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Nagold Parkplatzsituation stresst Anwohner

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Unter dem Scheibenwischer klemmt ein "Knöllchen" Foto: Kunert

Nagold - "Spinnen die jetzt völlig!?" – Eigentlich will Mustafa, der Mann im Blaumann, nur kurz eine Arbeitspause nutzen, um in einer der Praxen im Alten Nagolder Krankenhaus ein Rezept abzuholen. Doch wo er dafür – wie bisher immer – sein Auto geparkt hat, darf er jetzt nicht mal mehr halten.

Eigentlich hatte er sich noch gefreut – denn so leer wie heuer waren die Parkplätze an der Wörthstraße, und auch dahinter an der Lembergstraße, gleich gegenüber dem Alten Krankenhaus noch nie. Nur ein einziges anderes Auto parkt hier im Moment auf den insgesamt rund 50 Stellplätzen – und das hat bereits ein leuchtend ockergelbes "Knöllchen": Denn nur wer vorab im Internet einen "Dauer"-Parkplatz gebucht hat, darf hier noch parken.

"Kompletter Irrsinn", konstatiert auch Anwohner und Kabarettist Mike Jörg. Er war am 2. Mai sehr früh unterwegs – zum Frühschwimmen. Um die Mitbewohner nicht zu stören, parkte er anschließend sein Auto drüben an der Wörthstraße – wo jetzt auch Mustafas Fahrzeug steht. Ein Nachbar machte ihn auf die über Nacht aufgestellten neuen Hinweisschilder aufmerksam, die die bisher öffentlichen Parkplätze als nun private – und zu mietende Parkplätze – auswies. "Ich war erstaunt, wollte nur meine nassen Badesachen zuhause aufhängen, und dann den Wagen umparken." Doch die Zeit reichte schon, um ein erstes Knöllchen vom Parkplatz-Sheriff zu kassieren. Jörg macht aus seinem maßlosen Ärger darüber keinen Hehl.

Bisher gehörten die Parkplatzflächen der Stadt Nagold. Diese hat sie – per Gemeinderats-Entscheid – jüngst verkauft. Nun werden die Flächen von der Firma "Park & Control PAC GmbH" bewirtschaftet. Und die bietet dort jetzt nur noch Dauerparkplätze an. Wer ohne gültige Vorausbuchung (nur im Internet möglich) erwischt wird, soll 30 Euro Strafe zahlen. Was alle hier so für die Flächen an der Lembergstraße auch eigentlich okay finden. Aber die Parkbuchten an der Wörthstraße, zum Alten Krankenhaus hin ausgerichtet und von den hier befindlichen Praxen und Gästen der Anlieger als Kurzzeit-Parkplätze genutzt, hätten – bitteschön – auch weiterhin als Kurzzeit-Parkplätze ausgewiesen werden müssen.

Das findet auch Robert Rupp, ansässiger Zahnarzt im Alten Krankenhaus. "Die dürften dafür natürlich gerne auch Gebühren erheben – das wäre total okay", erklärt er. Und macht darauf aufmerksam, dass viele der Patienten, die die Praxen im Alten Krankenhaus besuchten, nicht sehr gut zu Fuß seien. Und in der Tat: Jeder zweite Patient, der an diesem Nachmittag – unerlaubt – auf den neuen Dauerparkplätzen an der Wörthstraßen hält, ist offensichtlich in seiner Mobilität eingeschränkt. So wie Georg, den seine Frau Monika heute zur Behandlung hergebracht hat.

"Dass die Stadt sowas macht!?", wundert Monika sich, als sie auf die neue Parkplatzregelung für den Stellplatz, wo sie wie gewohnt ihr Auto für die Dauer der Behandlung ihres Mannes abgestellt hat, aufmerksam gemacht wird. "Ich dachte die wären öffentlich." Rund eine Stunde werde die Behandlung für Georg dauern – da will sie nichts riskieren und parkt ihr Auto um. "Internet haben wir gar nicht" – wie soll sie da einen Parkplatz ordentlich buchen? Zehn Minuten später ist Monika wieder da, sie parkt jetzt auf dem Teufelareal. Weiter über die neue Parkplatzregelung reden will sie nicht: "Ich muss mir jetzt erst mal den Frust ablaufen!", sagt sie im Vorbeigehen.

"Es gibt Gründe für Politikverdrossenheit"

Für Zahnarzt Rupp ist das alles ein ziemlich schlimmer Zustand. Denn ohne "echte" Kurzzeit-Parkplätze für seine Patienten könnte ziemlich schnell die Existenz seiner Praxis bedroht sein. "Gedanken macht man sich da schon." Vor allem diese "Nacht-und-Nebel"-Aktion mit dem Aufstellen der neuen Schilder und das rigorose Abkassieren der "Gewohnheitsparker" findet er "sehr schlimm". Er werde "mal gucken, wie sich das weiter entwickelt". Eines sei für ihn aber schon klar: "Ich weiß natürlich jetzt auf jeden Fall, wo ich bei den anstehen Wahlen mein Kreuzchen nicht machen werde!"

"Nagold will immer so bürgernah sein", konstatiert auch Mike Jörg. "Und dann machen die soetwas – ohne Sinn und Verstand." Im Moment ruhen seine Hoffnung auf der SPD-Fraktion im Nagolder Gemeinderat, die per Antrag aus einem Teil der Parkbuchten an der Wörthstraße, die sich mit etwa einem Drittel der Fläche zur eigentlichen Straße hin immer noch im Besitz der Stadt Nagold befinden sollen, zumindest eine gewisse Anzahl Kurzeit-Parkplätze ausweisen möchte (wir berichteten). Aber ob sich die Idee bei den bestehenden Mehrheitsverhältnissen im Gemeinderat wirklich wird durchsetzen können? "Wir werden sehen."

Wobei es wirklich wie ein Anachronismus wirkt, dass bei dem jeden Tag regen Publikumsverkehr am Alten Krankenhaus – und am Wochenende ja auch bei der gegenüberliegenden katholischen Kirche – die vielen Parkplätze in diesem Bereich nun – zumindest derzeit – fast komplett ungenutzt leer stehen.

Mike Jörgs bitteres Resümee: "Ich erwarte von den kommenden Stadträten, dass sie sich bei ihren Entscheidungen vorher vor Ort besser erkundigen. Es gibt Gründe für Politikverdrossenheit."

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