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Nagold Streit um Shisha-Bar am Busbahnhof

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Am Nagolder Busbahnhof soll eine Shisha-Bar ihr Domizil finden. Foto: Meinert

Nagold - 17 Jahre lang war das Jugendlokal "Multikulti" manchem Anwohner am Busbahnhof ein Dorn im Auge. Jetzt soll dort eine Shisha-Bar ihr Domizil finden – doch es gibt Widerstand.

Ein halbes Dutzend Anwohner um den Busbahnhof protestieren gegen Pläne, nach denen in die früheren Räume des "Multikulti" eine Shisha-Bar einzieht. Sie befürchten massive Lärmbelästigung und mehr. Allerdings: Jonathan Gecsoy, Betreiber der geplanten Shisha-Bar, widerspricht energisch: Es wird keinen Lärm geben. Und Hauseigentümer Dimosthenis Kafes meint, der Protest sei "doch einfach lächerlich."

Insgesamt sechs Anwohner rund um den Nagolder Busbahnhof haben bereits "Brandbriefe" an die Stadt geschrieben. Es geht die Furcht um, dass die mutmaßlich zumeist jungen Gäste der "Wasserpfeifen-Bar" bis tief in die Nacht vor dem Lokal stehen, rauchen und heftigen Lärm schlagen. Dazu käme der Krach durch an- und abfahrende Autos sowie übelriechende Abluft aus dem Lokal, etwa durch Rauch von Wasserpfeifen.

Die Anwohner fühlen sich an die Zeiten des einstigen Jugendtreffs Multikulti erinnert. "Das war eine Katastrophe", meint Anwohnerin Andrea Rauser recht drastisch: "Es gab Krach, Gebrüll, Gekotze." Jürgen Hering, der allerdings schon etwas weiter weg wohnt, in der Freudenstädter Straße 2, meint: "Seitdem das Multikulti weg ist, herrscht hier Ruhe. Das ist wunderbar." Das Ziel der Protest-Briefe ist klar: Hier soll keine Shisha-Bar einziehen.

Anfang Juli hatte die Stadt offiziell über die Pläne informiert, in einem Schreiben an Silke Benz (Metzgerei Widenmaier) ist offiziell von einem "Bistro in Shisha-Bar und Tabakladen" die Rede. Unter Verweis auf die Landesbauordnung heißt es, die Pläne könnten im Bauamt eingesehen werden, die Einspruchsfrist betrage vier Wochen.

"Die Shisha-Bar wird eine ganz ruhige Sache"

Tatsächlich haben gleich mehrere Parteien geantwortet. Nobert Klemm von der gleichnamigen Hausverwaltung meint etwa unter Verweis auf Eigentümer und Klienten, die in sein nahegelegenes Büro kämen: "Es wäre mehr als ungut und unseriös, wenn die Eigentümer an einer Shisha-Bar oder eher Kneipe vorbeilaufen müssten." Zudem sei mit "übergebührlicher Lautstärke" zu rechnen und "Erhöhung der Belästigung durch betrunkene Gäste". Silke Benz meint: "Dass es sich um ein Mischgebiet handelt, akzeptieren wir, das war schon immer so, aber nicht diese Belästigung." Ein "gewisser, vernünftiger Geräuschpegel muss ja wohl eingehalten werden".

Dimosthenis Kafes, der Eigentümer und Vermieter der Räumlichkeiten, sieht das freilich etwas anders. "Es wird ruhiger sein, die Shisha-Bar wird eine ganz ruhige Sache", beteuert er. Ganz anders als etwa das Multikulti. Aber Kafes meint auch, das Gebiet um den ZOB sei nun mal ein sehr lebendiges Viertel, wo es auch mal etwas lauter werden kann. "Menschenskind", meint Kafes etwas genervt, "was wollen die? Das ist schließlich der Busbahnhof!"

Tatsächlich: Die fragliche Gegend war nie eines der besten Viertel der Stadt – Bahnhöfe und ähnliche Orte sind auch in anderen Städten keine Top Location. Solcherart Orte sind meist laut, nicht immer pieksauber und nicht immer trifft sich hier die beste Gesellschaft. "Das ist lächerlich, was da läuft", kommentiert Eigentümer Kafes die Beschwerden etwas salopp.

Die Stadt Nagold hält sich zunächst vorsichtig zurück, die offizielle Reaktion ist eher schmallippig. Tenor: Noch ist nichts entschieden. Es handele sich um ein laufendes Genehmigungsverfahren, heißt es im Rathaus. Mit Blick auf die seit gut einem Monat vorliegenden Beschwerden meint die Stadt: "Einwendungsschreiben liegen dem Bauamt vor. Diese Einwendungen werden von den zuständigen Mitarbeitern rechtlich bewertet und fließen in die Entscheidung ein." Noch lägen nicht alle Unterlagen vor. Erst wenn dies der Fall ist, könne man entscheiden – und die Beschwerdeführer unterrichten.

Allerdings, stellt die Stadt auf Anfrage klar, dass es sich nicht um ein so genanntes "Mischgebiet" handelt, in dem also Wohnen und Gewerbe einträglich nebeneinander existieren sollen – sondern vielmehr um ein "Kerngebiet". Zur Klarstellung liefert das Rathaus die juristische Definition von "Kerngebiet" gleich mit: "Kerngebiete dienen vorwiegend der Unterbringung von Handelsbetrieben sowie der zentralen Einrichtungen der Wirtschaft, der Verwaltung und der Kultur." Zulässig seien unter anderem "Schank- und Speisewirtschaften, Betriebe des Beherbergungsgewerbes und Vergnügungsstätten". Allerdings ist in der Paragraphen-Passage auch von "sonstigen nicht wesentlich störenden Gewerbebetrieben" die Rede. Oberbürgermeister Jürgen Großmann definierte das Kerngebiet mündlich einmal so: "Hier pulsiert das Leben."

"Es geht um kulturellen Austausch"

Jonathan Gecsoy, Betreiber der geplanten Lokalität, ist 25 Jahre alt, studiert nach eigenen Worten Betriebswirtschaft in Nürtingen. Er sagt, Erfahrung mit der Selbstständigkeit habe er bereits andernorts gesammelt. In den Räumlichkeiten wird bereits kräftig renoviert, auch die Außenfront wird auf Vordermann gebracht. "Es soll sich um ein Lokal der gehobenen Klasse handeln – was Service, Komfort und Einrichtung angeht, inklusive modernster Lüftung", verspricht der junge Mann selbstbewusst. Die diversen rechtlichen Vorschriften seien ihm voll und ganz bewusst – "Wir werden diese einhalten oder gar übertreffen". Belästigung durch Abluft werde es nicht geben, Belästigung durch Lärm werde er nicht dulden.

Gecsoy hat ein konkretes Ziel: "Für mich als gebürtiger Nagolder ist es nach dem Abschied des Multikulti ein großes Anliegen, ein Highlight in Nagold zu setzen." In seinem Lokal sollten alle Gruppen und Altersstufen aufeinandertreffen. "Es geht um kulturellen Austausch". Zwar ist noch einiges zu renovieren, doch Gecsoy ist zuversichtlich: Eröffnung ist Ende September oder Anfang Oktober.

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