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Nagold Reisebranche von Corona-Krise schwer getroffen

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Am Mittwoch sind Mitarbeiter von Reisebüros und Busunternehmer auch im Südwesten auf die Straße gegangen. Foto: dpa

Nagold - Ob mit dem Flieger, mit der Bahn oder mit dem Bus: Reisen ist derzeit nicht möglich. Reisebüros und Busunternehmer haben schwer zu kämpfen, versuchen aber, ihre Kundenbeziehungen zu erhalten.

Ein Urlaub in Balkonien ist weder spannend noch lustig. Für die meisten jedenfalls. Für eine ganze Branche sicher nicht: die Reisebüros. Sie sind geschlossen, Reisen ist derzeit nicht möglich. Das Auswärtige Amt hat die Reisewarnung bis 14. Juni verlängert. Damit ist die Aufforderung verbunden, keine touristischen Reisen ins Ausland zu unternehmen. Im schlimmsten Fall, so rechnet die Allianz selbstständiger Reiseunternehmen (ASR) vor, seien 95 Prozent der Betriebe von der Insolvenz bedroht. Ihnen fällt nicht nur der Umsatz weg, sie müssen sogar bereits von Kunden geleistete Anzahlungen zurückerstatten, so will es das Verbraucherrecht. Und wie ist die Lage in Nagold?

Corona-Krise: Das wird aus dem Urlaub 2020

Von viel Arbeit und wenig Brot berichtet Werner Gall, der seit fast 30 Jahren Tours und Reisen betreibt. Viel Arbeit, weil er zusammen mit seiner Tochter und einer 450-Euro-Kraft derzeit alle Kunden anruft. Über 80 haben bei ihm einen Pfingsturlaub gebucht. Das Ziel sei, möglichst viele Kunden davon zu überzeugen, dass der Gutschein für eine spätere Reise mit einem zusätzlichen Bonus die bessere Lösung ist. Umbuchen statt stornieren.

Hotels können so schnell nicht öffnen

Viele Kunden seien jetzt froh, dass sie in einem Reisebüro gebucht haben, wo der persönliche Kontakt da ist. Das mit dem Brot ist schwieriger. Gall hat die sogenannte Corona-Soforthilfe schnell und unbürokratisch erhalten. Wie es weitergeht? "Da bin ich nicht so zuversichtlich", sagt er. Das Jahr 2020 sei gelaufen, selbst wenn im Herbst Reisen wieder möglich wären – die Hotels in den meisten Urlaubsregionen sind geschlossen und könnten so schnell gar nicht öffnen.

Etwas mehr Grund zu Optimismus hat Jeannine Franke, Inhaberin von Innovative World Wide Travel. Sie hat sich allerdings auf Geschäftsreisen spezialisiert. "Die Unsicherheit ist das eigentliche Problem", sagt sie. Die meisten Kunden haben ihre Reisen in die USA und nach Asien storniert. Sie selbst profitiert ebenfalls von der Corona-Soforthilfe und halte so noch ein bis zwei Monate durch. Was ihr Mut macht, sind indessen zahlreiche Anfragen. Geschäftsreisen würden sofort wieder aufgenommen, sobald die Reisebeschränkungen fallen.

Wichtig: Vertrauen der Kunden zu behalten

Für das Reisebüro Schweizer, das als Lufthansa City Center firmiert, ist es wichtig, mit dem Umsatz nicht das Vertrauen der Kunden zu verlieren. Geschäftsführer Wolfgang Schweizer legt Wert auf die Feststellung, allen Kunden, im Gegensatz zur sonst gängigen Praxis, den vollen Reisepreis zu erstatten. "Wir haben alle Reisen abgesagt und informieren die Kunden proaktiv", so Schweizer.

Kritik übt er an den staatlichen Unterstützungsleistungen: Kleinunternehmen erhalten die Soforthilfe, Konzerne Milliarden, nur der Mittelstand falle hinten runter. Die fünf Beschäftigten in Nagold sind in Kurzarbeit. Wolfgang Schweizer ist zuversichtlich, dass es schnell aufwärts geht, wenn die Reisewarnung aufgehoben wird: "Die Leute wollen raus." Ein Problem gibt es aber dennoch mit der Bus-Sparte des Unternehmens, die als Schweizer Reisen firmiert: Wenn es weitergeht, müssten Abstandsregeln eingehalten werden, was in einem Reisebus wirtschaftlich nicht sinnvoll ist.

Alle 15 Reisebusse sind abgemeldet

So sieht das auch Volker Nesch, einer der Geschäftsführer von Weiß & Nesch in Vollmaringen. Wenn ein Reisebus mit 15 statt 50 Fahrgästen belegt ist, rentiere sich das nicht. Alle 15 Reisebusse des Unternehmens sind abgemeldet, die Busfahrer in Kurzarbeit, nachdem sämtliche Auslandsreisen auf einen Schlag storniert werden mussten. Grundsätzlich stelle man dem Kunden im Stornoschreiben anheim, ob er die Umbuchung, den Gutschein oder das Geld zurück wolle. Letzteres sei die Regel.

"Heute ist ein glücklicher Tag", ergänzt Volker Nesch noch, als der Schwarzwälder Bote mit ihm telefonierte. Erstmals habe es wieder mehr Buchungen als Stornierungen gegeben, denn es zeichne sich ab, dass die beliebten Radreisen, zumindest in Deutschland bald wieder möglich sein könnten.

Das DER-Reisebüro im Burgcenter sei derzeit nur per Telefon, Mail oder Social-Media-Kanäle erreichbar, teilt die in Frankfurt ansässige Pressestelle von DER Touristik mit. Es gibt in Baiersbronn eine Art Notfallteam, in dem auch die zwei Beschäftigten, die sonst in Nagold tätig sind, mitarbeiten. Zu 80 Prozent seien sie in Kurzarbeit. In der verbleibenden Arbeitszeit informieren sie die Kunden über die jeweiligen Bedingungen der einzelnen Reiseveranstalter und kümmern sich zum Beispiel darum, Reisen auf einen anderen Termin umzubuchen.

Sicher ist, dass die Reisebüros von der Corona-Krise schwer getroffen sind. Die Insolvenz treffe "im günstigsten Fall", so die Allianz selbstständiger Reiseunternehmen, aber "nur" 40 Prozent.

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