Mit Ovationen feierte die Festversammlung den Nagolder Macher und Vordenker Helmut Raaf, der sich hier bei seiner Frau Karola mit einem Kuss bedankt. Foto: Fritsch

Helmut Raaf suchte stets der Stadt Bestes und wurde dafür mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Nagold - OB Jürgen Großmann spricht vom "agilen Macher und großen Visionär", Staatssekretär Fuchtel vom "eigenwilligen Kopf" und LDT-Chef Mroz vom "Original" und "Urgestein der Branche". Und alle meinen denselben Mann: Helmut Raaf, der wie kein anderer für die Marke Nagold steht.Nein, er drängte nicht wie viele andere auf diese höchste Auszeichnung, die der Bundespräsident zu vergeben hat – im Gegenteil. Stadtoberhaupt Großmann erkannte, mit welch "gemischten Gefühlen" der Gewerbevereinsvorsitzende Helmut Raaf gestern bei der Feierstunde im Kubus in der ersten Reihe saß und mit stehenden Ovationen bedacht wurde. "Gegen Kritik kann man sich wehren", meinte der OB verschmitzt, "Lob und Ehrungen muss man erdulden und ertragen."

Mode, Handel, Stadtpolitik, Stadtkultur: Es gibt kaum einen Bereich in dieser Stadt, in dem der 64-Jährige nicht involviert wäre. Seit 25 Jahren sitzt Raaf im Gemeinderat und treibt dort vor allem die Innenstadtberuhigung voran. Seit 1990 steht er dem Gewerbeverein vor und war auch Mitbegründer des Cityvereins, dessen Geschicke er seither lenkt. Eigentlich, räsonierte Rose Finkenbeiner, die ihm seit 25 Jahren als Stellvertreterin im Gewerbeverein zur Seite steht, sei sein Ehrenamt fast ein Ganztagsjob, Schuhhändler sei er nebenbei. "Er hat eben ein Gefühl, ein Händchen für seine Stadt", meinte CDU-Bundestagsabgeordneter Hans-Joachim Fuchtel, auf dessen Initiative hin übrigens diese Ehrung zustande kam.

Heimatverbunden und zugleich weltoffen: Die Liste der Laudatoren machte deutlich, welch universaler Geist zu diesem Orden der Verdienstkreuzträger hinzugestoßen ist. Raaf hat in der Schuhbranche einen Namen – und vor allem viele Freunde, die ihm gestern bei dieser Feier die Ehre erwiesen: Voran Ralph Rieker, Präsident der Deutschen Schuhindustrie, der seinen Nagolder Freund als "Mann der leisen Töne" und den Kunden Raaf wegen seiner "gelebten Partnerschaft" schätzt. Oder Brigitte Wischnewski, Präsidentin des Deutschen Schuheinzelhandels, die mit Helmut Raaf seit 18 Jahren im Präsidium zusammenarbeitet und auf seinen großen Sachverstand baut. Oder LDT-Chef Manfred Mroz, der in Raaf den "großen Netzwerker" sieht, dessen Kompetenz und Erfahrung in der Branche gefragt sei. Dass der Schuhbereich an der altehrwürdigen Textilfachschule Fuß fassen konnte, sei ebenso Raafs Verdienst wie die Tatsache, dass sich die alle zwei Jahre stattfindende Adria-Challenge unter seinen Fittichen zum Mega-Event in der Modebranche entwickelt habe.

Dekan Ralf Albrecht nahm in seiner Laudatio schließlich kein Blatt vor den Mund: "Du bist zu stur", schrieb er dem 64-jährigen "katholischen Lutheraner" ins Stammbuch, dessen Kanten freilich "manche zu glatte Entscheidung besser gemacht" hätten. Wissend um die Gedankenspiele von Raaf, in seinen Ehrenämtern kürzer treten zu wollen, betonte der Dekan, hier alles andere als eine Abschiedsrede zu halten: "Weiter, weiter!", rief er seinem Freund zu, "es ist noch lange nicht alles gedacht, gesagt und getan."

Bevor Margret Hummel an der Violine und Stefanie Höfner am Flügel mit einem letzten Musikstück und die von Helmut Raaf gegründete Bläserwerkstatt mit ihrem Auftritt zum geselligen Teil überleiteten, betonte der Geehrte, dass er diese Auszeichnung nur dem Privileg verdanke, mit den besten Leuten zusammengearbeitet zu haben. Im Gewerbeverein, sagte er, haben wir "stets den besten Sturm auf dem Eis."

Mit einem innigen Kuss bedankte er sich bei seiner Frau Karola, die – wie die Festredner unisono konstatierten – ihrem Mann im Geschäft den Rücken freihalte und damit sein hohes ehrenamtliches Engagement überhaupt erst möglich mache. Deswegen, sinnierte Ehrungs-Initiator Fuchtel, "gehört Karola auch ein Stückchen von diesem Bundesverdienstkreuz."

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