Die Tradition des Pfingstbutz in Emmingen besteht nachweislich seit 120 Jahren. Fotos: Priestersbach Foto: Schwarzwälder Bote

Brauch: Emmingen und Pfrondorf gehören zu den wenigen Orten, die die Tradition des "Pfingstbutz" pflegen

War das Pfingstbutzen einst in vielen Dörfern als Brauch zu Pfingsten üblich, so gehören Emmingen und Pfrondorf heute im Schwarzwald und weit darüber hinaus zu den wenigen Gemeinden, die dieses Brauchtum noch pflegen.

Nagold-Emmingen/-Pfrondorf. Mit dem Brauch des Pfingstbutz pflegen die beiden Nagolder Stadtteile Emmingen und Pfrondorf eine uralte Tradition. Alljährlich ziehen hier am Pfingstmontag noch die Pfingstbutzen durch den Ort. Der Butz ist historisch gesehen eine alte Symbolgestalt des Frühlings oder Sommers. Man kann ihn wegen seines grünen Kleides auch als Fruchtbarkeitsgeist deuten. Das heißt: Die Natur erblüht, gleichzeitig schlagen Bäume und Sträucher aus. Wälder und Wiesen erwachen aus ihrem Winterschlaf. Überall grünt es. Der Winter ist endgültig besiegt, er wurde ausgetrieben.

In Emmingen wird nachweislich seit 120 Jahre ein Pfingstbutz geschmückt. "Es ist definitiv in den Annalen überliefert, dass 1898 der erste Pfingstbutz im Ort gelaufen ist", weiß Ortsvorsteher Oskar Huber – und geht davon aus, dass der Brauch sogar wesentlich älter ist.

Zudem sei man froh, "dass diese Tradition weiterlebt und viele Jüngere sich daran beteiligen", so Huber, der 1964 selbst dabei war und noch in der Scheune übernachtet hatte, um das Laub zu bewachen.

In Emmingen sind es die Konfirmanden, die diesen Brauch immer wieder eindrucksvoll am Pfingstmontag dokumentieren. Bereits am Sonntagabend sammeln sie das zum Binden benötigte Buchenlaub, das von den Pfingstbutzlern streng bewacht wird.

Am Pfingstmontagmorgen wurde dann unter der Regie von Volker Martini ein kräftiger Junge als Pfingstbutz auserwählt und in der Scheune von Rainer Zeh mit dem gesammelten Buchenlaub bis über den Kopf eingebunden. Den Kopf des Butzen ziert dabei eine etwa 30 Zentimeter hohe Tannenkrone auf der einige Papierrosen befestigt werden.

Beim Umzug selbst hatte das Gefolge Ratschen dabei, um die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf sich und den Pfingstbutz zu lenken. In diesem Jahr fiel die Wahl des Emminger Pfingstbutz auf Lars Grimm.

In Pfrondorf sammeln die Konfirmanden am Pfingstsonntag frischen Feldahorn, das sogenannte Pfingstbutzlaub – und kommen dann am Pfingstmontag im Schuppen des Vereins für schwäbische Kultur und Landschaftspflege zusammen. Die Zweige wurden unter der Regie von Ulrich Bihler entsprechend zugeschnitten und danach wurde der ausgewählte Jugendliche als Pfingstbutz eingebunden. In diesem Jahr war es bereits zum sechsten Mal Dominik Ponath, der unter Hut und Rindenmaske schlüpfte. Wie Ortsvorsteherin Stefanie Renz am Rande des Geschehens anmerkte, gebe es den Pfingstbutz in Pfrondorf sicher schon seit nahezu 150 Jahren. Anschließend zog der Butz mit seinem Gefolge durch sämtliche Straßen des Ortes und rief: "Eier ond Geld raus, oder i schmeiß Euch d`r Sabel zomm Härhaus naus, zehn Pfenneng send m`r liaber als faif".