund 170 Millionen Euro, so Mansfeld. "Das dürfte heute wesentlich höher liegen", meint er, "vermutlich etwa doppelt so hoch, mindestens wohl 300 Millionen."

Bis zu 300 Millionen Euro

Der Grund, dass jetzt wieder die "Variante A" auf den Tisch kommt, liege aber nicht ausschließlich am versprochenen Geldsegen. Die "Variante B", wie Prewo und Mansfeld das seit einigen Jahren diskutierte und von der Stadt Nagold favorisierte Projekt "Metropolexpress" nennen, habe deutliche Nachteile: Die geplante Strecke über Hochdorf, Eutingen und Bondorf nach Herrenberg wäre deutlich länger als die "Variante A". Es würde praktisch bedeuten, dass "man im Kreis fahren muss", wenn man von Nagold nach Herrenberg wolle. Das könne nicht im Interesse der Bahnfahrer sein, "Akzeptanz sei bei den Nutzern sehr fraglich", heißt es denn in dem Papier. Das Projekt Metropolexpress stehe "in seiner verkehrspolitischen und ökologischen Effizienz auf sehr dünnem Boden".

Und auch die vermeintlichen, von der Stadt angepeilten "Kompensationsgelder" bei einer Zustimmung zum geplanten und höchst umstrittenen militärischen Absetzgelände bei Haiterbach würden zunehmend fragwürdig. Angesichts des massiven Widerstands der Bürger in und um Haiterbach, der Krise bei der Eliteeinheit KSK und dem geplanten Abzug tausender US-Soldaten werde es immer unwahrscheinlicher, dass das Absetzgelände jemals verwirklicht werde, so die Einschätzung der beiden Politik-Senioren. Und ohne Absetzgelände gebe es eben auch keine Kompensationsgelder.

Zudem habe auch der Landkreis Böblingen "großes Interesse" an der Verlängerung der S-Bahn S1 von Herrenberg nach Nagold, allein schon wegen der damit verbundenen besseren Anbindung von Jettingen und Mötzingen. Auch für die Anschlussregionen wie etwa Altensteig würde die Direktverbindung nach Herrenberg Vorteile bringen, ganz im Sinne einer "Stärkung des ländlichen Raums".

"Wir glauben, dass die Weichen für die Direktverbindung jetzt sehr viel günstiger stehen als vor zehn Jahren", so das Credo von Mansfeld und Prewo. Angesichts des wirtschaftlichen Dynamik Nagolds, der Erschließung neuer Wohngebiete und die damit verbundene Zunahme der Einwohner habe eine schnelle, reibungslose und direkte Schienenanbindung in den Raum Stuttgart ohne lästiges Umsteigen Priorität. Ziel sei es dabei aber nicht, das Projekt "Metropolexpress einfach zu stoppen", so der ehemalige Oberbürgermeister diplomatisch. "Wir wollen, dass beide Projekte geprüft und unter gleichen Bedingungen und Voraussetzungen verglichen werden."

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