Mit einem Porsche Cayenne zertrümmerten die Täter eine Scheibe am Gebrauchtwagencenter des Nagolder Autohauses. Foto: Polizei

Aufnahmen der Überwachungskameras offenbaren Kaltblütigkeit der Täter beim Raubzug.

Nagold - Die Täter gingen beim Raubzug im Autohaus Wackenhut eiskalt zu Werke. Noch nicht einmal vom Sicherheitsdienst auf dem Gelände ließen sich die Verbrecher bei ihrer Tat stören. Angesichts dieser Kaltblütigkeit sitzt der Schock bei Ernst-Jürgen Wackenhut junior und seinen Angestellten noch immer tief – auch Tage nach der Tat. Dank der Überwachungskameras kann Ernst-Jürgen Wackenhut junior das Verbrechen, das in der Nacht zum Sonntag das Autohaus heimsuchte, minutengenau nachvollziehen. Scheinbar ruhig berichtet er, was die Auswertung der Videos ergeben hat.

"Das ist eine Katastrophe"

Doch Bemerkungen wie "Das ist eine Katastrophe", oder "einfach unglaublich" zeigen, dass der Raubzug seine Spuren hinterlassen hat. "Es herrscht bei uns allen ein tiefer Schock", bekennt der Geschäftsführer. Selbst die Kollegen der Daimler AG, die er über die Tat informiert hat, hätten sich betroffen gezeigt. Es ist vor allem die Kaltblütigkeit und Professionalität der Täter, die den Chef und seine Mitarbeiter so beunruhigen.

Wie dreist die Täter vorgegangen sind, machen die Überwachungsvideos klar, die man im Autohaus inzwischen minutengenau ausgewertet hat:

Um 21.25 Uhr betreten die Täter vom Bach her das Gelände. Zwei Minuten später öffnen sie einen schwarzen Porsche Cayenne mit einem mitgebrachten elektronischen Schlüssel. Die Lichter des Luxusautos blinken. Erst sieben Minuten später – um 21.35 Uhr – fährt einer der Räuber den Porsche über das Gelände und biegt durch eine Lücke auf dem Ausstellungsplatz über das Gras auf die Bundesstraße Richtung Nagold ab.

Zwei Stunden später, um 23.21 Uhr kehrt der Porsche auf dem gleichen Weg zurück. Erst parkt er, fährt dann Richtung Reifenlager und Gebrauchtwagen-Center. Wenige Minuten später nehmen die Kameras erstmals Eindringlinge im Autohaus auf.

Gut eine Stunde später, um 0.38 Uhr, – die Täter halten sich immer noch auf dem Gelände auf – fährt der Sicherheitsdienst auf das Areal. Doch von den Räubern entdeckt er nichts. Die verlassen das Gelände – vermutlich mit dem gestohlenen Tresor mit Originalschlüsseln und Fahrzeugpapieren im Kofferraum des Porsche Cayenne – um 1.07 Uhr und hinterlassen dabei mit den verschmutzten Rädern des Wagens deutlich sichtbare Spuren.

Drei Stunden später, um kurz vor vier Uhr taucht der Porsche wieder beim Autohaus auf. Minuten später filmt die Kamera maskierte Männer im Gebrauchtwagen-Center. Diese machen sich an einem AMG Mercedes C63 zu schaffen. Sie montieren mitgebrachte Kennzeichen, fahren ihn Richtung Kundeninformation, beladen ihn dort mit Navigationsgeräten, Geldzählmaschine und sogar Arbeitskleidung.

Um 4.41 Uhr verlässt ein Mann den Ausstellungsraum und fährt mit dem Porsche in Richtung Showroom. Nur eine Minute später registriert eine Kamera das Unglaubliche: Während die Räuber am Werk sind, kontrolliert 25 Meter entfernt der Wachdienst ein Waschhallentor. Doch bemerken tut er offenbar nichts. Drei Minuten später kracht der breite Porsche mit dem Heck gegen die schmale Scheibe des Ausstellungsraums und bringt sie zum Bersten. Es ist 4.42 Uhr. Zwei Minuten später verlassen die Täter mit dem Porsche und dem Mercedes über die Hauptzufahrt das Gelände. Noch immer ist der Wachdienst auf dem Areal. Zwei Minuten nachdem die Täter den Tatort verlassen haben, fährt der Wachdienst am Haupteingang vorbei – und bemerkt offenbar nichts.

Entdeckt wird der Raubzug erst am späten Sonntagvormittag von einem Passanten. Sofort werden die Polizei, Ernst-Jürgen Wackenhut junior und die Mitarbeiter verständigt, nachmittags stößt die Kriminalpolizei dazu.

Ähnlicher Fall bei "Aktenzeichen XY"

Inzwischen haben die geschockten Mitarbeiter reagiert. Es gibt viel zu tun. So müssen die gestohlenen Schlüssel der Fahrzeuge sofort gesperrt und umprogrammiert werden. Doch obwohl der Schock tief sitzt, ziehen seine Mitarbeiter in dieser Situation voll mit, lobt Wackenhut junior im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Autohauschef ist sich sicher, dass er das Opfer von Profis geworden ist, die gezielt nach diesen beiden Autos gesucht haben. In der Meinung bestärkt ihn auch ein Fall aus dem Emsland, der in der Fernsehsendung "Aktenzeichen XY" geschildert wurde und der dem Nagolder Fall verblüffend ähnelt.

Eigentlich hielt Ernst-Jürgen Wackenhut junior das Autohaus bisher für sicherheitstechnisch sehr gut ausgestattet. Doch man habe aus der Nacht auf Sonntag gelernt und werde das Sicherheitskonzept komplett überarbeiten, kündigt der Autohauschef an.