Wagon Automotive feierte gestern Richtfest: Die Begrüßung der Gäste und die Präsentation des Projekts lag in den Händen der drei Gesellschafter (von links) Thomas Eisseler, Ralf Bommer und Giuseppe Codevini (Tiberina-Gruppe). Foto: Martin Bernklau Foto: Schwarzwälder-Bote

Wagon Automotive feiert die Fertigstellung einer neuen Produktionshalle in nur fünf Monaten Bauzeit

Von Martin Bernklau

 

Nagold. Richtfeste sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren – schon weil beim Neubau dieser Produktionshalle ein Dachstuhl fehlt. Aber richtig gefeiert werden sollte gestern schon bei Wagon Automotive im Nagolder Industriegebiet Wolfsberg, auch mit Richtspruch und mit Prominenz.

Grund für die gute Stimmung bei dem Autozulieferer war auch die Rekordzeit, in der die 5000 Quadratmeter große Halle für eine Roboter-Fertigungsstraße zum Schweißen errichtet wurde. Im Dezember kam der Auftrag von Daimler, im Januar fanden erste Genehmigungs-Gespräche mit Stadt und Kreis statt, und im Februar war Baubeginn.

Mit "diesem unglaublichen Wetter und den bewährten Firmen", so Architekt Rainer Dausacker, gelang es, die Stahlträgerhalle binnen gerade mal vier Monaten so hinzustellen, dass die Ravensburger Anlagenbauer der Firma EBZ schon loslegen konnten mit den Arbeiten für die vollautomatische Fertigungsstraße.

Die Geschäftsführenden Gesellschafter Thomas Eisseler, Ralf Bommer und ihr italienischer Partner Giuseppe Codevini von der umbrischen Tiberina-Gruppe begrüßten nicht nur Calws Landrat Helmut Riegger und Nagolds Oberbürgermeister Jürgen Großmann aus der Politik sowie mit Martin Keppler den IHK-Chef Nordschwarzwald aus Pforzheim. Die drei Unternehmer spendeten vom Pult aus auch ausdrücklichen Beifall für alle Gäste von den beteiligten Firmen, die diese Rekordleistung möglich gemacht hätten.

Und da es auch ein bisschen zünftig werden sollte, hatten sie den Dachdeckermeister Peter Behringer von der beteiligten Spezialfirma Fritz gebeten, sich in traditionelle Kluft zu werfen und einen selbstverfassten Richtspruch in Reimen vorzutragen. Er habe das zwar schon öfter gemacht, meinte er zuvor, "aber noch nie vor 150 Leuten". Behringer schaffte das souverän und bekam auch Beifall wie wohl noch nie.

Hinter den Bänken, auf denen später nicht minder zünftiges Spanferkel, Leberkäs und Salate aufgetischt wurden, waren die Karosserieteile zu sehen, die künftig in der Halle von rund 80 Robotern gefertigt werden: für Actros, Unimog und Sprinter aus dem Hause Daimler, aber auch Verbundteile aus Alu und Stahl für den BMW i8.

Den beteiligten Kommunalpolitikern, den Banken, den Firmen und den eigenen Mitarbeitern dankte Geschäftsführer Ralf Bommer. Sein Mit-Gesellschafter Thomas Eisseler gab einen Rückblick auf die Erfolgsgeschichte von Wagon seit der Neuaufstellung des Unternehmens im Krisenjahr 2009. Man habe seither rund 70 Millionen Euro investiert, "Flächen in der Größe von sieben Fifa-Fußballfeldern" neu gebaut und die Mitarbeiterzahl auf nun 550 erhöht – Tendenz weiter steigend.

Nicht nur Oberbürgermeister Jürgen Großmann dürfte Eisselers Ankündigung erfreut haben: "Wir stehen zum Standort Nagold." Das drückte auch Co-Chef Giuseppe Codovini aus, der auf Englisch sogar von "Liebe zu Deutschland" sprach, die durch die erfolgreich bewältigten "harten Zeiten" gefestigt worden sei.