Helena Österle (rechts) vom Nagolder Tourismusamt brillierte - nicht nur sehr zum Vergnügen ihrer zwei Kinder - als spontanes Burgfräulein in der "Opera Fulminante" von Clown Timmy. Foto: Kunert Foto: Schwarzwälder-Bote

Premiere: 2. Nagolder Weihnachtscircus verzaubert sein Publikum mit Späßen und Akrobatik

Von Axel H. Kunert

Der 2. Große Nagolder Weihnachtscircus feiert seine Premiere. Und das Publikum ist sichtlich begeistert

Nagold. Die Lichter glitzern von überall her. Die Musik ist hier immer ein Tick lauter, damit die schnellen und dramatischen Rhythmen ihre ganze Wirkung entfalten können. Es riecht nach Popcorn, Zuckerwatte, gebrannten Mandeln. Und ganz viel Spannung. Dann heißt es endlich: Manege frei!

Nicht nur die vielen Kinder im Rund des großen Zeltes sind sichtlich aufgeregt. Sie lieben ihren Clown "Timmy" Barelli, der den bunten Reigen der Späße und Sensationen, der Akrobatik und Dressuren und der ganz romantischen Augenblicke an diesem Abend eröffnet. Zirkus ist Zauber. Zirkus ist Magie. Wenn man sich darauf einlässt.

In der Manage passiert das, was normalerweise nie passiert. Was anders ist. Was spektakulär ist. Ludvik Janicek zum Beispiel. Monsieur Ludvik, wie Conférencier "Sir John", der selbst nachher als Dompteur mit seinen vier Araber-Hengsten brillieren wird, den jungen Mann ankündigt. Ludvik ist der "Elastic-Man" aus Russland. Und sofort verbiegt er sich und seine Gliedmaßen dermaßen, dass man beim Zuschauen schnell den Überblick verliert, wo welches Bein von "Ludvik" denn nun hingehört. Einen silbernen Clown vom Circus-Festival in Monaco gab es dafür. Und was die Fürsten von Grimaldi fasziniert, lässt auch die Nagolder staunen. Dieser Mensch kann einfach keine Knochen haben.

Oder die Zauber-Show von Jarda Ross. Aus der Glitzerwelt von Las Vegas kamen sie direkt nach Nagold. Und bringen den Glamour dieses herrlich dekadenten Spieler-Paradieses mit in den Nordschwarzwald. Die Darbietung lebt von temporeichen Groß-Illusionen. Mit glitzernden Schwertern werden Kästen durchbohrt, in denen eben noch die charmante Assistentin verschwand. Dann mit brennenden Stangen. Es zischt und knallt, man riecht förmlich die Gefahr. Alle Sinne sind schlicht überfordert von der Fülle der unwahrscheinlichen Eindrücke. So entgeht einem der eigentliche Trick, wie das alles geschehen kann. Aber das soll ja auch. Wer wollte sich der schönen Illusion an diesem Ort berauben?

Und immer wieder Clown "Timmy". Weit mehr als der Pausen-Clown, der die Umbau-Pausen zwischen den einzelnen Nummern mit Spannung und Spaß, mit Aktion und geradezu Unaussprechlichem füllt. Damit ja keine Langeweile aufkommt und die Sinne der vielen Zuschauer immer in diesem tollen Erregungszustand gehalten werden. "Kinder, macht das nie zuhause nach, was ich hier mache", sagt Timmy, als er voller Tolpatschigkeit einen Böller in seiner Hand zünden will. Die Münder der Kleinen gehen ein bisschen weiter auf als sowieso schon. "Hebt es euch für die Schule auf!" Ein schallendes, befreites Lachen geht durch die Runde.

Timmy holt sich drei arme Opfer aus dem Publikum

Und dann holt sich Timmy – unvermeidlich im Zirkus – drei arme Opfer aus dem Publikum in die Manage. Aber keine alberne Lächerlichkeit folgt. Clown Timmy studiert als Maestro mit dem Trio – darunter Helena Österle vom Nagolder Tourismusamt, die dieses Zirkus-Gastspiel mit organisiert hat – eine spontane "Opera Fulminate" ein. Ein klitzekleines Drama um Liebe und Verrat. Voll urkomischer Situationskomik. Auch für die unfreiwilligen Akteure in der Manage.

Und man staunt – einmal mehr. Diesmal über das verborgene Talent, das Timmy aus seinem drei Schauspielern mit kleinen und ganz großen Gesten herauszukitzeln vermag. Der Applaus ist ehrlich und laut. Von einem wieder sichtlich beeindrucktem Publikum.

Und zu Ende geht langsam ein herrlich unterhaltsamer Vorweihnachtsabend. Für den, der sich gerne auf diesen Zauber einlässt, ein großer Spaß. Ob Zirkus vernünftig ist. Ob es andere Zirkusse gibt, die noch mehr und größere Sensationen haben – das spielt hier keine Rolle. Das Niveau der Darbietungen ist herausragend. Die Leidenschaft und das Herzblut der Akteure in jeder Sekunde spürbar.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: