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Nagold Thema Nachtabschaltung vertagt

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Die Räte diskutieren darüber, ob es in Nagold weiterhin eine Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung geben wird. Foto: Fritsch Foto: Schwarzwälder Bote

Bekanntlich möchte die CDU-Fraktion im Nagolder Gemeinderat gerne – so schnell wie möglich – die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung kippen. Doch ganz so einfach ist der Entscheid darüber gar nicht, wie sich jetzt im Technischen Ausschuss (TA) zeigen sollte.

Nagold. Denn begründet wird der entsprechende Antrag der CDU unter anderem damit, dass man mit der (laufenden) Umrüstung der Nagolder Straßenlaternen auf LED-Leuchtmittel so viel Energie und damit auch Kosten einsparen würde, dass man sich die durchgehende Beleuchtung der Stadt in allen Bereichen – nicht nur in der Kernstadt und den Gewerbegebieten wie aktuell – durchaus leisten könne. Problem dabei: Wie viel die Stadt tatsächlich durch den Einsatz der neuen Technik an Energiekosten effektiv spart, ist noch gar nicht wirklich bekannt.

66 Prozent der Nagolder Straßenlampen sind auf neue Technik umgestellt

Wie Peter Haselmaier, im Hoch- und Tiefbauamt der Stadt Nagold unter anderem für die Straßenbeleuchtung zuständig, erläuterte, ist man noch voll dabei, die Straßenbeleuchtung auf die energiesparenden LED-Lampen umzurüsten. Aktuell wurde mit den zwei großen Umrüst-Aktionen im Frühjahr 2018 und im Herbst 2018 der Bestand zu etwa 66 Prozent auf LEDs umgestellt – womit allerdings die Stromrechnung für 2018 nicht repräsentativ für den künftigen, tatsächlichen Energieverbrauch der Nagolder Straßenbeleuchtung ist.

Erst bis Ende dieses Jahres sind die abschließenden Umrüstungs-Maßnahmen der Nagolder Straßenlaternen vorgesehen, mit denen man den Bestand auf dann 83 Prozent LEDs ausgebaut haben möchte. Das bedeutet allerdings, dass man erst im Frühjahr 2021 das erste Mal belastbare Stromverbrauchszahlen für die "neue" Straßenbeleuchtung vorlegen könne – wenn man das gesamte Jahr 2020 als einheitlichen Abrechnungszeitraum überblicken kann. Ergo, so der Schluss der Stadtverwaltung, sollte man auch erst zu diesem Zeitpunkt eine abschließende Entscheidung über die Nachtabschaltung treffen.

Allerdings gab Haselmaier den Räten schon jetzt zu bedenken, dass ein Verzicht auf die Nachtabschaltung – egal wie hoch die bis dahin realisierten Kosteneinsparungen für die Stadt auch ausfielen – auf jeden Fall eine Erhöhung des CO2-Ausstoßes bedeuten würde, wobei Haselmeier eine Modellrechnung aufmachte, nach der man mit einem Mehrausstoß von CO2 in Höhe von rund 158 Tonnen pro Jahr rechnen müsste. Aus Sicht der Verwaltung eine unnötige Mehrbelastung der Atmosphäre, die der Klimaschutzkonzeption der Stadt widersprechen würde und daher grundsätzlich abzulehnen sei – zumal es in den vergangenen Jahren so gut wie keine Beschwerden bei der Verwaltung gab, weil die Straßenbeleuchtung nachts nicht durchgehend gebrannt habe.

Auch die Kriminalstatistik für Nagold weise seit Beginn der Nachtabschaltung im Jahr 2009 keine Zusammenhänge mit zum Beispiel besonders vielen Einbrüchen in den Nachtstunden auf – ganz zu schweigen von den "sonstigen negativen Auswirkungen der Lichtverschmutzung in den Nachtstunden auf das gesamte Ökosystem" – gemeint sind Störfaktoren für den biologischen Rhythmus von Menschen, Tieren und Pflanzen. Und schließlich gebe es mittlerweile "vielversprechende Möglichkeiten im Rahmen von sogenannten smart city-Anwendungen", mittels intelligenten Lichtsteuersystemen energieeffiziente und bedarfsgerechte Dimmprofile für die Straßenbeleuchtung zu nutzen.

Stadtrat Daniel Steinrode (SPD) – gleichzeitig Ortsvorsteher in Vollmaringen – wies in seinem Statement zum Thema darauf hin, dass er und seine Ortschaftsräte "die Unzufriedenheit der Bürger über die Nachtabschaltung" schon mitkriegen würden. Wobei es primär nicht um echte Kriminalität gehe, sondern "um das Sicherheitsempfinden" der Menschen. Ähnlich sah es Helmut Raaf (CDU), für den dieses Sicherheitsempfinden "ein sehr hohes Gut" sei – weshalb er diesen Aspekt in der Diskussion "an erste Stelle" gesetzt sehen möchte.

"Die Energieeinsparung ist hier eigentlich nicht entscheidend"

Dem gegenüber plädierte Bärbel Reichert-Fehrenbach (FDP) dafür, das Thema tatsächlich auf den Zeitpunkt zu vertagen, wenn für eine Diskussion auch echte belastbare Verbrauchs- und Kostendaten vorliegen würden. Allerdings halte sie den Aspekt der Lichtverschmutzung und was diese mit den Menschen mache, für den ausschlaggebenderen Faktor. Was Thomas Ebinger unterstützte: "Die Energieeinsparung ist hier eigentlich nicht entscheidend", so seine Stellungnahme – "sondern der Biorhythmus der Menschen".

Oberbürgermeister Jürgen Großmann kam letztlich zu dem Schluss, dass aus seiner Sicht die "Mehrheitsverhältnisse mehrheitlich undurchsichtig" seien. Weshalb er noch einmal nachhaltig dafür plädierte, die Diskussion bis zum Jahr 2021 auszusetzen – dem der TA in seinem Beschluss dann auch letztlich einstimmig folgte.

(ahk). Derzeit betrifft die Nachtabschaltung (0 bis 4 Uhr) rund 72 Prozent der insgesamt 5400 Nagolder Lichtpunkte. 28 Prozent der Lichtpunkte (Innenstadt, Gewerbegebiete, einzelne Leuchten an neuralgischen Punkten) brennen heute bereits die ganze Nacht durch.

Im Durchschnitt brennt die Straßenbeleuchtung in Nagold im Schnitt 8,2 Stunden pro Tag . Würde die Nachtabschaltung komplett ausgesetzt werden, erhöht sich die Brenndauer von 8,2 auf 11,4 Stunden pro Tag. Dies entspricht einer Erhöhung der Brenndauer um 3,2 Stunden pro Tag. Dies würde eine Erhöhung um 39 Prozent der Brenndauer und auch des Energieverbrauchs bedeuten.

Der Stromverbrauch bei der Straßenbeleuchtung lag im Jahr 2018 bei rund 760 000 Kilowattstunden, die Stromkosten dafür bei 160 000 Euro. Eine Erhöhung um 39 Prozent würde einen Strommehrverbrauch von rund 300 000 Kilowattstunden ergeben, entsprechend Mehrausgaben in Höhe von 63 000 Euro.

Seit 2010 ist der Stromverbrauch bei der Straßenbeleuchtung von 1,05 Millionen Kilowattstunden pro Jahr um 290 000 Kilowattstunden auf 760 000 Kilowattstunden im Jahr 2018 gesunken. Die CO2-Äquivalenz beträgt für das Jahr 2018 bei einem Jahresstromverbrauch von 760 000 Kilowattstunden etwa 400,5 Tonnen CO2 pro Jahr. Falls die Nachtabschaltung ausgesetzt würde, würde das bei einem dann zu Grunde liegenden Stromverbrauch von 1,06 Millionen Kilowattstunden 558,6 Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr bedeuten. Dies entspräche einem Mehrausstoß von CO2 von rund 158 Tonnen pro Jahr.

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