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Nagold "Nur draufhauen ist mir zu einfach"

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Klaus Birk geht die Silvesterparty eher ruhig an. Foto: Fritsch Foto: Schwarzwälder Bote

Jahr für Jahr unterhält Klaus Birk mit seinem Jahresrückblicksprogramm die Besucher in der Alten Seminarturnhalle. Zwei Aufführungen wird es auch diesmal wieder geben – am 14. und 15. Dezember. Wir sprachen mit dem schwäbischen Comedian mit Nagolder Wurzeln über sein Spezial-Programm, über die Kabarett-Szene in diesem Land und auch über Weihnachtswünsche.

Klaus Birk in der Alten Seminarturnhalle. Das heißt auch, schon wieder ist ein Jahr voller Höhen und Tiefen rum. Was hat dieses Jahr mit ihnen gemacht?

Dieses Jahr hat mir mehr den je gezeigt, dass wir ein neues Denken und Handeln entwickeln müssen. Einstein hat sinngemäß gesagt: Die Probleme, die wir heute haben sind durch das Denken von gestern entstanden. Wenn wir diese Probleme lösen wollen, brauchen wir ein neues Denken. Und um gleich wieder erträglich positiv zu werden: Man kann dieses neue Denken überall erkennen. Man braucht nur danach zu suchen.

Bleiben wir beim Alter, auch wenn’s schmerzt. Als Kind des vergangenen Jahrtausends können Sie ja schon mit einer gewissen Weisheit auf ihre Zunft blicken. Wie schaut’s aus um Deutschlands Kleinkunst-Szene? 

Die Kleinkunst hat sich professionalisiert. Ist in manchen Bereichen zur Gelddruckmaschine geworden. Das senkt des Öfteren das Niveau und hebt die Freude der Massen. Flach lachen, nennt das der Philosoph Khalil al Fadin. Wobei er damit nicht bewertet, nur feststellt, dass die Masse zu viel Tiefe eher belastend findet. Je höher der Druck, je größer der Wunsch, sich die Sorgen ein paar Stunden lang wegzulachen. Es gibt daneben ein ernsthaftes Bemühen, uns die wesentlichen Themen näher zu bringen. Auch die Poesie kehrt zurück über den Poetry Slam. Hinzugekommen ist das Infotainment: Ist in vielen Bereichen sehr anregend und wird angereichert durch eine witzige und unterhaltende Darbietung. Es sind mehr Kleinkünstler denn je unterwegs, quer durch alle Nationalitäten und Kulturen, was eine enorme Bereicherung an Themen und Sichtweisen bedeutet. Die Szene ist sehr lebendig und vielseitig.

Trügt der Schein, oder sind Sie ernster geworden?

Ja. Der Schein trügt und ich bin ernster geworden. Jeder Comedian oder Kabarettist hat eine ernste Seite. Ist auch logisch: Comedy ist immer tragisch, geht aber gut aus. Wer die Tragik nicht spürt und sieht, kann nicht wirklich komisch sein.

Wissen Sie Lachen ist eine feine Sache, es heilt, es gibt Kraft und erlöst. Doch es gibt etwas, das ich Seelennahrung nenne. Etwas das dich anhebt, nährt, nennen wir es Poesie, Bilder, Worte, die uns Licht geben, wenn vieles Dunkel scheint. Davon gibt es eben jetzt neben den komischen Geschichten etwas mehr in meinem Programm. Also Licht an und lach aus!

Wie steht’s denn um die Meinungsfreiheit im Kabarett? Darf Satire wirklich alles?

Sie können zu einem Hai sagen, dass er eine große Klappe hat, aber wie bei Rotkäppchen kann es passieren, dass dich hinterher da einer wieder rausholen muss.

Wir reden hier über Hemmungslosigkeit. So wie wir einigen Menschen, Konzernen und Regierungen vorwerfen, dass sie völlig aus dem Ruder laufen, so laufen wir selbst aus dem Ruder, wenn wir nur bestrebt sind, ihnen beleidigend eine vor den Latz zu knallen, ohne brauchbare Alternativen zu nennen. Nur draufhauen ist mir zu einfach. Wir lassen uns sonst von dem gleichen Virus fressen, der uns so unglücklich macht. Insofern bin ich kein Freund der enthemmten Satire.

Machen Sie sich Sorgen um die Zukunft des Dialekts?

Es wird ihm gehen wie den Zauneidechsen. Irgendwann werden die letzten unserer Art dorthin getragen, wo noch einige unsere Sprache sprechen. Danach wird er sich auflösen in der globalen Sprache dieses Planeten. Welche es ist, wird sich zeigen, möge sie aus dem Herzen kommen.

Sie sind ja auch Kolumnist bei uns, und gemeinsame Veranstaltungen hat es auch schon gegeben. Wächst da jetzt zusammen, was zusammengehört?

Sagen wir es mal so, ich freue mich gemeinsam mit kreativen Leuten etwas zu entwickeln, was den Menschen Freude macht.

Mit der Alten Seminarturnhalle sind sie ja auch schon seit längerem ziemlich beste Freunde...

Das ist richtig. Ich bin ein ausgewiesener Fan der unglaublichen Leistung dieses Vereins. Was da an unbezahlter Arbeit geleistet wird ist phänomenal, egal ob es sich dabei um die unzähligen Helfer handelt, um das grandiose Ensemble der "Vorhang auf"- Leute oder die jungen Kabarettisten und Musiker, die diese Spielstätte zu etwas Herausragendem in Deutschland machen. Es ist mir Freude und Ehre zugleich hier jedes Jahr auftreten zu dürfen.

Zwei Abende hintereinander treten Sie in der Semihalle mit ihrem Nagold-Special auf. Welche lokalen Themen haben es Ihnen denn 2019 besonders angetan?

Wenn ein Oberbürgermeister eine Burg wieder aufbauen möchte, dann ist das eine Vision, der man sich mit Freuden widmen will. Wenn die SPD zu neuem Leben erwacht durch ein Pflegeheim, dann hat das was. Und wenn die Bürger verhindern wollen, dass ihnen von oben aus Hub-schraubern Sondereinheiten in den Salat hopsen, dann ist das schon eine Geschichte wert...

...und welche überregionalen Themen, haben es ins Birksche Rückblickprogramm geschafft?

Müssen Sie jetzt schon wieder den Finger in die VfB-Wunde legen? Daneben beschäftigt mich natürlich die Frage, wie lange es Stuttgart als Stadt noch gibt, wenn dort die Eidechsen an die Regierung kommen. Zudem ist es auch sportlich für eine Milliarde eine neue Oper bauen zu wollen, wenn schon der Umbau des Stadions mit 60 Millionen zu teuer scheint. Auch Donald der Erste hat es ins Programm geschafft. Ob er uns für die beiden Abende noch Twitter-Grüße durch den Feinstaub sendet, ist noch nicht wirklich sicher. Dazu gibt es wie immer Geschichten von dir und mir, von Leuchten und von Lichtgestalten und jenen, die trotz Schatten heller werden.

Jetzt wird’s besinnlich: Wie  feiert eigentlich ein Klaus Birk Weihnachten?

Vegetarisch mit der Familie, also Gans und gar. Der Baum wird bekugelt, bekerzt und lammetaisiert. Ansonsten versucht der Birk sich auf die Liebesenergie dieses Festes einzutunen.

Und Silvester geht’s auf den Vorstadtplatz? 

Da ich das ganze Jahr die Freude habe, vor vielen Menschen auftreten zu dürfen, bevorzuge ich eher die stille Version dieses Übergangs.

Weihnachtlich wollen wir natürlich auch dieses Interview beenden: Haben Sie noch einen Weihnachtswunsch? Für Sie selbst, für Nagold, für die Menschheit? Und bitte sagen Sie jetzt nicht Weltfrieden...

...jetzt erst recht: Weltfrieden! Dazu Genügsamkeit, Mitgefühl, die Fähigkeit zu teilen, Liebe und mehr Licht in unserem Denken, Sehen und Handeln, umgeben von einer Natur, die wir ebenso achten und ehren wie Mutter Erde. Schön wäre dazu noch Freibier für alle, oder wenigstens reines Wasser für jeden.

Könnten Sie noch kurz ein Streichholz anzünden?

Wozu?

Ich will nur mal kurz nachsehen, ob das Licht noch brennt.   Die Fragen stellte Heiko Hofmann

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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