Dem Wald in der Region kommt auch eine wichtige Funktion als Erholungsraum zu. Foto: Fritsch

Dürre, Käfer und Stürmen machen Forst zu schaffen. Flächenbedarf für Wohn- und Gewerbebau.

Nagold - Die Zukunft im Forst der Stadt Nagold – das ist ein ziemlich komplexes Thema. Mit dem sich der Gemeinderat auf seiner jüngsten Sitzung nicht zum ersten Mal und vorraussichtlich auch nicht das letzte Mal bewusst und sehr ausführlich beschäftigt hat. Vorrangiges Thema dabei: Die Eigentümerzielsetzung für die neue "Forsteinrichtung".

Eigentümer des Nagolder Stadtwaldes sind – tatsächlich – die Bürger Nagolds, vertreten durch den Gemeinderat. Soweit der einfache Teil. Für die fachgerechte Entwicklung der Wälder der größeren Waldbesitzer in Baden-Württemberg durchlaufen diese alle zehn Jahre eine amtliche Inventur. Dies ist im Landeswaldgesetz (LWaldG) als "Planmäßige Bewirtschaftung des Waldes" gesetzlich vorgeschrieben.

Diese Betriebsinventur wird üblicherweise durch einen amtlich bestellten Unternehmer durchgeführt, der beispielsweise dafür im Stadtwald Nagold rund 1000 sogenannte "Aufnahmepunkte" im Wald in einem exakten Raster von 100 mal 200 Metern detailliert analysiert. Erhoben werden auf diese Weise alle vertretenen Baumarten, Durchmesser der Bäume, realisierte Verjüngung, Aufkommen an Totholz, sichtbare Rückeschäden, Verbiss und Weiteres. Hierfür trägt die Stadt Nagold regelmäßig rund ein Drittel der Kosten (etwa 20 000 Euro). Die letzte Waldinventur dieser Art erfolgte jüngst bis Mitte dieses Jahres; es ist die mittlerweile dritte Bestandsaufnahme im Nagolder Wald nach diesem System.

Die eigentliche "Forsteinrichtung" basiert schließlich vollständig auf der Datenbasis dieser regelmäßigen Betriebsinventur. Darauf aufbauend besprechen die örtlichen Revierleiter mit dem amtlich bestellten staatlichen Forsteinrichter den Zustand und die weitere Behandlung der einzelnen Forstbestände. Aus den dabei ebenfalls einfließenden Begehungs- und den Stichprobenergebnissen wird dann das Forsteinrichtungswerk für die nächsten zehn Jahre erstellt – sprich der detaillierte Planungshorizont für die kommende Dekade festgelegt. Bevor dann auch noch die (immer notwendigen) Einzelbegänge erfolgen, erstellt die Untere Forstbehörde Calw einen Vorbericht, in den auch eine aktuelle Eigentümerzielsetzung einfließen muss.

"Wir müssen uns daran gewöhnen, dass unser Wald ein ständiges Sorgenkind sein wird"

Genau letztere – die Eigentümerzielsetzung – bildete im Gemeinderat Nagold das eigentliche Thema. In dieser Eigentümerzielsetzung definiert der Waldeigentümer – also die Stadt Nagold in Gestalt ihres Gemeinderats – was sie eigentlich in den nächsten Jahren bis 2031 mit den großen Waldflächen im Stadtgebiet aus Forstsicht erreichen möchte. Wobei sicher ein massives Umdenken erforderlich sein würde, so Oberbürgermeister Jürgen Großmann: "Wir müssen uns daran gewöhnen, dass unser Wald ein ständiges Sorgenkind sein wird." Heißt: Statt Ertrag und toller konstanter Zuführungen in bar aus den Erlösen des Holzverkaufs, werde man als Waldbesitzer ständig wachsende Investitionen in den Wald und seine Struktur zu leisten haben. "Das wird noch viel schlimmer werden", so der OB – und meint damit einerseits den grassierenden Preisverfall am Holzmarkt, andererseits die Herausforderungen durch den klimabedingten Waldumbau. Von dem heute noch niemand wisse, wie er optimalerweise zu erfolgen hat – wie Jörg Ziegler als Leiter der Unteren Forstbehörde der Landesforstverwaltung im Landratsamt Calw im Nagolder Gemeinderat zu diesem Thema berichtete.

Gleichwohl – für die Nagolder Stadträte waren die Probleme im Wald natürlich keine neue Erkenntnis, auch wenn durchaus unterschiedliche Bewältigungs-Strategien zu hören waren.

Thomas Ebinger (Grüne) etwa sah den Wald zwar grundsätzlich "am Scheideweg", aber hier in Nagold sei "die Lage noch beherrschbar". Er plädierte aber dafür, eine mögliche Waldumwandlung etwa mit Hilfe neuer Baumarten "noch mehr kritisch zu betrachten" und keine zusätzlichen Inanspruchnahmen des Waldes mit Blick auf den Klimawandel zu erlauben. Daniel Steinrode (SPD-Fraktionssprecher) sprach gar davon, mehr Anteile des Waldes aus der aktiven Bewirtschaftung heraus zu nehmen. Während Günther Schöttle (AfD) zwar die Veränderungen im Wald auch sieht, aber es für eine "Anmaßung" hält, hier durch Entscheidungen für die Zukunft wirklich passende Weichenstellungen vornehmen zu können. "Ich bin sicher, dass sich der Wald auch selbst anpassen würde." Statt Waldumbau oder Wald aus der Bewirtschaftung zu nehmen, plädiere er – "auch vor dem Hintergrund der CO-Bindung" – für eine "massive Aufforstung" der Nagolder Wälder.

Womit sich Schöttle aber nicht durchsetzen konnte: Bei zwei Gegenstimmen (der AfD) wurde die vorgestellte Eigentümerzielsetzung für die kommende Forsteinrichtung im Wald der Stadt Nagold verabschiedet. Die sieht vor, dass als primäres Ziel im ökonomischen Kontext die Sicherung des Waldvermögens mindestens in seiner bisherigen Qualität und Quantität das vorrangige Ziel darstellt. Dafür sollen zur Regelbewirtschaftung des Stadtwaldes der Erhalt der vorhandenen Erschließung mit Fahr- und Maschinenwegen, sowie Rückegassen aktiv gesichert werden. Auch beim Waldumbau werde die Tanne – in der aktiven Verjüngung – weiter den Schwerpunkt bilden. Hinzu kämen Douglasie und Laubbäume. Wobei man auf die Klimaveränderungen "fließend" und flexibel reagieren wolle. Weiten Raum nehme auch der Erhalt des Waldes als Freizeit- und Erholungsraum ein – wobei aber ausdrücklich keine Erweiterungen bestehender Freizeitangebote dort vorgesehen seien.

OB bittet bei den künftigen Diskussionen "keine Flächen absolut zu setzen"

Bemerkenswert auch noch das Schlusswort zum Thema von OB Großmann: Er erinnerte seine Gemeinderäte schon einmal daran, dass man im Gremium unter dem Stichwort "Waldumwandlung" künftig auch die Auswirkungen des (neuen) Regionalplans (des Regionalverbands Nordschwarzwald) für Nagold zu diskutieren haben werde. "Wir alle brauchen Flächen für die Landwirtschaft, für neuen Wohnraum, für Gewerbeansiedlungen." Doch "wo bekommt man diese Flächen am besten her?" Auch Großmann weiß: "Da gibt es keine einfachen Antworten." Aber er bat schon einmal darum, bei den künftigen Diskussionen "keine Flächen absolut zu setzen". Mit Blick auf den Tagesordnungspunkt, zu dem er das sagte, sollte das wohl (auch) heißen: Auch der Wald darf nicht grundsätzlich zu einem Tabu gemacht werden, sondern müsse immer auch im Kontext des gesamtgesellschaftlichen Flächenbedarfs betrachtet werden dürfen.

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