Über Jettingen oder über Eutingen – was ist die realistischere Variante, um per Bahn nach Herrenberg (Foto) und dann nach Stuttgart zu kommen? Foto: Fritsch

Oberbürgermeister Jürgen Großmann: "Vergeigen wir dieses Thema nicht".

Nagold - Der Gemeinderat um Oberbürgermeister Jürgen Großmann widmete sich in der jüngsten Sitzung dem Thema Schienenanbindung an Stuttgart. Dabei riet der OB davon ab, das Projekt "Metropolexpress" zu gefährden.

Zuletzt hatten sich Ex-OB Rainer Prewo und Ex-Stadtrat Ulrich Mansfeld zu dem Thema geäußert und eine Stuttgart-Anbindung über Jettingen und Herrenberg ins Spiel gebracht. Ein alter Plan, der eigentlich schon vor neun Jahren wegen zu hoher Kosten fallengelassen wurde. Prewo und Mansfeld hatten im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten darauf verwiesen, dass die Bundesregierung die Förderung für den Schienen-Nahverkehr deutlich erhöhe. Bis 2025 sollen die Zuwendungen von 332 Millionen pro Jahr auf zwei Milliarden Euro steigen. Somit würden auch die Förderquoten dadurch steigen.

Nagolder OB spricht klare Meinung aus

Im Nagolder Rathaus präferiert man eine andere Variante, den "Metropolexpress". Eine Streckenführung über Hochdorf und Eutingen nach Herrenberg. Das machte Oberbürgermeister Jürgen Großmann in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates nochmals klar – ohne dass das Thema eigentlich auf der Tagesordnung gestanden hätte.

Christopher Knall, Klimaschutzmanager und ÖPNV-Beauftragter der Stadt Nagold präsentierte dem Gemeinderat einen Sachstandsbericht zum aktuellen Stand der Planung der Anbindung an den Metropolexpress. Schon im voraus erklärte Knall, dass er später noch über die direkte Anbindung über Jettingen reden werde – "und warum wir das nicht weiter verfolgen werden".

Zurück zum Metropolexpress: Das Land Baden-Württemberg übernimmt alle Kosten in der Planungsphase. Hierzu wurde bereits eine Finanzierungsvereinbarung getroffen. "Die Planung wird uns somit mit bis zu vier Millionen Euro gezahlt", erklärte er.

Aktuell sei man in der ersten Phase der Planungen. Momentan werde eine Betriebsprogrammstudie durchgeführt. Dabei werde die "fahrplantechnische Machbarkeit" wie auch die Einbindung in das bestehende Netz der Bahn geprüft. Geplant sei laut Knall, dass diese Studie bis Ende August fertiggestellt werde. Im Anschluss werde die Stadt voraussichtlich anfangen einen Finanzierungsvertrag mit der Bahn anzusetzen.

Sitzungen nun wirklich konstruktiv

"Es ist eine große Ernsthaftigkeit von Seiten des Landes da, vom Verkehrsministerium, aber vor allem auch von der Bahn", unterstrich Großmann. "In all den Jahren, wo ich mich jetzt mit dem Bahn-Thema befasse – seit dem Jahr 2008 –, darf ich jetzt an Sitzungen teilnehmen, die wirklich konstruktiv sind."

Großmann habe bisher noch keinerlei Gegenreaktion des Gemeinderates wahrgenommen. Das Land halte mit seinem Vertrag sein Wort und der Gemeinderat habe einstimmig beschlossen, "dass wir das auch so umsetzen". "Wir wären extrem schlecht beraten, wenn wir durch andere Aktionen diese Gemeinsamkeit aufs Spiel setzen. Wir haben zum ersten Mal seit Jahrzehnten eine vollständige Übereinstimmung", appellierte er.

An Tunnelbau führe nichts vorbei

Knall sprach dann über die Jettingen-Variante. Dabei bezog er sich auf die Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2001. Darin wurden elf Varianten untersucht. Keine dieser elf Möglichkeiten hatte ein "positives Ergebnis gehabt". Eine Variante wurde näher untersucht, da sie am ehesten an einem positiven Ergebnis lag. Denn um Jettingen an Herrenberg anzubinden wäre – aufgrund eines Hanges – ein Tunnelbau nötig. Daran führe laut Knall nichts vorbei. Dieser müsste zwischen drei und 3,5 Kilometer lang werden.

Mit aktuellen Zahlen der Bahn – im Rahmen von Stuttgart 21 – würden die Kosten bei rund 245 Millionen liegen. "Nur der Tunnelbau", ergänzte der OB.

Neben dem finanziellen Aspekt habe der Metropolexpress laut Großmann weitere Vorteile. Man müsse beispielsweise "keine zusätzliche Umwelt" zerstören. Preistechnisch liege man beim Projekt "Metropolexpress" geschätzt zwischen 30 und 50 Millionen Euro, fügte er an. "Warum soll ich mich als Oberbürgermeister für ein System einsetzen, wo wir Mitglied werden müssen im VVS Stuttgart?", ergänzte er zur Kostenbeteiligung bei der Jettingen-Herrenberg-Variante.

Der "Metropolexpress" bräuchte 67 Minuten von Nagold nach Stuttgart

Dann stellte Knall den zeitlichen Vergleich der Fahrzeiten vor. Für die Strecke von Nagold nach Herrenberg bräuchte die Bahn 22 Minuten. Von dort aus kämen neben der Umstiegszeit noch etwa 38 weitere Fahrminuten hinzu, um Stuttgart zu erreichen. Im Vergleich mit der Untersuchung vom Beratungsunternehmen TTK bräuchte der "Metropolexpress" von Nagold nach Stuttgart 67 Min. Zeitlich gesehen gebe es daher weder einen Vor- noch einen Nachteil, so Knall.

"Ich warne Sie ganz eindeutig: Vergeigen wir dieses Thema nicht", unterstrich der OB. "So weit waren wir noch nie!"

400 Millionen werden benötigt

Gemeinderat Eberhard Haizmann (FWV) stimmte zu. Man dürfe die momentane Situation nicht gefährden: "Wir müssen konsequent voll dahinter stehen." Daniel Steinrode (SPD) erwähnte die veränderten Förderkriterien, die von Mansfeld und Prewo genannt wurden. Zum Zeitpunkt der Studien waren diese anders. Daher solle man weitere Chancen prüfen.

Dem widersprach Gemeinderat Wolfgang Schäfer (CDU): "Die Untersuchungen sind schon gemacht worden." "Das Einzige was es zu untersuchen gibt, ist: Finden wir einen öffentlichen Geldgeber der 400 Millionen auf den Tisch legt?", fügte er an. An einer Weiterverfolgung des Projektes "Metropolexpress" führe nichts vorbei. Auch Jürgen Gutekunst (FDP) kann sich nicht vorstellen, warum man die alte Variante weiterverfolgen sollte. Großmann bekräftigte abschließend, dass die Stadtverwaltung das Projekt weiter vorantreiben werde: "Wir setzen den beschlossenen Vertrag um, dem Sie einstimmig zugestimmt haben um."

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