Rektoren und Elternvertreter der Gemeinschaftsschulen im Kreis Calw pochen auf enge Zusammenarbeit. Foto: Buck Foto: Schwarzwälder Bote

Bildung: Gemeinschaftsschulen im Kreis arbeiten eng zusammen / Aufregung wegen Aussagen des Philologenverbandes

Die Gemeinschaftsschulen stehen derzeit im Fokus. Nicht zuletzt wegen des Vorstoßes des Philologenverbandes. Jetzt formieren sich die Gemeinschaftsschulen im Kreis Calw gemeinsam und gehen in die Offensive – auch bei der Zusammenarbeit.

Nagold/Ebhausen/Althengstett/Neubulach. Die Gemeinschaftsschulen (GMS) im Kreis Calw arbeiten hervorragend zusammen. Das sagen zumindest die Vertreter der GMS selbst im Rahmen eines Pressegesprächs.

Geladen hatte Dominik Bernhart, Rektor an der GMS Neubulach, in die Bergwerksstadt im Teinachtal. Gekommen waren neben ihm als Gastgeber auch Matthias Fröhlich von der GMS in Ebhausen, Elke Ruf von der gleichen Einrichtung in Althengstett, Ulrich Schubert von der Nagolder Zellerschule sowie einige Elternvertreter. Dass kurz vor dem Treffen der Philologenverband Kritik an der 2012 eingeführten Schulform übte, nahmen die Schulleiter gesammelt zum Anlass, um einige verbale Backpfeifen zu verteilen.

"Die haben Angst, weil die Anmeldezahlen an den Gemeinschaftsschulen steigen", schlussfolgerte Bernhart, der nochmals nachlegte: "Die Gymnasien sind nicht der Olymp der Bildung im Abendland." Auch die übrigen Schulleiter standen dem GMS-Bashing des Philologenverbands, der die Rolle von Gymnasiallehrern an Gemeinschaftsschulen kritisiert hatte, kritisch gegenüber. Teils war auch von einem "populistischen Vorstoß" die Rede. Ebhausens Rektor Fröhlich vermutete dahinter Taktik – eben kurz vor der Schulanmeldung wenig verwunderlich.

Doch an diesem Nachmittag sollte es auch noch um Inhalte und nicht nur um den Philologenverband gehen. Das zentrale Motiv sei es, meinte Bernhart, dass man schulübergreifend zusammenarbeite, sich nicht als Konkurrenz sehe. Ruf aus Althengstett stieß ins gleiche Horn: "Wir wollen ein gemeinsames Bild zeichnen." Beispielsweise bekämen Schüler an einer GMS den exakt gleichen Abschluss wie sie ihn an einer Realschule machen. "Gleiche Uhrzeit, gleiche Aufgaben, gleiche Prüfung", fasste Neubulachs Bernhart zusammen.

Menschenbildung steht im Fokus

Was die GMS aber von der handelsüblichen Realschule unterscheide, sei, dass vermehrt die Menschenbildung im Fokus stehe – vor allem über die Coachings zwischen Lehrer und Schüler. Der Rektor von Ebhausens Lindenrain-Schule, Fröhlich, sprach davon, dass ebenjenes Coaching "das Herzstück" der Schulart sei. Das münde dann, so die einhellige Meinung, in viele Wechsel auf zum Beispiel berufsbildende Gymnasien.

Hier lobte auch Bernhart die Bereitschaft der anderen Schulen: "Die beruflichen Gymnasien sind auch offen für Schüler der Gemeinschaftsschule." Um das zu erreichen, sei es eben wichtig, jeden Schüler "in seiner Unterschiedlichkeit anzunehmen", so Bernhart weiter.

Und genau das führe dazu, dass man die Schüler eben individuell fördern könne. "Die Leistung ist eben nicht zahlenfixiert, sondern auf Kompetenzbereiche gemünzt", beschreibt Fröhlich die Beurteilungen an der GMS. Von der Zahl zum Kompetenzprofil lautet hier das Stichwort der Rektoren. "Wir klatschen da nicht nur eine Note unter die Arbeit", bekundete Ruf aus Althengstett. Die Schüler sollen laut der Rektorin Spaß haben am Lernen und verstehen, dass sie für sich selbst und nicht für den Lehrer in die Schule gehen würden.

Berufsorientierung hat hohen Stellenwert

Daneben hat laut den Rektoren die Berufsorientierung einen hohen Stellenwert. Jede Bildungsstätte habe einige Partner an der Hand, um auch direkten Kontakt zu den Unternehmen zu ermöglichen. Im Übrigen betonen die Schulrektoren unisono, sei es ein Ammenmärchen, das gar keine Noten an der GMS vergeben würden. Ab den oberen Klassen selbstverständlich, sonst sei ja beim Abschluss gar kein Vergleich möglich. Doch auch bis dahin seien die Schüler nicht sich selbst überlassen – "auch in den freien Lernzeiten hat man da ja ein Auge drauf", verdeutlichte Jan Pflugmacher, der an der GMS als Gymnasiallehrer unterrichtet, dass man als Lehrer die Kinder individuell betreut.

Schubert von der Zellerschule in Nagold fasste den Ansatz fast schon philosophisch zusammen: "Die Kinder werden nicht verdammt in die Freiheit, sondern in die Freiheit geführt."

Das ist für Eltern anfangs nicht immer verständlich. Bekim Tafallari, Elternbeirat an der Zellerschule Nagold, meinte: "Man muss sich da auch als Eltern umstellen, weil man anfangs nicht weiß, wie es läuft." Bernhart hat dafür Verständnis: Die neue Schulart hätte es früher eben nicht gegeben, weshalb viele Eltern damit fremdeln, dass es beispielsweise keine Hausaufgaben gibt. Doch er bekräf­tigte: "Lernen findet in der Schule statt. Da braucht es eben auch Vertrauen zwischen Eltern, Schülern und Lehrern." Außerdem schaue man ja nicht tatenlos zu, wenn die Leistungen in den Keller gingen, sondern suche im Zweifel auch das intensive Gespräch mit Eltern und Schüler.

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