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Nagold Tiefsinniger Humor und feine Satire

Von
Theologisch gebildeter Kabarettist in Nagold: Stefan WaghubingerFoto: Fritsch Foto: Schwarzwälder Bote

Im Hof der Alten Seminarturnhalle hat am Samstag mit Stefan Waghubinger das August-Liveprogramm begonnen. Der österreichische Kabarettist glänzte mit tiefsinnigem Humor und feiner Satire.

Nagold. Nein, es waren gewiss keine Schenkelklopfer, die der Waghubinger Stefan da präsentierte, es war eher tiefsinniger Humor, feine Satire. Ganz fein. Ganz fein auch die rote Linie, die sich durch das Programm zog: Ein Mann, der dabei ist, sich von seiner Ehefrau zu trennen, womöglich wieder bald ins Haus seiner Eltern zieht und jetzt auf dem Dachboden des Elternhauses, dem Lieblingsort seiner Kindheit, über das Leben nachdenkt. "Ich will nicht schlecht über meine Frau sprechen – aber wer sonst?"

Der Waghubinger Stefan ist gebürtig aus Österreich, wo man Vor- und Nachname bekanntlich tauscht. Der Kerberger Peter, so beginnt die Erinnerung an einen etwas rundlichen Mitschüler, über den man sich immer lustig gemacht hat: "Guat schaust aus!" Man hat sich über Minderheiten gerne lustig gemacht, die es heute gar nicht mehr gebe. "Also dicke Kinder gibt es immer noch, aber nicht als Minderheit."

Zum Thema Himmel fällt ihm immer etwas ein

Des einen Freud, des anderen Leid. Dem Waghubinger Stefan ist es ordentlich warm geworden auf seiner mit typischen Dachbodenutensilien dekorierten Bühne, die er kurz verlassen musste, um sich sein Mikrofon neu befestigen zu lassen. Die Gäste haben freilich einen sehr lauen Sommerabend im Hof der Alten Seminarturnhalle genossen.

Das Soloprogramm des Österreichers war der erste von neun Events in der Reihe "Nagold Alive", die der Förderverein Alte Seminarturnhalle und das Nagolder Teufelwerk für den August auf die Beine gestellt haben. Die Tische, alle gut besetzt, standen coronasicher weit auseinander, es gab kühle Getränke und es wurde sogar, unter freiem Himmel, geraucht.

Ach ja, die Raucher. Anlass für den Künstler, tiefsinnig zu werden. Es gebe Menschen, die die Realität verleugnen und es gebe Menschen, die sich der Realität verweigern. Wenn sie rauchen, sind sie Realitätsleugner, erreichen sie dennoch das Alter von 100 Jahren, sind sie Realitätsverweigerer.

Ach ja, der Himmel. Einem studierten Theologen, das ist, jetzt eingedeutscht, Stefan Waghubinger, tatsächlich, weswegen ihm zum Thema "Himmel" immer etwas einfällt. Wenn er also im Garten liegt, wo er viel aufgebaut habe, hauptsächlich Liegestuhl und Sonnenschirm, und in den Himmel schaut, sieht er Sterne, die Millionen von Lichtjahren entfernt sind. Das müsse man sich vorstellen: Der Lichtstrahl, der dort vor Millionen von Jahren ausging, als von den Menschen auf der Erde noch keine Spur war, dieser Lichtstrahl, der jetzt gleich sein Auge trifft, wird schlagartig – zack! – von seinem Sonnenschirm aufgehalten. Doch, er macht schon mal was selber, bekennt der Kabarettist. Während Corona mit einem Übermaß an Zeit ausgestattet, hat er aus dem Hamsterkäfig seines Sohnes eine Weihnachtskrippe gemacht, sozusagen den Hamsterkäfig der Heiligen Familie gewidmet. "Ich habe sogar einen Ochsen geschnitzt. Meine Frau sagt, er sehe aus wie der Heilige Josef."

Der Titel von Waghubingers aktuellem Programm lautet "Jetzt hätten die guten Tage kommen können". "Ich weiß vorher schon, was passiert, richtig unheimlich – und dann kommt es doch anders", sagt der Kabarettist, der auch Cartoonist und Kinderbuchautor ist, zu Beginn des Auftritts. Es kamen schlechte Tage für Künstler. Seinen Angaben nach ist der Auftritt in Nagold der erste seit vier Monaten. 55 Events seien ausgefallen. Dafür forderte das Nagolder Publikum nach 90 Minuten eine Zugabe. Und bekam sie.

Und bekam doch noch einen Schenkelklopfer! Der Theologe Waghubinger erinnert sich an seine Kindheit, in der man, wie bei guten Katholiken üblich, zweimal im Jahr zur Beichte musste. Tagelang vorher hätten sie sich überlegt, was anzustellen wäre, das man würde beichten können. Zum Glück hatte der Pfarrer eine Liste. Da sei manch eine gute Idee darauf gewesen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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