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Nagold Rolf Benz bleibt weiter "Made in Germany"

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Rolf Benz-Vorstandsvorsitzender Jürgen Mauß (links) und Vorstandskollege Jens Hofmann können der Übernahme viel Positives abgewinnen. Foto: Fritsch

Nagold - Monate der Ungewissheit liegen hinter dem Management und der 450-köpfigen Belegschaft der Rolf Benz AG & Co. KG. Seit Donnerstag herrscht Gewissheit: Der chinesische Polstermöbelriese Jason Furniture mit 4,5 Milliarden Jahresumsatz hat den Nagolder Edelpolsterer auf seiner Einkaufsliste stehen.

Seit Tagen kursieren die Gerüchte in der Stadt, was in der Branche schon längst gemunkelt wird: Die Hüls-Gruppe in Stadtlohn, selbst von der Krise der Möbelbranche gebeutelt und seit Jahren auf Sanierungskurs, will alle Anteile an Rolf Benz versilbern. Die Hüls-Tochter, bis auf das Jahr der Finanzkrise stets schwarze Zahlen schreibend, gehört zum Tafelsilber der Stadtlohner.

Schon seit Monaten läuft das Bieterverfahren. Bereits an Weihnachten sollte der Deal eigentlich über die Bühne gehen, wurde dann aber verschoben in den Januar, kollidierte mit der Möbelmesse. Am Ende verhandelte Hüls mit fünf Bietern, Rolf Benz-Vorstandsvorsitzender Jürgen Mauß musste ohne Mitspracherecht zuschauen.

In der vergangenen Woche lag einer der führenden chinesischen Designer, Händler und Hersteller von Wohnmöbeln, die Jason Furniture, mit ihrem Gebot vorne. Knapp dahinter ein Bieter aus dem Ländle: Interstuhl, ein Hersteller von Büromöbeln in Meßstetten-Tieringen auf der Alb. Aus einer kleinen Dorfschmiede wuchs ein florierendes Unternehmen mit 800 Mitarbeitern und ehrgeizigen Zielen. Bis zum Jahr 2020 streben die Älbler einen Umsatz von 200 Millionen Euro an. Eine Luxusmarke Rolf Benz unterm Firmendach passte zur Strategie. Doch die Chinesen boten mehr. Beide Bieter gehörten übrigens zu Mauß’ Favoriten.

Weil Hüls am Donnerstag um 14 Uhr mit dem Verkauf an die Öffentlichkeit ging, musste das Nagolder Management von Rolf Benz den auf den Nachmittag gelegten Termin der Betriebsversammlung auf halb zwölf vorverlegen. Sektkorken knallten zwar nicht, sagt CEO Jürgen Mauß unumwunden, aber die Stimmung in der Belegschaft sei gut. Man ließ eine große Fragerunde zu. Ängste vor einer Produktionsverlagerung konnte man zerstreuen: "Die wollen made in Germany." Das hätte eine chinesische Delegation von Jason Furniture schon bei Gesprächen vor Ort lange vor der Entscheidung betont.

Jürgen Mauß sieht in dem Eigentümerwechsel vor allem Chancen für das Unternehmen: Rolf Benz wird internationaler, kann auf dem Asienmarkt stärker wachsen und auch sein Onlinegeschäftsmodell ausbauen. Mauß lässt seiner Fantasie freien Lauf: Bislang habe man sich auf Polster- und Diningmöbel sowie Accessoires beschränkt, mit Jason Furniture an der Seite könne man auch in "anderen Bereichen" expandieren.

Als Risiko bleibe der Kultur- und Mentalitätsunterschied zum neuen Eigentümer. Und die Frage, "welche Strategie hat er und welche verfolgt er wirklich". Aber Mauß ist überzeugt: "Ich bin sicher, dass wir das hinkriegen."

Vorstandskollege Jens Hofmann begrüßt derweil, dass die Entscheidung gefallen ist. Die Unsicherheit und eine brodelnde Gerüchteküche sind nicht gut fürs Geschäft. Wobei der Deal noch nicht in trockenen Tüchern ist: Zuerst müssen das Bundeskartellamt und auch die chinesischen Behörden der Übernahme zustimmen.

Nagolds Stadtoberhaupt Jürgen Großmann machte aus seinem Herzen keine Mördergrube: Eine "andere Himmelsrichtung" wäre ihm lieber gewesen, sagte er unserer Zeitung: "Aber wir kommen mit jeder Himmelsrichtung und jedem Windstoß klar." Die chinesischen Eigentümer will er so schnell als möglich in die Nagolder Unternehmerfamilie aufnehmen. Aufgrund der neuen Eigentümerstruktur eröffneten sich Rolf Benz seiner Meinung nach neue Märkte, vor allem in Asien: "Die Marke von Rolf Benz hat noch ein großes Potenzial". Insofern sei dieser gestrige Tag ein "guter Tag für Nagold, das Unternehmen Rolf Benz und seine Mitarbeiter".

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