Uli Braun (rechts) und Julian Schäfer wählten sich eine Forschungsaufgabe aus dem Schul-Alltag: Schwämme. Foto: Fritsch

"Jugend forscht" in Nagold: Fünftklässler Uli Braun und Julian Schäfer sind das erste Mal dabei.

Nagold - Für ihre Mitschüler ist es ein alter Schwamm, ein poröser Schulschwamm eben, um die Tafel zu wischen oder eine Schwammschlacht anzuzetteln – zu mehr aber taugt das Putz-Utensil nicht. Zwei Nagolder Schüler sehen das freilich ganz anders. Für Uli Braun und Julian Schäfer ist der Schwamm das Objekt ihrer Forscher-Begierde.

Irgendwie sind die beiden Elfjährigen auf den Schwamm gekommen. "Wir hatten so oft Tafeldienst", erzählt Uli Braun. Und Mitstreiter Julian Schäfer berichtet von einem Phänomen, das die beiden Fünftklässler des Otto-Hahn-Gymnasiums beobachten konnten: "Gebrauchte Schwämme werden rot." Das war die Geburt eines Forschungsprojekts.

"Jugend forscht" ist seit gestern wieder in der Nagolder Stadthalle zu Gast. Uli und Julian gehören zu jenen knapp 100 Schülern, die beim Regionalwettbewerb insgesamt 46 Forschungsprojekte präsentieren. Als Elfjährige starten sie noch im Wettbewerb "Schüler experimentieren". Und jede Menge Experimente liegen auch hinter ihnen.

Zuerst ging es an die Bestätigung ihres Eindrucks: Schulschwämme bekommen mit der Zeit eine rote Oberfläche – auch jene, die nur weiße Kreise abgewischt haben. Im Jugendforschungszentrum fanden die Fünftklässler eine passende Forscherstätte. Dort und auch daheim experimentierten sie mit Kreiden, einer Mini-Tafel und Schwämmen. Dafür konstruierten sie eigens eine "Tafel-Schreib- und Wischmaschine" aus einem alten Stück Tafel, einem kleinen Motor, Zahnrädern und Legoteilen. Ein Lego-Arm dreht auf der Tafel seine Kreise. Auf der einen Seite steckt die Kreide auf der anderen ein feuchter Schwamm. Und auch ein Kreidebad bezogen sie in ihr Forschungen ein. Jede Menge Kreide wurde da im Mixer zermahlen und dann in Wasser aufgelöst. Anschließend wurde der Schwamm für zehn Stunden einem Kreidebad unterzogen. Das überstand der Schwamm übrigens ohne rote Spuren, was die Forscher zu der Erkenntnis brachte, dass die rote Verfärbung weniger von der Kreide abhängt, als vielmehr von der Reibung. Dazu passen auch die Entdeckungen der Jungs: gebrauchte Schwämme werden durch das viele Wischen dicker. Sie verändern ihre Struktur und damit auch ihr Erscheinungsbild.

Ein bis zweimal in der Woche trafen sie sich in den vergangenen Monaten, um kräftig die Schwämme wischen zu lassen. "Es hat Spaß gemacht", sagt Julian Schäfer und Uli Braun nickt eifrig. Schon die Teilnahme finden sie spannend.

Dass die eine oder andere These vielleicht streng wissenschaftlichen Maßstäben nicht standhalten könnte, ist da eigentlich nur Nebensache. Oder sagen wir’s lieber gleich im Forscher-Jargon: "Schwamm drüber".