Vollbesetzt: Das Nagolder Kammerorchester – eine Kooperation der Musikschule und des Otto-Hahn-Gymnasiums – und das zahlreich erschienene Publuikum füllten den Burghof gut aus. Foto: Fritsch

Zum 20-jährigen Bestehen spielen die Musiker in der Ruine Hohennagold ihre Lieblingsstücke.

Nagold - Traditionsgemäß gibt das Nagolder Kammerorchester sein Juli-Konzert in der Burgruine, hoch über der Stadt. In den vergangenen Jahren aber betrieb die launische Natur ein böses Katzemausspielchen mit Florian Hummel und seinen Musikern und allzu oft musste man in die Stadthalle ausweichen. Diesmal fiel die einstimmige Entscheidung des Orchesters schon zur Mittagsstunde: "Wir spielen auf der Burg" und die war echt mutig, denn es hieß "warm anziehen" gleichermaßen für Musiker und Zuhörer. Schließlich lässt man sich bei einem 20-jährigen Bestehen nicht so einfach durch den kühlen Wind aus der märchenhaften Naturkulisse der Ruine Hohennagold vertreiben. Und so geschah es.

 

Zu Fuß oder mit den überfüllten Bussen bezwangen die zahlreichen Gäste den Schlossberg, wo sich die 70 Musiker im breiten Halbkreis auf der Naturbühne aufstellten. Ihr Jubiläumskonzert eröffneten sie mit dem feurigen Satz aus der 9. Sinfonie von Antonin Dvorak und eroberten im Sturm die Herzen der Zuhörer.

Ohne feierliche Ansprache gibt es kein Jubiläum. Oberbürgermeister Jürgen Großmann würdigte in wenigen, aber sehr bewegenden Worten die Verdienste von Stadtmusikdirektor Florian Hummel um sein seit 20 Jahren bestehendes Werk – das Nagolder Kammerorchester, dessen Entstehung Großmann als einen "Kraftakt" und das Konzert selbst als "einen der schönsten Landesgartenschau-Höhepunkte" bezeichnete.

Wie zur Bestätigung dieser Worte ertönten die mächtigen Blechbläser- und Paukenklänge im "Festlichen Marsch" aus Wagnerschem "Tannhäuser" und danach, im krassen Kontrast zu diesem triumphalen Ausbruch sang anschließend die Geige von Margret Hummel das hinreißend schöne Violinsolo aus der Oper "Thaïs" von Jules Massenet. Vom Zauber ihres Spiels verhext, wachte schließlich das Publikum auf und belohnte die Künstlerin und das wunderbar begleitende Orchester mit frenetischem Applaus.

Gleichfalls viel Anerkennung erntete der "Nagolder Flöten-Paganini" Christoph Kieser, bekannt als bravouröser Interpret der technisch anspruchsvollsten Musik. Manche Zuhörer waren nicht ganz sicher, ob der Virtuose nicht magische Kräfte der Burgruine zu Hilfe gerufen hatte und schauten ungläubig zu, wie Kieser die Variationen von Giulio Briccialdi leicht, tänzerisch, den halsbrecherischen Schwierigkeiten trotzend, spielte.

Als dritter Solist im Sonntagskonzert präsentierte sich der diesjährige Abiturient und "Jugend musiziert"-Bundespreisträger Christoph Kalmbach, der im atemberaubenden Tempo seine Marimba- Schlägel in der Tell-Fantasie von Franz Krüger (nach Rossini-Themen) tanzen ließ. Voller Bewunderung für seine imponierende musikalische Leistung wollte ihn das Publikum lange Zeit einfach nicht von der Bühne entlassen.

Außer Klassik servierte das Orchester auch leichtere Unterhaltungskost, darunter "Go West" von Ralph Ford und "Gladiator" – Filmmusik von Hans Zimmer – gleichfalls mit überwältigendem Erfolg, der in zwei Zugaben gipfelte.

In einer knappen Konzertstunde stellte das Nagolder Kammerorchester nur einen Querschnitt seines Repertoires und einen Teil der breiten Möglichkeiten unter Beweis.