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Nagold Rolf Benz gab den Anstoß

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Die Führungsmannschaft des VFGN mit dem Vorsitzenden Reinhard Maier (Mitte). Fotos: Fritsch Foto: Schwarzwälder Bote

Die gewerbliche Ausbildung – sie genießt eine absolute Ausnahmestellung in Bezug auf die individuelle Karriere-Planung. Gerade hier in Nagold, gerade in den Handwerks- und Produktionsbetrieben der Stadt. Das kapiert, wer sich mal in den Führungsetagen der hiesigen "Hidden Champions" umschaut.

Nagold. Prominentestes Beispiel: Natürlich Rolf Benz, auch Namensgeber der Gewerblichen Schule Nagold. Warum diese Schule ausgerechnet seinen Namen trägt? - Auch, weil der international erfolgreiche Polstermöbel-Unternehmer vor ziemlich exakt 25 Jahren das Initial für die Gründung des "Vereins zur Förderung des gewerblichen Nachwuchses (VFGN)" legte – da war Rolf Benz bereits 60 Jahre alt. "Und ich wollte etwas Ehrenamtliches machen – etwas, das zu meinem Beruf gehört und einen Bezug zu meiner Heimatstadt Nagold hat."

Im damaligen Landrat Hans-Werner Köblitz fand Benz einen sachkundigen Gesprächspartner, mit dem gemeinsam die Idee vom Förderverein reifte. Ein Vorbild für einen solchen Verein gab es damals nicht – aber Innovationen umsetzen, das war Rolf Benz ja aus seinem Job gewohnt: sein Design-Klassiker "Addiform", das Ur-Muster der freikombinierbaren Sofa-Wohnlandschaft, war bei seiner Markteinführung 1964 ebenfalls ohnegleichen. Und schon damals (auch) Ausdruck der ungemein großen praktischen Erfahrung, die Rolf Benz als gelernter Polsterer in seine damals neue Verantwortung als Unternehmer einbringen konnte – vom Start weg mit einem gewaltigen Erfolg.

Aber seine Ausbildung sei – damals ab 1948 – auch "sehr hart" gewesen. 60-, 70-Stunden-Wochen als jugendlicher Azubi – "das war damals eine Überforderung des Steppkes". Aber er habe sich nicht beklagt, sich durchgebissen. Er wollte diese "erste Etappe" unbedingt schaffen. Sich beweisen. Und lernte die handwerkliche Lehre bald "als eine fachliche gute Basis" schätzen für alles, was noch folgen sollte. Denn im beruflichen Alltag als Geselle "habe ich mich mit wachsender Reife schnell unterfordert gefühlt".

Was zu dem lebendigen Beleg führen sollte: "Mit einer soliden gewerblichen Ausbildung kannst du alles werden!" Zum Beispiel auch dein eigener Chef. Unternehmer. CEO einer Aktiengesellschaft. Der einem "nur" akademischen Manager immer etwas voraus haben wird: "Die Bodenhaftung, die Augenhöhe mit den Mitarbeitern". Erst "wenn du wirklich auch Dreck gefressen hast wie deine Leute", kannst du ein wirklich guter Chef sein, ist Rolf Benz überzeugt.

Generationswechsel rechtzeitig zum Jubiläum

Bevor es mit der Gründung des VFGN damals klappte, musste Benz allerdings zahllose Türklinken putzen: bei den Kollegen in Nagold, der Region, die er als weitere Mitstreiter für den Förderverein brauchte, um wirklich etwas zu bewegen. Männer wie Friedrich Martin von "Martin Mechanic", ursprünglich gelernter Elektriker im väterlichen Installationsbetrieb – später dann Chef des eigenen Maschinenbau-Unternehmens. Der übrigens einst die Automatisierungs-Ideen von Polsterer Rolf Benz in kongeniale Maschinen und Vorrichtungen für die Möbelfertigung umsetzte. Brüder im Geiste, könnte man sagen. Die sich zuletzt im VFGN den 2. und 3. Vorsitz teilten (hinter Reinhard Maier, dem heutigen Schulleiter der Rolf Benz Schule).

Rechtzeitig zum Jubiläum des VFGN erfolgte nun in diesem Frühjahr der Generationswechsel bei den vertretenen gewerblichen Unternehmern im Vorstand des Fördervereins – mit einer schon auch bemerkenswerten "Synchronität": Während Rolf Benz als 2. Vorsitzender des VFGN laut Entscheid der Mitgliederversammlung von seinem Neffen und Ziehsohn Ralf Benz abgelöst wurde, folgte auf Friedrich Martin als 3. Vorsitzender dessen Sohn Claus Martin ins Amt. Weitere Vorstandsmitglieder des VFGN sind Stephan Weitbrecht als Geschäftsführer und Angela Vogelmann als Schatzmeisterin. Die "Senioren" bleiben dem Verein aber als Ehrenmitglieder weiter verpflichtet.

Ebenfalls bemerkenswert – auch bei Ralf Benz findet sich diese, irgendwie für das Nagolder Unternehmer-Biotop so typische Karriere-Bild: "Ich hatte wirklich Öl im Blut", erzählt der gelernte Kfz-Mechaniker – der heute auch (unter anderem) Vorsitzender des Nagolder Gewerbevereins oder Berufsdienstbeauftragter des regionalen Rotary-Clubs ist. Schon "als kleiner Bub bin ich in der ’Grube’ ’rumgehüpft" – über der im familiären Opel- und Magirus-Autohaus und Omnibus-Betrieb die Fahrzeuge repariert und gewartet wurden.

Nach der Lehre in Oberndorf machte er noch eine Ausbildung zum Kraftfahrzeug-Betriebswirt – um "auch die kaufmännische Seite" abzudecken. Nach dem frühen Tod des Vaters, wodurch Onkel Rolf Benz zur Vaterfigur wurde, trat Ralf Benz 1987 in den elterlichen Betrieb ein. In Zusammenarbeit mit Onkel Walter Benz wurde der Betrieb neu strukturiert. Man trennte sich vom Omnibus-Bereich, um sich ganz auf die Auto-Kundschaft zu konzentrieren. 2009 – im Zuge der damaligen Finanzkrise – dann der komplette "Change": Schließung des Autohauses zum Jahresende 2013 und Konzentration der unternehmerischen Tätigkeit auf den Bereich Immobilienentwicklung. "Auch so können gewerbliche Ausbildungen laufen". 

Öl an den Händen hat Ralf Benz heute nimmer mehr. Trotzdem ist auch er (mittlerweile wohl der heftigste) Kämpfer für die Anerkennung der handwerklichen und gewerblichen Ausbildungen in der Region, gerade in Richtung der Lehrer und Eltern an den allgemeinbildenden Schulen - die aus seiner Sicht viel zu einseitig auf kaufmännische oder gar akademische Ausbildungen für den Nachwuchs setzten. "Die Chancen, Möglichkeiten und Qualitäten der gewerblichen Ausbildung werden da völlig unterschätzt." Nicht zuletzt im Sinne einer "nachhaltigen, selbstbestimmten" Lebensführung: "Handwerk, Gewerbe wertschätzen traditionell eine qualitätsorientierte, ressourcen-schonende Fertigung." Anforderungen, die in der sich dramatisch wandelnden Welt mit ihrem wachsenden Umwelt- und ökologischen Bewusstsein immer wichtiger werden.

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